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1. Dezember 2009, 19:02 Uhr

Schwarz-Gelb ködert die Bundesländer

Offiziell will die Bundesregierung die geplanten Steuersenkungen ohne Abstriche durchdrücken und den Ländern keine Zugeständnisse machen. Hinter den Kulissen laufen die Kompensations-Verhandlungen indes auf Hochtouren.

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Geld regiert die Welt - und kann Schwarz-Gelb im Zweifel die Mehrheit in der Länderkammer sichern© Michael Gottschalk/DDP

Der Streit über die geplanten Steuersenkungen wächst sich zur ernsten Bewährungsprobe für die schwarz-gelbe Regierung aus. Der Koalitionsausschuss von Union und FDP weigerte sich am Dienstag in Berlin, Einnahmeausfälle der Länder finanziell auszugleichen. Damit könnte das Vorhaben im Bundesrat kippen, weil Länder wie Schleswig-Holstein und Sachsen ihre Zustimmung von Finanzhilfen abhängig machen.

Die Bundesregierung will das entsprechende Gesetz gleichwohl am Freitag im Bundestag wie geplant beschließen lassen. Es geht um das erste wichtige Projekt der neuen Bundesregierung, das Wachstumsbeschleunigungsgesetz. Bereits zum 1. Januar 2010 soll es Familien, Unternehmen und Erben um 8,5 Milliarden Euro entlasten. Besonders umstritten ist die Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Hotel-Übernachtungen von 19 auf sieben Prozent.

Die Länder befürchten Einnahmeverluste in Millionenhöhe. Sie entscheiden am 18. Dezember im Bundesrat über das Gesetz. Die Spitzen von Union und FDP wiesen offiziell Forderungen nach Finanzhilfen zurück. "Solche Geschäfte machen wir nicht", erklärte Unionsfraktionschef Volker Kauder. Die FDP-Fraktionsvorsitzende Birgit Homburger sagte, Länder, die jetzt Bedenken gegen die Steuersenkungen vortragen, "hätten das vielleicht früher tun müssen". CSU-Chef Horst Seehofer erklärte, ein Ausgleich sei im Koalitionsausschuss kein Thema gewesen.

Verhandlungen hinter den Kulissen

Entgegen den offiziellen Verlautbarungen wird hinter den Kulissen jedoch mit den Ländern über einen Ausgleich verhandelt. Dies bestätigte die Landesregierung in Schleswig-Holstein. "Da laufen Gespräche", sagte ein Sprecher.

Die Norddeutschen verfügen über vier Stimmen im Bundesrat und könnten das Gesetz mit einer Verweigerung kippen. Insgesamt hat die Länderkammer 69 Stimmen. Für eine Zustimmung zum Gesetz ist eine absolute Mehrheit von 35 Stimmen erforderlich. Die von CDU, CSU und FDP regierten Ländern kommen auf 37 Stimmen.

Schäuble soll mit Ländern verhandeln

Die "Süddeutsche Zeitung" meldete, die Regierung wolle sich die Zustimmung der Länder im Bundesrat mit Zugeständnissen an anderer Stelle sichern. Die Länder sollten erleichterten Zugriff auf Geld aus den Konjunkturpaketen erhalten. Kauder und Homburger betonten, dass das Wachstumsbeschleunigungsgesetz in unveränderter Form im Bundestag verabschiedet werden soll. "Es bleibt bei dem, was wir als Koalition in den Bundestag eingebracht haben", sagte Homburger. Es sei nun Aufgabe des Bundesfinanzministers, Gespräche mit den Ländern zu führen, um deren Zustimmung zu sichern. Sie gehe fest davon aus, dass "wir auch im Bundesrat eine entsprechende Mehrheit haben werden".

AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
Schnorchel (03.12.2009, 03:21 Uhr)
Fast vergessen unsere lieb netten Minister meinten da nicht zu unrecht "Wir müssen in den Wirtschaftsunternhmen aktiv vertreten sein (Vorstandsposten) um da einblick zu haben.

Sorry wer keine Ahnung vom Job hat sollte etwas seinem geistigen Horizont entsprechendes tuen.

fFirma Gegenbauer sucht soweit ich weiß noch Putz und Reinigungskräft (ist auch der Hertha Sponsor).
Schnorchel (03.12.2009, 03:09 Uhr)
Nun die Kosten liegen wie immer im Detail. Es gibt ein wie längst allen sicher gewiss überbezahlte Bundeskartellamt und dieses weiß mal wieder nicht`s von Preisabsprachen der Energieversorger (5-8%). Unnötige 97 Krankenkassen die ebenfalls Beiträge erhöhen und somit deren weit Überbezahlten Vorstände kosten zusätzlich. Hatte Frau Merkel vor der Wahl versprochen dieses Problem abzuschaffen, passiert ist wie immer nicht`s.

Man muß nicht alles Steuer nennen um den Bürger zu schröpfen.

