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7. Mai 2007, 07:07 Uhr

Köhler scharf kritisiert

Nachdem sich Bundespräsident Köhler mit dem RAF-Terroisten Christian Klar getroffen hat, wird er auch von seinen eigenen Partei-Kollegen scharf kritisiert. In dieser Woche will Köhler seine Entscheidung über eine mögliche Begnadigung bekannt geben.

Gnadengesuch: Die mögliche Begnadigung Klars durch Bundespräsident Köhler sorgt für eine hitzige Debatte.© Wolfgang Kumm/Norbert Försterling/DPA

Der Umgang von Bundespräsident Horst Köhler mit dem Gnadengesuch des früheren RAF-Terroristen Christian Klar schlägt weiterhin hohe Wellen. In der Union wurden Köhlers Kritiker mit deutlichen Worten zur Zurückhaltung gemahnt. Am Sonntag hatte sich bereits Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel mit einem Aufruf zu Respekt vor dem Bundespräsidenten in die immer hitziger werdende Debatte eingeschaltet. Köhler hatte sich am Freitag mit Klar getroffen und will nächste Woche seine Entscheidung über das Gnadengesuch des 54-Jährigen bekannt geben.

Scharfe Töne aus der CSU

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte dem "Kölner Stadtanzeiger", es sei "das Recht, aber auch die Pflicht des Bundespräsidenten, Gnadengesuche genauestens und mit einem Höchstmaß an Verantwortung zu prüfen." Es gelte nun, die Entscheidung "mit Respekt abzuwarten." Der Unions-Innenexperte Hans-Peter Uhl (CSU) wies Kritik aus seiner Partei an Köhler im selben Blatt ebenfalls zurück. Die Entscheidung an eine Wiederwahl Köhlers zu koppeln, sei "völlig abwegig." Allerdings sagte Uhl zugleich in Richtung Klar: "Auch Gnade ohne Reue kann es nicht geben."

Aus der CSU kamen indes wieder schärfere Töne: Im Falle einer Begnadigung Klars durch Köhler solle die Regierung diese Anordnung nicht gegenzeichnen. "So könnte die Bundesregierung deutlich machen, dass man mit der Entscheidung des Bundespräsidenten nicht einverstanden ist", sagte der CSU-Bundestagsabgeordnete Andreas Scheuer der "Passauer Neuen Presse" (Montag). Schließlich habe auch Köhler einige Gesetze der Bundesregierung nicht unterzeichnet.

Auswirkungen auf eine zweite Amtszeit

Nach Ansicht Scheuers würde sich eine Begnadigung Klars auf das Stimmenergebnis bei einer möglichen Wahl Köhlers für eine zweite Amtszeit auswirken: "Wenn der Bundespräsident Klar begnadigt, geht das nicht spurlos an meiner Entscheidung über meine Stimme bei der Bundespräsidentenwahl vorbei. Dann muss ich mir schwer überlegen, ob er noch meine Stimme hat." Vielen CSU-Bundestagsabgeordneten gehe es ebenso.

FDP-Fraktionsvize Sabine Leutheusser-Schnarrenberger warf der CSU vor, das Amt des Präsidenten zu beschädigen. Die Drohungen, Köhler nicht mehr wiederwählen zu wollen, nannte die frühere Bundesjustizministerin "unterstes politisches Niveau". Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach warnte davor, Druck auf Köhler auszuüben. Zwar sei er persönlich gegen eine Begnadigung Klars. Doch müsse man die Entscheidung Köhlers respektieren, unabhängig davon, wie sie ausfallen werde.

unerhörte und respektlose Drohungen

Als "Amtsanmaßung" bezeichnete der SPD-Innenpolitiker Sebastian Edathy die Anwürfe gegen Köhler aus den Reihen der Union. "Ich halte es für unziemlich, den Bundespräsidenten in Sachen Gnadenrecht irgendwelche Ratschläge zu erteilen", sagte er der "Frankfurter Rundschau". Landtags- und Bundestagsabgeordnete seien nur für die Gesetzgebung zuständig, betonte der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses. Für die Frage, ob Gnade vor Recht ergehe, liege die alleinige Zuständigkeit und Verantwortlichkeit beim Bundespräsidenten.

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, nannte die Drohung aus der CSU, eine Wiederwahl Köhlers blockieren zu wollen, in der "Thüringer Allgemeinen" "unerhört und ausgesprochen respektlos." Die Vorsitzende der Grünen, Claudia Roth, sagte der "Berliner Zeitung": "Union und FDP haben keine Achtung vor der Person Horst Köhler und missachten zudem das Präsidentenamt." Die Äußerungen seien "erpresserisch und nötigend."

