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10. April 2008, 07:59 Uhr

Steinbrück will Ministern Etats diktieren

Das gab es noch nie: Angesichts ihrer überzogenen Ausgabenwünsche für den Haushalt 2009 droht Bundesfinanzminister Peer Steinbrück vier Kollegen mit dem Entzug der Etathoheit. Im schlimmsten Fall will er den Kollegen Glos, Tiefensee, Schavan und Wieczorek-Zeul Budgets zuweisen.

Bundesfinanzminister Steinbrück droht vier Ministern, ihnen die Etathoheit zu entziehen© Klaus-Dietmar Gabbert/DPA

In der Bundesregierung ist massiver Streit über die Aufstellung des Bundeshaushalts 2009 ausgebrochen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) weigert sich, über die aus seiner Sicht überzogenen Ausgabenwünsche der Ressorts Wirtschaft, Bildung, Entwicklung und Verkehr überhaupt zu verhandeln. "Über die Forderungen dieser Ministerien werden wir inhaltlich nicht diskutieren", sagte sein Sprecher Torsten Albig in Berlin.

Das Finanzministerium droht nun den vier Ministern Michael Glos (CSU), Annette Schavan (CDU), Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) und Wolfgang Tiefensee (SPD) damit, notfalls den Haushalt ohne ihr Zutun aufzustellen und ihnen quasi ein Budget zuzuweisen. Dies ist laut Haushaltsordnung möglich. Vorher würden jedoch noch "jede Menge Chefgespräche" geführt, sagte Albig. Das Finanzministerium erwarte nun, dass die vier Ressorts abgespeckte Ausgabenwünsche vorlegen.

Innen- und Außenministerium speckten ab

Das Kabinett Merkel will den Bundesetat 2009 am 25. Juni verabschieden. Laut dem beschlossenen Finanzplan sollen die Ausgaben des Bundes 2009 höchstens 285,5 Milliarden Euro betragen. Albig bestätigte einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung", wonach die angemeldeten Wünsche aller Ressorts um 7,5 Milliarden Euro darüber liegen; bis 2012 summieren sich diese sogar auf 41 Milliarden Euro. Lobend erwähnte er, dass immerhin das Außen- und das Innenressort auf die schon vor Wochen versandten "blauen Briefe" Steinbrücks reagiert und ihre Wunschlisten abgespeckt haben.

Albig betonte, es sei strikte Ausgabendisziplin nötig, wenn das Ziel der Koalition erreicht werden soll, bis 2011 einen ausgeglichenen Bundeshaushalt ohne neue Schulden aufzustellen. "Dies ist offenbar noch nicht in allen Köpfen angekommen."

Neue Belastungen absehbar

Auch Steinbrück bekräftigte im "Handelsblatt", gegen alle Widerstände an diesem Ziel festzuhalten. Es werde "keine Haushaltsbeschlüsse gegen den Finanzminister geben". Steinbrück lobte ausdrücklich die Zusammenarbeit mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU). "Das Zusammenspiel hier ist sehr gut. Die Kanzlerin ist eindeutig und ausgesprochen hilfreich."

Laut dem aktuellen Finanzplan soll die Neuverschuldung 2009 um rund 1,5 Milliarden auf 10,5 Milliarden Euro sinken und 2011 auf null gehen. Albig verwies auf die absehbaren massiven Zusatzbelastungen für den Bundeshaushalt in Folge des Karlsruher Urteils über die höhere Absetzbarkeit von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen. In den Jahren 2010 und 2011 seien Mehrbelastungen von je fünf Milliarden Euro zu erwarten. "Auch dies erhöht massiv den Druck auf alle Ressorts, nun strikte Ausgabendisziplin zu wahren."

Die nächste Steuerschätzung ist Anfang Mai, bislang erwartet der Bund im Jahr 2009 Steuereinnahmen von knapp 248 Milliarden Euro. Ob diese Summe tatsächlich in die Staatskasse fließt, könne man jetzt noch nicht seriös prognostizieren, sagte Albig. Die Einnahmen in den ersten drei Monaten 2008 seien jedoch erfreulich stabil ausgefallen.