Nicht`s gegen Weihnacht`s Einkäufe aber spart Euch lieber das Geld für 2010 und danach.
galonero (02.12.2009, 20:12 Uhr)
Steuern
Kämmerer will Kurtaxe für Köln

Von Peter Berger, 02.12.09, 19:23h, aktualisiert 02.12.09, 19:24h
Von den geplanten Steuersenkungen der Bundesregierung soll auch die Stadt profitieren. Dies findet jedenfalls Stadtkämmerer Norbert Walter-Borjans - und hat die Einführung einer so genannten Kurtaxe vorgeschlagen.
Norbert Walter-Borjans
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Stadtkämmerer Norbert Walter-Borjans. (Bild: Rakoczy)
Norbert Walter-Borjans
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Stadtkämmerer Norbert Walter-Borjans. (Bild: Rakoczy)
Köln - Als Ausgleich für die geplanten Steuersenkungen der Bundesregierung hat Stadtkämmerer Norbert Walter-Borjans (SPD) die Einführung einer so genannten Kurtaxe vorgeschlagen. Die gebeutelten Städte und Gemeinden könnten dann von dem umstrittenen Steuer-Bonus für Hotel-Übernachtungen profitieren, sagte Walter-Borjans. ?Bei einer Kurtaxe von beispielsweise drei Euro wären das für Köln Zusatzeinnahmen von jährlich rund zwölf Millionen Euro.? Nach seinen Angaben könnte der Stadtrat eine solche Abgabe beschließen.

Mehr als gerecht

Die schwarz-gelbe Koalition im Bund will vom 1. Januar 2010 an den Mehrwertsteuersatz für Hotelübernachtungen von 19 auf sieben Prozent senken. An den Plänen gibt es heftige Kritik. Auch nach Ansicht von Walter-Borjans ist diese Senkung ?durch nichts gerechtfertigt?. Wenn sie kommt, sollten die Gemeinden aber ein Stück vom Kuchen abbekommen. ?Bei den ganzen Belastungen, die wir haben, wäre das nicht mehr als gerecht.? Es gebe schon etliche Kommunen, die eine Sonderabgabe erhöben. Weimar habe zum Beispiel eine Kulturabgabe.

Der Steuerbonus entspreche einer Senkung des Zimmerpreises von zehn Prozent, rechnete der Kämmerer vor. Bei einer Kurtaxe würde ein bisheriger durchschnittlicher Übernachtungspreis von 70 Euro dann statt auf 63 nur auf 66 Euro gemindert. ?So würden die Hotels auch entlastet, nur nicht in voller Höhe der Mehrwertsteuer-Absenkung", so der Stadtkämmerer. Von einer Staffelung der Kurtaxe, ?die auch Business-Tax heißen könnte?, nach der Höhe des Zimmerpreises hält der der Kämmerer nichts. Dafür sei der Verwaltungsaufwand viel zu hoch. Im Haushalt der Stadt Köln klafft für 2010 derzeit ein Loch von 350 Millionen Euro. (mit dpa)
felban (02.12.2009, 12:46 Uhr)
Faktische Steuererhöhung
Da nicht zu erwarten ist, dass Hoteliers die Steuervergünstigungen an ihre Übernachtungsgäste weitergeben werden, bedeutet das doch nur, dass Dienstreisen künftig teuerer werden, da dafür ein geringeren Vorsteuerabzug gewährt wird. Im Zweifel ist allein schon dadurch die sogenannte Steuersenkung weitgehend gegenfinanziert. Der in der Öffentlichkeit stattfindende Streit über dieses griffige Thema Hotelübernachtungen ist doch letztlich nur ein Ablenkungsmanöver, um von den wirklichen steuerlichen Zumutungen abzulenken.
Halodri73 (02.12.2009, 08:58 Uhr)
Ah , verstehe,
Der Artikel wurde überarbeitet. Dann hier erneut zur Bundesländergrafik:
Eine völlig verzerrte und (bewusst?) schief ausgelegte Darstellung der Mehrheitsverhältnisse!! Schwarz/Rot geführte Länder enthalten sich traditionell bei Abstimmungen. Die Mehrheit von Schwarz/Gelb ist zur Zeit absolut gefestigt.
Halodri73 (02.12.2009, 08:55 Uhr)
WO
ist mein Kommentar von gestern hin????
Prologo (01.12.2009, 21:31 Uhr)
Die Wahllügenversprechen krachen zusammen!
Nur das es so schnell geht, damit hat niemand gerechnet. Die verprochenen Steuersenkungen sollen jetzt die Länder finanzieren. Unglaublich!

Die Länder wälzen dann die Steuersenkungen auf ihre Bürger ab. Das bedeutet die Leistungen für uns Bürger werden wieder verschlechtert.

Also zahlt wieder der Bürger diese Wahlversprechen. Die haben sie doch nicht mehr alle!

Wahlversprechen Steuersenkung gehalten, der Wähler muss es bezahlen.
Das muss man sich mal vorstellen.

Ihr Chef verspricht 20 % mehr Geld im Geldbeutel, aber sie müssen 30 % mehr arbeiten. Klaro.

So ticken unsere Politiker. Hoffentlich nicht mehr lange. Die halten uns für total blöde.

MfG,
Tobi
Aquarius2 (01.12.2009, 20:47 Uhr)
Wir Deutschen
tun für kurzfristiges Geld alles.
Im Herzen sind wir alle Banker.
Nachhaltiges Handeln - was ist das?
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