DPA
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
hardrain (07.05.2007, 11:47 Uhr)
Willkommen in der Demokratie!
Lieber einen rechtmässig Verurteilten nach Jahrzehnten der Strafverbüssung begnadigen als einen Nazi-Richter zum Ministerpräsidenten machen und diesen posthum per Lüge zu rehabilitieren versuchen!
Faber (07.05.2007, 11:32 Uhr)
Demokratieverständnis
Manchmal frage ich mich, ob wir noch in einem Rechtsstaat leben?
Wenn man, wie Söder und seine bayrischen Freunde substantiell nichts zu bieten hat, hilft nur noch eine kleine Erpressung. Man mag zu Köhler stehen wie man wiil, aber muß man die Person und das Amt in dieser Form beschädigen? Es ist schließlich das ureigenste Recht des Bundespräsidenten, nach entsprechender Prüfung, Begnadigungen auszusprechen oder zu verweigern. Herr Söder und Konsorten benötigen offensichtlich Nachhilfe in Sachen Verfassung und Demokratie.
friedolin (07.05.2007, 11:20 Uhr)
Deutsche Folklore
Wie satt ich dieses Schmierentheater habe kann ich gar nicht in Worte fassen.
Klar wurde derzeit rechtskräftig verurteilt unter sorgfältiger Abwägung aller Fakten, Beweise und Umstände. Dass er eine derart lange Strafe bekommen hat, war also Tat und Schuld angemessen. Die deutschen Wichspülerregeln für Häftlinge ermöglichen es schon, dass jemand mit mehrmals lebenslänglich - Gnade hin oder her - nach ein paar Jährchen wieder rauskommt.
Unerträglich wie der Gnadengesuch eines Schwerstkriminellen zu einer gesamtdeutschen Seifenoper wurde. Und unerträglich, dass der Köhler dem Serienmörder auch noch seine Aufwartung macht. Ein Kniefall vor den Linksradikalen.
Die Christdemokraten gehen massiv den Bach runter. Der eine will den Rechtsstaat durch einen Überwachungsstaat ersetzen, der andere Kuschelt in humanistischer Verkrampfung mit Radikalen Mördern.
Gute Nacht
kagan (07.05.2007, 10:34 Uhr)
Unangemessene Verdrehung der Tatsachen
Von Politikern ist man Polemik gewohnt. Aber die Überschrift 'Köhler wird von allen Seiten kritisiert' trifft keineswegs die Wahrheit und ist ein sehr primitiver Versuch Köhler in ein schlechtes Licht zu rücken, sein Ansehen zu beschädigen. Käseblattjournalismus, wenn man da überhaupt noch von Journalismus reden kann.
badmoon (07.05.2007, 10:31 Uhr)
Populismus
Diese Erpressungsversuche der CSU und CDU sind vollkommen daneben. Hier geht es nicht darum, ob es richtig ist, Christian Klar zu begnadigen. (Ich habe Vertrauen, dass unser Bundespräsident das schon gründlich prüfen und durchdenken wird.) Was sie betreiben ist purer Populismus unterster Stufe.
Diese schamlosen Versuche, die Presse für sich zu nutzen, hat nichts mit Profilbildung zu tun. Das ist Nötigung.
Die letzte Begnadigung einer RAF-Terroristin (durch Johannes Rau 2002) hat ja auch nicht zu so einem Aufstand geführt.
Sehr geehrter Herr Köhler,
Sie machen soweit einen sehr guten Job. Lassen Sie sich nicht von irgendwelchen Provinzidioten beirren.
Weiter so.
hevosenkuva (07.05.2007, 10:21 Uhr)
Chronisch Selbstgerechte Unfriedenstifter
Krawall aus der Stammtischpartei braucht in Deutschland niemand. Wann verstehen die Medien endlich, wie unbedeutend die CSU außerhalb Bayerns ist (und hoffentlich in Bayern auch bald).
Da macht Horst Köhler einfach seine Arbeit und zeigt sogar mal etwas Rückgrat. Wie soll er über Christian Klars Gnadengesuch entscheiden, wenn er nicht mal selbst mit ihm gesprochen hat? Vor was haben die erzkonservativen Cowboys eigentlich solche Angst? Sollen lieber mal vor der eigenen Haustür kehren und nach den Rechten sehen!
corti (07.05.2007, 10:03 Uhr)
Souverän
vorab: ich mag ihn nicht. Er ist mir zu seicht, zu gutmenschig, zu betulich.
Umso mehr hat er mich mit dieser souveränen Geste beeindruckt. Ihn dafür zu kritisieren: wie ärmlich ist das denn?
Ernst1 (07.05.2007, 10:02 Uhr)
In welchem Land leben wir?
Seit wann ein 3.klassiger Lokalpolitiker(und mehr kann man die CSU nicht bezeichen) dem Bundespräsidenten nötigen. Was ist das für ein Rechtsverständnis???? Egal wie der Bundespräsident entscheidet. Die Politiker haben seine Entscheidung zu akzeptieren. Herr Köhler ist nach vielen jahren der beste Mann in diesem Amt
Garnet (07.05.2007, 09:28 Uhr)
Suck up to Terror
Typisch Deutsch.
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