Der Reeder Peter Krämer ist derzeit ein gefragter Mann - weil er öffentlich gefordert hat, dass Reiche wie er vier Mal so viel Steuern zahlen sollten. Der Manager Harald Falckenberg findet diese Idee aberwitzig. stern.de bat zu einem Streitgespräch.

Soll der Staat die Reichen deutlich höher besteuern?© Bundesbank/DPA
Falckenberg: Das kommt für mich nicht in Betracht. Ich möchte ein Auto fahren, das zur Firma, zur Belegschaft und zur Kundschaft passt. Für mich ist ein Auto ein Funktionsträger, kein Lustobjekt.
Krämer: Ich sehe es ein bisschen romantischer. Mein Auto ist mein Wohnzimmer, und ich will mich nicht umgewöhnen. Elf Reparaturen hat es schon auf dem Buckel, nun warte ich auf die zwölfte.
Krämer: Wenn in Frankreich eine große Opernpremiere auf dem Programm steht, filmt das Fernsehen, wie die 500 reichsten Familien mit ihren Karossen vorfahren. Das wäre bei uns völlig undenkbar. Reichtum und soziale Stellung bleiben in Deutschland vielfach im Verborgenen. Das hat natürlich nicht nur etwas mit Bescheidenheit zu tun, sondern es schirmt auch die Leute ab, die vielleicht noch mehr für unsere Gesellschaft tun könnten. Zum Beispiel weiß ich nicht, ob die beiden reichsten Deutschen, die Gebrüder Albrecht, sich in dieser Form für unser Land einsetzen. Ich hoffe es.
Krämer: ... hat immerhin Eingang in das Koalitionspapier gefunden.
Falckenberg: Sie meinen die Reichensteuer, oder wie?
Krämer: Nein, zumindest die Erbschaftssteuer soll reformiert werden. Die Parteien müssen das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes abwarten, dann wird das Thema neu verhandelt.
Falckenberg: Abgesehen davon, dass Idealisten bekanntlich zu den schwersten Störungen unseres Gemeinwesens beigetragen haben, halte ich die Vorschläge von Herrn Krämer für völlig neben der Sache. Man darf einzelne Steuerarten nicht isoliert betrachten sondern muss sie im Gesamtzusammenhang des Steuersystems sehen. Ob ein Reicher drei Prozent mehr oder weniger Einkommenssteuern bezahlt oder ob die Erbschaftssteuer um einige Punkte angehoben wird, sind keine Fragen der Gerechtigkeit. Wir haben ein progressives Steuersystem, das die Reichen stärker belastet, letztlich geht es aber bei der Besteuerung um die Volkswirtschaft und ein funktionierendes Staatswesen zum Wohle aller. Wenn Herr Krämer die Sonderbelastung der Reichen vervierfachen will, würde er einen Flurschaden anrichten.
Krämer: Mir war klar, dass mein Vorstoß polarisieren würde. Die Betroffenen, also die Reichen, lehnen ihn zu 90 Prozent ab. Diejenigen, die nicht betroffen sind, also die Normalbevölkerung, findet ihn zu 90 Prozent gut. Ansonsten höre ich so Kommentare wie "Na ja, es mag ja Geltungssucht bei dem Kerl mit im Spiel sein, aber er macht ja wenigstens etwas". Vielleicht genieße ich ja so etwas wie einen Vertrauensbonus, weil ich lange vor meinem Steuerappell die Kampagne "Schulen für Afrika" initiiert habe und mich dort auch erheblich finanziell engagiere.
Falckenberg: Also entschuldigen Sie, aber ich darf mal etwas zu ihrem Auftritt sagen. Ich halte ihren Vorschlag für populistisch, deswegen wird er so gerne von der Presse aufgegriffen. Die Steuersysteme von Frankreich, Großbritannien, den USA und Deutschland lassen sich gar nicht vergleichen, da der Belastung der Besserverdienenden dort auch große Vorteile gegenüber stehen. Außerdem halte ich es für ein merkwürdiges Verständnis von Demokratie, wenn man den gewählten Vertretern des Volkes Predigten hält. Das ist so eine romantische, basisdemokratische Idee.
Krämer: Jeder kann hier seine Meinung sagen, auch als Einzelner. Das macht schließlich unsere Demokratie aus.
Peter Krämer, 54, betreibt in Hamburg die familieneigene Marine-Service-Gruppe, für die 35 Schiffe auf den Weltmeeren unterwegs sind. Krämer wurde durch sein soziales Engagement bekannt: Aufgrund des Irak-Krieges gründete er die Hamburger Gesellschaft zur Förderung der Demokratie und des Völkerrechts, außerdem engagierte er sich mit vier Millionen Dollar für das Unicef-Projekt "Schulen für Afrika". Während der Koalitionsverhandlungen rief er in Annoncen dazu auf, Reiche höher zu besteuern. Krämer ist einer der wenigen Topmanager, die noch rauchen; er hat einen Sohn.