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19. November 2007, 20:09 Uhr

Grünen-Politiker Beck klagt gegen Meisner

Grünen-Politiker Beck will Erzbischof Kardinal Joachim Meisner nicht mehr "Hassprediger" nennen. Aber gegen eine Einstweilige Verfügung, die ihm genau dies untersagt, hat er dennoch Klage eingereicht.

Kardinal Joachim Meisner streitet mit Volker Beck© Henning Kaiser/ddp

Neue Etappe im Streit zwischen Grünen-Politikern und katholischen Bischöfen: Der Parlamentarische Geschäftsführer Volker Beck wehrt sich vor Gericht dagegen, dass er Erzbischof Kardinal Joachim Meisner nicht mehr als "selbstgerechten Hassprediger" kritisieren darf. Mit einer Klage gegen Meisner vor dem Landgericht Berlin reagiert Beck gegen eine vom Erzbistum Köln erwirkte Einstweilige Verfügung, wie der Grünen- Politiker am Montag in Berlin mitteilte. Es bleibe aber dabei, dass er die strittige Kritik nicht mehr äußern wolle, versicherte Beck. Doch es handele sich um eine "Frage der Meinungsfreiheit".

Meisner habe in einer Predigt am 7. Oktober unter anderem gesagt: "Alle so genannten alternativen Modelle des menschlichen sexuellen Zusammenlebens sind aber unwahr und darum für den Menschen im Kern verderblich. Die Menschheit richtet sich hier selbst zugrunde." Eine Abtreibung mache eine Frau älter als ein halbes Dutzend Geburten.

Diese Äußerungen diskriminierten Frauen, die abgetrieben haben, wiederverheiratete Geschiedene, nichteheliche Lebensgefährten und Homosexuelle, sagte Beck. "Es kann nicht sein, dass Äußerungen eines Kardinals gegenüber scharfer öffentlicher Kritik sakrosankt sind, wenn er ganze Gruppen von Menschen in seinen Predigten angreift."

Das Landgericht Köln war der Auffassung des Erzbistums gefolgt, wonach Becks Äußerung eine "Beleidigung und ein Angriff auf die Ehre des Kardinals" sei. Fraktionschefin Renate Künast und Parteichef Reinhard Bütikofer hatten sich von der Wortwahl Becks distanziert

 
 
KOMMENTARE (10 von 27)
 
