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15. März 2008, 12:23 Uhr

Müntefering poltert gegen Beck

Der ehemalige SPD-Chef Franz Müntefering lässt kein gutes Haar an seinem Nachfolger Kurt Beck. Die Öffnung hin zur Linkspartei bezeichnet er als "Fehler" und den Zeitpunkt der Debatte als "fatal". Überraschend deutlich äußert sich Müntefering auch bei der Frage nach dem nächsten Kanzlerkandidaten der SPD.

Franz Müntefering meldet sich zurück und kritisiert SPD-Chef Beck massiv© Arno Burgi/DPA

Der frühere SPD-Chef Franz Müntefering hat seine Partei vor einem Linksruck gewarnt und den Kurs seines Nachfolgers Kurt Beck gegenüber der Linkspartei kritisiert. "Der Fehler ist gemacht", zitierte der "Spiegel" laut Vorabbericht vom Samstag aus einem internen Strategiepapier Münteferings. Nun müsse der Schaden begrenzt werden, kommentierte Müntefering demnach Becks Positionswechsel, zunächst Bündnisse mit der Linkspartei auszuschließen und sie dann doch zuzulassen. "Nach diesem Vorlauf kann es keine optimale Lösung geben. Der Zeitpunkt der Debatteneröffnung macht die Sache noch fataler."

In dem Papier, das er der SPD-Spitze Ende Februar übermittelt haben soll, warnte Müntefering eindringlich vor einem Linksruck und vor einer Abkehr von der Agenda 2010. "Die inhaltliche Debatte dazu muss bald beginnen. Dabei darf das Regierungshandeln der SPD seit 1999 bis 2009 nicht dementiert werden, ohne jedoch bei ihm zu verharren."

Müntefering gegen Kanzler Beck

Müntefering plädierte in der Frage des SPD-Kanzlerkandidaten im nächsten Jahr indirekt für einen, der sich klar gegen die Linkspartei abgrenzt. Die Sozialdemokraten sollten eine Regierungszusammenarbeit mit der Linkspartei ausschließen, forderte er laut "Spiegel". "Das muss sich auch in den Personalentscheidungen der SPD klar abzeichnen."

Müntefering, der früher Vize-Kanzler und Arbeitsminister war, übte zudem Kritik an der der großen Koalition insgesamt. "In einer wichtigen, global, ökonomisch, ökologisch und sozial anspruchsvollen Phase der nationalen und internationalen Politik braucht Deutschland keine politische Geschäftsführung der Routine auf niedrigem Niveau, sondern eine politische Führung mit dem Mut und der Kraft zur Zukunftsfähigkeit", zitierte das Magazin aus Münteferings Strategiepapier. "Die Interessen des Landes ... dürfen nicht an der Unfähigkeit der Gewählten zum verantwortlichen gemeinsamen Handeln Schaden nehmen."

Struck schlägt Steinmeier vor

Unterdessen hat SPD-Fraktionschef Peter Struck neben Parteichef Kurt Beck Außenminister Frank-Walter Steinmeier und auch Finanzminister Peer Steinbrück als möglichen sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten ins Spiel gebracht. Den ersten Zugriff auf die Kandidatur habe aber SPD-Chef Beck, sagte Struck der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Der Parteivorsitzende ist der natürliche Kanzlerkandidat", unterstrich er. Entschieden sei aber noch nichts. Das stehe Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres an. Den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, hat Struck nicht auf seiner Liste der möglichen sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten.

Das Vorschlagsrecht für den Kandidaten liege bei Beck. "Ich weiß, dass er diese Entscheidung davon abhängig machen wird, mit wem die SPD zu diesem Zeitpunkt die größten Chancen hat", sagte Struck. Eine Alternative zum Kandidaten Beck könnten dessen beide Stellvertreter sein. "Ich halte Frank-Walter Steinmeier für geeignet, Kanzlerkandidat zu sein", formulierte Struck. Und er ergänzte: "Peer Steinbrück wäre auch ein möglicher Kanzlerkandidat." Weitere Namen nannte er nicht. Auf die Frage, ob er Wowereit aus Versehen unerwähnt gelassen habe, antwortete Struck. "Nein. Nicht aus Versehen."

SPD verliert in Umfrage

SPD-Chef Beck hatte in der SPD einen Kurswechsel eingeleitet, indem er nach der Hessen-Wahl den Landesverbänden freie Hand für eine Kooperation mit der Linkspartei gegeben hatte. Als Kritiker dieser Öffnung gelten mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Finanzminister Peer Steinbrück auch zwei Stellvertreter Becks in seinem Parteiamt.

Beck hatte bislang jedoch eine Koalition mit der Linken auf Bundesebene kategorisch ausgeschlossen. Der Richtungsschwenk der SPD ist auch beim Bürger negativ angekommen, die SPD hat in den jüngsten Umfragen nochmals kräftig verloren und kam zuletzt auf magere 23 Prozent. Eine Mehrheit der Wähler glaubt dem jüngsten ZDF-Politbarometer zufolge nicht daran, dass die SPD nach der nächsten Bundestagswahl kein Bündnis mit der Linken eingehen wird. Insgesamt 54 Prozent der Befragten gehen in diesem Zusammenhang davon aus, dass Beck dauerhaft an Glaubwürdigkeit verloren hat, 35 Prozent sehen das nicht so.

DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 34)
 
Computerlehrling (18.03.2008, 10:38 Uhr)
Verhalten des Herrn Müntefehring
Ich kann den Herrn Müntefering gut verstehen.Er weiß genau,das das Vertrauen in Herrn Beck nicht mehr gegeben ist.Wer einmal Lügt dem glaubt man nicht auch wenn er manchmal die Wahrheit spricht.Die "Schönwettertour" durch Norddeutschland ist zwecklos.
Marsmann (16.03.2008, 15:09 Uhr)
Unloyales Verhalten von Herrn Müntefering
Schade, dass Herr Beck mit solchen hinterhältigen Strippenziehern der rechten Mitte in der eigenen Partei zu tun hat, hoffentlich soll er nicht nur bis zu den nächsten Wahlen als linker "Vorzeigeideot" dienen wie einst Herr Lafontaine. Dabei betrachte ich Leute der rechten Mitte nicht generell als schlechte Menschen, aber sie sollen die Fahne einer Partei schwenken, die ihrer Haltung entspricht. Dann hätten die Wähler eine echte Chance, mitzubestimmen. Ich denke nur an Herrn Münteferings Aussage, es sei unfair, die Parteien nach der Wahl an dem zu messen, was sie im Wahlkampf versprochen haben. Solche Menschen machen unsere Demokratie zur Farce, und das ist freundlich ausgedrückt!
Echolot (16.03.2008, 13:26 Uhr)
@ manesse
Sie haben meinen Beitrag gelesen, leider zweifle ich etwas am Verständnis. Ich war der Meinung, separate IRONY-Tags wären überflüssig. Was Ihre offensichtliche Einschätzung von Teilen Ihrer Mitbürger angeht, so weigere ich mich schon seit einiger Zeit, mich mit "Argumenten" auf Bildzeitungsniveau auseinanderzusetzen. Das hat eine derartige Hetze schlicht nicht verdient.
ganzbaf (16.03.2008, 11:01 Uhr)
Müntehering...
Lenk- und Angelpunkt der unheilvollen "Seeheim-Neolib-Viererbande" Schröder, Struck, Clement und´s Franzerl himself...
;-D
Weg mit den Grundgestzverrätern! :-)
n8g8 (16.03.2008, 02:41 Uhr)
Das Wesentliche
Herr Müntefering sollte sich besser auf seinen Rücktrittsgrund besinnen: die Krankheit seiner Frau. Ist sie NUN genesen, wenn er jetzt Ansprüche anmeldet? Ich finde es nicht schlüssig, auf seine Karriere aus familiären Gründen zu verzichten und andererseits im Wahlkampf Grüße der schwerkranken frau auszurichten - also auch nicht glaubwürdiger als KURTI!
Das Problem der "so genannten" SPD ist nicht Beck sondern der Lobbyismus.
Der Wähler wird es danken. :-)
manesse (15.03.2008, 22:24 Uhr)
@echolot
Sie schreiben: "Was den Münte ärgert...
ist doch nur, das wir dummes, arbeitsscheues und reformunwilliges Gesindel einfach nicht anerkennen wollen, welch grossartige und soziale Leistung die Agenda 2010 war. Wie die Genossen Schröder und Müntefering damit dafür gesorgt haben, das der Aufschwung gerade bei allen Bürgern ankommt. Und was tun wir statt dessen, wir undankbares Pack? Rennen einfach populistischen Altkommunisten hinterher...doch halt, so einfach ist das nicht." Bis dahin stimme ich Ihrem Beitrag vorbehaltlos zu. Sie haben die Frei-Bier-für-alle-Mentalität des Lumpenproletariats, das seine Faulheit vom Staat alimentiert wissen will, hervorragend beschrieben.
havit (15.03.2008, 21:24 Uhr)
18 + ist doch gut.
Die FDP kämpft noch mit ein paar Prozent, um an diese Zahl zu kommen. Und die SPD, die hat noch diese Prozente, aber wahrscheinlich nicht mehr lange. Da kann man nur sagen, Genossen vereinigt Euch.
TomH (15.03.2008, 17:16 Uhr)
@DocS1977
Komme gerade erst nach Hause und sehe sie beherrschen doch das einmaleins der Statistik...
Ich gebe Ihnen Recht, 22% sind ausserhalb der Fehlertolleranz.
Dennoch: Derartige Kommentare mit solchen Rechenfehlern wären mir extrem peinlich... Vor allem wenn man dann auch noch blöd daher reden will wie sie...
Na ja, Grundkurs Mathematik ist halt Kein MBA... oder mit den niveaulosen Worten von ganzbaf: ;-P
h.morun (15.03.2008, 16:43 Uhr)
Nicht zu arg ins GEricht
Der Wähler sollte nicht zu arg mit Beck ins Gericht gehen. Machte er doch nichst anderes als es alle anderen heute auch tun. Sich wenden und drehen um an Stimmen zu kommen. Keine Richtung zu haben. Wenn doch, dann schnell wandelbar sein, falls die Wähler weg bleiben.

bestoff5 (15.03.2008, 16:01 Uhr)
Müntefering.....
Der soll boß ruhig sein.Er und Schröder haben den Niedergan der SPD eingeleitet.25% in der Wählergunst,40% Mitgliederschwund ist allein Verdienst dieser Strategen.Das einzige was sie haben/hatten ist ein selbstbewußtes Auftreten bei gleichzeitiger völliger Ahnungslosigkeit.Sie wissen noch nicht einmal was sie angerichtet haben.Noch Fragen?
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