. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
15. März 2008, 12:23 Uhr

Müntefering poltert gegen Beck

Der ehemalige SPD-Chef Franz Müntefering lässt kein gutes Haar an seinem Nachfolger Kurt Beck. Die Öffnung hin zur Linkspartei bezeichnet er als "Fehler" und den Zeitpunkt der Debatte als "fatal". Überraschend deutlich äußert sich Müntefering auch bei der Frage nach dem nächsten Kanzlerkandidaten der SPD.

Franz Müntefering meldet sich zurück und kritisiert SPD-Chef Beck massiv© Arno Burgi/DPA

Der frühere SPD-Chef Franz Müntefering hat seine Partei vor einem Linksruck gewarnt und den Kurs seines Nachfolgers Kurt Beck gegenüber der Linkspartei kritisiert. "Der Fehler ist gemacht", zitierte der "Spiegel" laut Vorabbericht vom Samstag aus einem internen Strategiepapier Münteferings. Nun müsse der Schaden begrenzt werden, kommentierte Müntefering demnach Becks Positionswechsel, zunächst Bündnisse mit der Linkspartei auszuschließen und sie dann doch zuzulassen. "Nach diesem Vorlauf kann es keine optimale Lösung geben. Der Zeitpunkt der Debatteneröffnung macht die Sache noch fataler."

In dem Papier, das er der SPD-Spitze Ende Februar übermittelt haben soll, warnte Müntefering eindringlich vor einem Linksruck und vor einer Abkehr von der Agenda 2010. "Die inhaltliche Debatte dazu muss bald beginnen. Dabei darf das Regierungshandeln der SPD seit 1999 bis 2009 nicht dementiert werden, ohne jedoch bei ihm zu verharren."

Müntefering gegen Kanzler Beck

Müntefering plädierte in der Frage des SPD-Kanzlerkandidaten im nächsten Jahr indirekt für einen, der sich klar gegen die Linkspartei abgrenzt. Die Sozialdemokraten sollten eine Regierungszusammenarbeit mit der Linkspartei ausschließen, forderte er laut "Spiegel". "Das muss sich auch in den Personalentscheidungen der SPD klar abzeichnen."

Müntefering, der früher Vize-Kanzler und Arbeitsminister war, übte zudem Kritik an der der großen Koalition insgesamt. "In einer wichtigen, global, ökonomisch, ökologisch und sozial anspruchsvollen Phase der nationalen und internationalen Politik braucht Deutschland keine politische Geschäftsführung der Routine auf niedrigem Niveau, sondern eine politische Führung mit dem Mut und der Kraft zur Zukunftsfähigkeit", zitierte das Magazin aus Münteferings Strategiepapier. "Die Interessen des Landes ... dürfen nicht an der Unfähigkeit der Gewählten zum verantwortlichen gemeinsamen Handeln Schaden nehmen."

Struck schlägt Steinmeier vor

Unterdessen hat SPD-Fraktionschef Peter Struck neben Parteichef Kurt Beck Außenminister Frank-Walter Steinmeier und auch Finanzminister Peer Steinbrück als möglichen sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten ins Spiel gebracht. Den ersten Zugriff auf die Kandidatur habe aber SPD-Chef Beck, sagte Struck der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Der Parteivorsitzende ist der natürliche Kanzlerkandidat", unterstrich er. Entschieden sei aber noch nichts. Das stehe Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres an. Den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, hat Struck nicht auf seiner Liste der möglichen sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten.

Das Vorschlagsrecht für den Kandidaten liege bei Beck. "Ich weiß, dass er diese Entscheidung davon abhängig machen wird, mit wem die SPD zu diesem Zeitpunkt die größten Chancen hat", sagte Struck. Eine Alternative zum Kandidaten Beck könnten dessen beide Stellvertreter sein. "Ich halte Frank-Walter Steinmeier für geeignet, Kanzlerkandidat zu sein", formulierte Struck. Und er ergänzte: "Peer Steinbrück wäre auch ein möglicher Kanzlerkandidat." Weitere Namen nannte er nicht. Auf die Frage, ob er Wowereit aus Versehen unerwähnt gelassen habe, antwortete Struck. "Nein. Nicht aus Versehen."

SPD verliert in Umfrage

SPD-Chef Beck hatte in der SPD einen Kurswechsel eingeleitet, indem er nach der Hessen-Wahl den Landesverbänden freie Hand für eine Kooperation mit der Linkspartei gegeben hatte. Als Kritiker dieser Öffnung gelten mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Finanzminister Peer Steinbrück auch zwei Stellvertreter Becks in seinem Parteiamt.

Beck hatte bislang jedoch eine Koalition mit der Linken auf Bundesebene kategorisch ausgeschlossen. Der Richtungsschwenk der SPD ist auch beim Bürger negativ angekommen, die SPD hat in den jüngsten Umfragen nochmals kräftig verloren und kam zuletzt auf magere 23 Prozent. Eine Mehrheit der Wähler glaubt dem jüngsten ZDF-Politbarometer zufolge nicht daran, dass die SPD nach der nächsten Bundestagswahl kein Bündnis mit der Linken eingehen wird. Insgesamt 54 Prozent der Befragten gehen in diesem Zusammenhang davon aus, dass Beck dauerhaft an Glaubwürdigkeit verloren hat, 35 Prozent sehen das nicht so.

DPA/Reuters
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Koalition mit Linkspartei Deutsche rechnen mit Wortbruch der SPD

Das Vertrauen in die SPD sinkt: Mehr als die Hälfte der Deutschen glaubt, die Partei werde entgegen ihrer Ankündigungen bei der nächsten Bundestagswahl mit der Linkspartei koalieren. SPD-Chef Beck hat dies jedoch "eindeutig" ausgeschlossen. Auch ein alter Bekannter warnte vor einer solchen Zusammenarbeit. mehr...

Linkspartei-Vize Katja Kipping "Ich nehme Becks Gegnerschaft an"

Wie halten wir's mit der Linkspartei? Über die Antwort auf diese Frage zerfleischt sich die SPD derzeit selbst, allen voran Parteichef Kurt Beck. Nur, wie halten's die Linken eigentlich mit der SPD? Im stern.de-Interview verrät Vizechefin Katja Kipping, wie die SPD für sie attraktiv sein könnte. mehr...

Kommentar Kater Beck badet gerne lau

Wenn es nach Kurt Beck geht, gibt es keine Kritik an seiner neuen Strategie, geschweige denn an seiner Person. Dass um ihn herum die Mäuse auf den Tischen tanzen, will er nicht wahrhaben. Wäre die SPD noch die gute alte SPD, würde sie sich eines solchen Vorsitzenden schnellstmöglich entledigen. mehr...

 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (7/2012)
Unser täglich Fleisch