augustin900 (20.11.2007, 22:30 Uhr)
@Schwarzenegger
An dem "Dilige et fac quod vis" kommt Herr Kardinal Meisner jedenfalls nicht vorbei und muss sich daran messen lassen: Was er tut, muss sich danach laut Bibel im Rahmen der Liebe bewegen, die nur EIN Begriff für Gott ist.
Schwarzenegger (20.11.2007, 22:06 Uhr)
Grübeln über die Kirche
@ augustin900: Habe auf Ihren Rat hin etwas in die Online-Ausgabe des Augustinus eingelesen. Doch bereits im ersten von fünf gelesenen Kapiteln steht Zitat: "... will dich loben der Mensch, ein so geringer Teil deiner Schöpfung". Ist das nicht eine Herabwürdigung der Schöpfung und damit im Grunde Gotteslästerung?
Ich werde weiterlesen, aber auch der "Mensch als Eigentum Gottes", wie es wenig weiter heißt, zeugt mir von einer eher vormodernen Auffassung des Menschen als purem Objekt der Geschichte. Allein auf diesem Verständnis heraus lässt sich eine Untertanenkirche aufbauen. Das hat meines Wissens auch nichts mehr mit moderner Theologie zu tun, in der der Mensch immerhin die Freiheit der Gewissensentscheidung hat und damit auch zum für sein Handeln verantwortlichen Subjekt wird. Durch die kritische Lektüre dieses Werkes habe ich vielmehr das Gefühl, zu verstehen, warum die Kirche so wurde, wie sie ist. Aber das ist durchaus nicht positiv gemeint. Wenn ich daran denke, daß ein Schwulenhetzer wie Kardinal Meißner sich wahrscheinlich auch auf Augustinus berufen wird, dann wird mir die "positive" Wirkung fraglich. Aber ich werde weiterlesen, versprochen...
augustin900 (20.11.2007, 20:51 Uhr)
@Schwarzenegger
Die "Bekenntnisse" von Augustinus (nicht den überaus anstrengenden "Gottesstaat") würde ich Ihnen gerne empfehlen. Das Werk ist kurz und für Sie bestimmt tatsächlich interessant und hilfreich (dort Zusammenfassung der Bibel: "Tue was Du willst, aber in Liebe" = "Dilige et fac quod vis"; Hölle = Zustand der Abwesenheit der Liebe=Gottes; Schilderung seiner Wandelung vom Atheisten zum Christen).
Sukram71 (20.11.2007, 16:57 Uhr)
@scherbengericht, ja tieferhängen
Ja, das kann man mit Recht so sehen.
Eigentlich sollten man den einfach ignorieren. DBDDHKP ...
--
Aber der klagt ja selber bei jeder Gelegenheit und kommt sich toll dabei vor. Und vielleicht sollte man das wirklich mal vor Gericht ausfechten.
Und wer soll das machen, wenn kein Bundestagsabgeordneter?
Weil sich als "unwahr und als im Kern verderblich" bezeichnen zu lassen, ist ja wohl kaum noch zu ertragen. Die katholische Kirche hat außerdem einigen Einfluss.
Schwarzenegger (20.11.2007, 16:48 Uhr)
Argumente
@augustin: Hier bitte: "Denn einige sind von Geburt an zur Ehe unfähig (...) wer es fassen kann, der fasse es." Matthäus 14,9.
Da Augustinus mit über 100 Werken ziemlich komplex ist, begnüge ich mich mit Forschungsergebnissen. Seine Lehre von der Erbsünde wird da noch mit mangelnden griechisch-Kenntnissen begründet (obwohl dies das Zentrum des Christentums - die Befreiung von der Erbsünde aus dem AT durch den Kreuzigungstod in Frage stellt). Seine seualneurotischen Werke und die Erfindung der Bedeutung Hölle und des Fegefeuers möchte ich nicht wirklich lesen müssen. Dafür gibt es gute Quellen und Arbeitsteilung in der Forschung. MfG
Schwarzenegger
scherbengericht (20.11.2007, 16:41 Uhr)
infantil
Also da will einer den anderen nicht mehr als "Haßprediger" bezeichnen -was ihm ja eh schon untersagt wurde- will es aber quasi theoretisch sagen dürfen... Geht´s noch?? Und mit so einem Quark müssen sich Gerichte befassen. Lächerlich.
augustin900 (20.11.2007, 16:40 Uhr)
@Sukram71
Ich denke, das sehen Sie völlig richtig!
Sukram71 (20.11.2007, 16:36 Uhr)
@augustin900
Da stellen sich jedoch ein paar Fragen:
Wer ist die Zielgruppe? Lesben/Schwule die er bekehren will oder gläubige Katholiken, die Homosexulelle generell als "böse" ansehen sollen?
Und wie sollen die "ihr Verhalten im Sinne des Kardinals" ändern?