CSU-Chef Erwin Huber kritisierte die Finanzpolitik Steinbrücks massiv. Huber warf dem SPD-Politiker eine "unprofessionelle Konfliktstrategie" vor. "Finanzpolitik eignet sich nicht für kurzfristige Showeffekte", sagte Huber. Er erwarte stattdessen, dass Steinbrück klare Prioritäten setze und im Etat die Weichen für mehr Innovation stelle. "Ich habe gelernt, dass man Sparen nicht mit der Rasenmähermethode macht", sagte Huber. Steinbrück jedoch setze die Brechstange an, anstatt klug zu verhandeln.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
utospatz (10.04.2008, 14:50 Uhr)
Wie kann irgendjemand
versuchen, einer öffentlich-rechtlich verblödeten Gesllschaft klarzumachen, dass eine Vervierfachung jeder dieser Haushalte klientelpolitisch zu sehen ist?
Vor dreieinhalb Jahrzehnten alle Lehrwerkstätten schließen, heute jammern keine ausbildungsfähige Jugendliche zu finden, aber die Hauptsache ist doch, der Platz in der VIP-Loge meines Sportvereins ist mir sicher!
Z.Bsp.: Entwicklungshilfe-Haushalt!
Zumindest verdoppeln! Es müssen statt 3, mindestens 6 Millionen Kinder am Hungertuch nagen!
Das arbeitende Volk verhungern lassen, dessen erwirtschaftete Gelder nach Möglichkeit mit Gleichgesinnten verprassen!
So kämpfe ich an allen Fronten, für meine und meiner eigenen Nachfolger
Konten!
naiv02 (10.04.2008, 14:24 Uhr)
Holt das Geld zurück,
nachdem die Unternehmenssteuerreform so nach hinten losging, und nun beispielsweise die Autoindustrie kundtat, nicht auf Dauer in Deutschland verweilen zu wollen, sollte man auf die Idee kommen, die für Investionen vorgesehenen Geschenke wieder einzusammeln, und diesesmal einen Versuch beim Mittelstand unternehmen. Für die Wirtschaft wäre das Aufkommensneutral, nun für Großaktionäre,die gerne auf amerikanischen Immobilien wetten, wohl eher nicht so neutral, macht aber nichts, ist eh eine Minderheit.
knilch_59 (10.04.2008, 13:52 Uhr)
Antizyklische Finanzpolitik
Angeblich befinden wir uns in einer Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs. Demnach sollte das primäre Ziel sein die Staatsverschuldung zurückzutreiben – jetzt, hart und deutlich. Nur so bekommen wir Gestaltungsspielraum für den nächsten Abschwung, damit dann die Politik überhaupt in der Lage wäre, Impulse zu setzen. Jetzt knallhart sparen erspart uns in 3 Jahren Hartz-V. Kein Ressort sollte seine Ausgaben überhaupt ausweiten dürfen. Jetzt wäre die richtige Zeit für die Haushaltssperren, die Eichel aus schierer Not verordnen musste.
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Kultur und Bildung sind in unserem föderalen System Ländersache. Wenn Leserbriefe hier eine Ausgabensteigerung des Bundes fordern, liegen sie falsch. Gerade jetzt sollten die Gelegenheit zur finanziellen Entflechtung genutzt werden. Die Bundesländer sollen endlich ihre Hausaufgaben machen – siehe OECD-Bericht und die darin angemahnten Bildungsreformen. Dazu bedarf es keiner Erhöhung der Bundesmittel. Schavan-Haushalt sollte deshalb um 10% gekürzt werden – das Ressort mittelfristig abgeschafft!
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Gibt es eigentlich noch Frau Wieczorek-Zeul? Ist sie Bundes-Unsichtsbarkeitsministerin? Ressort wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit abschaffen und auf Umwelt (70%) und Verkehr und Entwicklung (20%) aufteilen, die restlichen 10% einsparen! Tiefensee kann davon die Autobahnen komplett zu Parkplätzen für Brummis umbauen und Gabriel unsere Umwelttechnologien in Schwellenländer exportieren, damit die mit dem CO2-Verbrauch gar nicht erst anfangen!
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Glos verkörpert zwar mit seinem Aussehen jemanden, dem man gute Kenntnisse von Wirtschaft zutrauen könnte, ich dachte aber, die Hauptaufgaben seines Ressorts lägen nicht in Restaurantbesuchen. In der Tagespolitik überzeugt er durch völlige Wirkungslosigkeit, was für einen heutigen Politiker kein schlechtes Ergebnis ist. Man sollte das Ressort durch den Finanzminister mit verwalten lassen, hatten wir in der Vergangenheit schon mal, war nicht schlecht! Außerdem stehen Glos und seine CSU doch sowieso für Subventionsabbau – wozu braucht er dann überhaupt noch ein Budget?
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Hallo Stern – Wie viel Mia-s habe ich jetzt eingespart?
Tomatstern (10.04.2008, 11:50 Uhr)
Sparen ist gut, wenn ...
Ein konsolidierter Haushalt ist wünschenswert, was allerdings nicht Wünschenswert ist, wenn der Patient "Deutschland" dann schuldenfrei stirbt.