Und wenn man Homosexuelle nicht friedlich ihr Leben leben lässt, wie soll man sich denn dann bitte sonst verhalten?
--
Was ist an einer homosexuellen Lebensweise bitte "böse"?
Und darf man sich nicht wehren, wenn homosexuelle Menschen von Meisner quasi als "unwahr und darum für den Menschen im Kern verderblich" bezeichnet werden?
Dagegen ist "Hassprediger" ja noch eher harmlos. Das lässt ja wenigstens noch ein wenig Raum zum Leben.
--
Und ist es Aufgabe eines Erzbischhofs andere Menschen quasi als "unwahr und im Kern verderblich" zu bezeichnen?
Sollte der nicht eigentlich ein friedliches und tolerantes Zusammenleben fördern?
Und muss so jemand bei seinen öffentlichen Äußerungen nicht auch beachten, dass auch dumme Menschen zuhören, die das Gesagte noch radikaler deuten und konsequenter umsetzen?
Fragen über Fragen ...
augustin900 (20.11.2007, 16:33 Uhr)
Sehr geehrter Herr Schwarzenegger,
es wäre bestimmt hilfreich, wenn sie von Augustinus die „Bekenntnisse“ zunächst lesen würden. Auch wäre es hilfreich, wenn Sie das NT zu Hause nachlesen könnten, um eine konkrete Argumentation zu ermöglichen. Weiter darf ich anmerken, dass Glaube größte Freiheit ermöglicht. - Um dies zu verstehen, muss man sich natürlich zuvor entsprechend informiert haben. Auch bitte ich Sie Texte, zu denen Sie Stellung nehmen, genauer zu lesen: Ich hatte ausdrücklich geschrieben: „Inwieweit und aus welchen Gründen er mit seinen Ansichten Recht hat oder nicht, ist bereits eine ganz andere Frage.“
Schwarzenegger (20.11.2007, 16:08 Uhr)
Ist Kath. Kirche verfassungsfeindlich?
Wenn ich mich recht an meinen kath. Religionsunterricht entsinne, dann gibt es in im NT durchaus eine Passage, die die Homosexualität rechtfertigt. Darin ist von verschiedenen Gründen für Menschen die Rede, die unfähig zur Ehe machen und wird beschlossen mit den Worten : "Wer es fassen Kann, der fasse es." Das Problem der Kirche ist aber, daß sie sich nicht primär auf die Schrift bezieht, sondern auf ihre eigene Exegese und damit auch auf so krankhafte Gestalten wie den anhand seiner wirren, sexualfeindlichen Texte diagnostizierbar unter Schizophrenie leidenden Augustinus. Diese unheilvolle Tradition des Sich- zurechtlegens von Positionen nach Belieben führte im Mittelalter und der frühen Neuzeit zum Kirchenterror und zur Ablehnung von freiheitlichen Werten noch bis ins 20.Jahrhundert hinein. Diese Kirche hat eine menschenverachtende Tradition als Herrschaftskirche, benutzte als Mittel zur Machterhaltung immer das Stigmatisieren von Minderheiten (in den letzten hundert Jahren z.B. die SPD, Pazifisten während des WW1, Linksliberale und in den achtzigern die Grünen). Nun sind offenbar Homosexuelle an der Reihe. Figuren wie Meissner erklären Schwule nun in bester kirchlicher Tradition zu Teufelswerkzeug und können sich dabei auf die vielen passiven Kirchenmitglieder stützen. @augustin900: Was Meissner seinen Schafen zu erklären versucht ist menschenverachtend und diskriminierend. Es ist daher sogar besser, wenn er es in der plumpest möglichsten Art tut, damit seine Haltung deutlich wird. Ich finde es sehr befremdlich, wenn sie nur an der Form, nicht aber am zynischen Inhalt Anstoß nehmen. Für mich steht daher mal wieder fest, daß sich aufgeklärte Freiheit und naiver Glaube extremst ausschließen. Noch mehr: Nach der mittlerweile für alle offen einsehbaren Verbrechensgeschichte der katholischen Kirche, kommt man nicht umhin, diese bis vor wenigen Jahrzehnten demokratiefeindlich eingestellten Einrichtung aufgrund dieser und ähnlich gelagerter Äusserungen ihrer Repräsentanten als im Grunde verassungsfeindlich einzustufen. Unser Grundgesetz, dem ich im Zweifel mehr menschenrechtliche Relevanz als der Kirche zugestehe, setzt jedenfalls deutliche Signale gegen die Verfehmung von Minderheiten.
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