Die geistige Leistung ist die einzige Ressource in der wir international Wettbewerbsfähig sind. Als reiner Produktionsstandort sind wir schon lange tot. Die zunehmende Überalterung unserer Gesellschaft erfordert eine leistungsfähige und Wettbewerbsbeständige junge Generation, die von den Voraussetzungen in der Lage ist ein Versorgungsverhältnis von 1:5 zu realisieren. Wie aber soll ein junger Mensch als Arbeitnehmer 5 Rentner versorgen können?
Sicher nicht unter den Voraussetzungen der jetzigen Rentenversorgung. Ganz sicher nicht wenn wir an den Ressourcen unser jetzigen wie auch zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit sparen.
Und die diese Ressourcen haben einen Namen: BILDUNG!
Bildung ist die Voraussetzung für geistige Leistung, der einzigen Ressource mit der wir international Wettbewerbsfähig sind und es auch bleiben müssen. Unser Rohstoff heißt Bildung.
Notwendig hierzu sind eine umfassende Bildungsreform und die Bereitstellung der notwendigen Mittel. Es ist ein Hohn das die zukünftigen Leistungsträger der Gesellschaft auch noch für den Umstand des gesellschaftlichen Überlebens heute mit einer Studiengebühr von 500 € zur Kasse geben werden, anstelle ihnen optimale Zukunftschancen zu eröffnen und ein Überleben unser Gesellschaft zu ermöglichen.
Wir brauchen keine ELITE nach dem Vorbild von Frau Schavan, wir brauchen die ELITE der Masse.
Einzelne Elite-Studenten werden nicht in der Lage sein, den Ressourcenbedarf an geistiger Leistung wettbewerbsgerecht zu befriedigen, nur die Masse wird hierzu in der Lage sein.
Die Industrie beklagt den Mangel an Ingenieuren und unsere Politik will sie aus dem Ausland importieren. Was für ein Hohn. Macht unsere Bildungsstandards so flexibel und leistungsfähig das wir diesen Bedarf wieder selbst decken können und beendet den Ausverkauf geistiger Leistung.
Daher, Herr Steinbrück, sparen ist gut aber sparen sie nicht am Patienten „ BILDUNG“, denn dieses könnte der endgültige Genickbruch für den Standort Deutschland bedeuten und die zukünftige Wettbewerbsfähig und den Staat als solches in Frage stellen.
Lieber in schulden LEBEN, wie schuldfrei STERBEN.
guzziman (10.04.2008, 10:40 Uhr)
Steinbrück...
Nichtinvestition (sparen) bedeutet Stillstand und Stillstand bedeutet Rezession!
Und das ist das letzte was wir uns in Deutschland erlauben können. Deswegen muss investiert werden und die Bundesregierung muss hier wieder einen Anfang wagen und mit gutem Beispiel vorangehen.
Wenn, wie heute morgen im Frühstücksfernsehen gesagt, die nächsten Jahre der Güterverkehr auf deutschen Strassen um 84% anwachsen wird, dann müssen die Strassen um 100% ausgebaut werden und dafür muss Geld dasein. Gespart werden kann an vielen Stellen: Sinnlose Milliardenausgaben durch profilierungssüchtige Politiker, unfähige Bankmanager (z.B. IKB), sinnlose Entwicklungshilfe (z.B. China) usw.
Also, liebe Ossis. Sparen ja, aber richtig, sonst habt ihr bald wieder eure heissgeliebte DDR!
Und noch was: Wo uns die ganze Sparerei aus 7 Jahren Schröder-Diktatur wirtschaftlich hingeführt hat, sieht ja jeder selbst - naja, jeder Westdeutsche zumindest...
Solange diese Rot-Grünen Loser (Steinbrück einbezogen) in der deutschen Politik mitmischen, KANN es nicht aufwärts gehen. Da sollte sich jeder mal Gedanken drüber machen, bevor er seine Spar-Mania gedankenlos ins Uferlose treibt!
Silas0160 (10.04.2008, 10:20 Uhr)
Ich bewundere seinen Mut
Diese Entscheidung findet meine ungeteilte Unterstützung und möchte Herrn Steinbrück ausdrücklich dazu ermutigen, auch weiterhin zu diesem Kurs zu stehen.
Das ist Wahltaktisch eine sehr gute Entscheidung.
Gruß Silas
RomanTicker (10.04.2008, 10:05 Uhr)
Sparen ist gut
Aber die Nachteile des Sparens werden von den Bürgern getragen. Dann wird z.B. weniger in die Bildung gesteckt.
influ (10.04.2008, 09:24 Uhr)
Also ich kann die vier Minister(innen) nicht bedauern...
Ein wohl verabredetes Budget überziehen und dies dann nicht mal kommentieren...
Wie soll denn sonst jemals ein ausgeglichener Haushalt erreicht werden? Die Zinsen fressen uns doch jetzt schon auf.
Den Gürtel enger zu schnallen wird schließlich auch laufend vom Wahlvolk verlangt also müssen sie halt sparen, müssen andere auch.
Buureremmel (10.04.2008, 08:46 Uhr)
Hoffentlich zieht er nicht wieder der Schwanz ein,
wie es in jüngerer Vergangenheit in Parteiangelegenheiten zu beobachten war.
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