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8. November 2006, 13:23 Uhr

Neonazis sind überall

Einer Studie der Universität Leipzig zufolge fällt Rechtextremismus nicht nur im Osten, sondern in ganz Deutschland auf fruchtbaren Boden. Die meisten Antisemiten sind im Westen zu finden.

Obwohl die rechte NPD es nur in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern in den Landtag geschafft hat, gibt es bundesweit zahlreiche Anhänger ihrer Ideologie© Jörg Sarbach/AP

Rechtsextremismus ist in Deutschland keine Randerscheinung, sondern in allen Bevölkerungsschichten verbreitet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Leipzig im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Die Wissenschaftler widerlegen darin die These, dass in erster Linie junge Ostdeutsche rechtsextremistisch eingestellt sind. Ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild stellten sie bei 9,1 Prozent der Westdeutschen und 6,6 Prozent der Ostdeutschen fest. Zudem sind nach ihren Erkenntnissen Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und Verharmlosung des Nationalsozialismus in der Altersgruppe über 60 Jahre am weitesten verbreitet.

Mit Ausländerfeindlichkeit fängt es an

Als "Einstiegsdroge in den Rechtsradikalismus" bezeichnen die Autoren die Ausländerfeindlichkeit. Jeder vierte Befragte hat entsprechende Einstellungen. In Ostdeutschland ist die Ausländerfeindlichkeit mit 30,6 Prozent etwas höher als im Westen mit 25,7 Prozent. Dafür ist in den alten Bundesländern Antisemitismus mit 9,5 Prozent weiter verbreitet als in den neuen Ländern (4,2 Prozent).

Bei Personen mit geringem Bildungsgrad ist die Wahrscheinlichkeit rechtsextremistischer Einstellungen zwar deutlich größer, allerdings sind laut Studie auch 12,3 Prozent der Akademiker ausländerfeindlich, 4,1 Prozent antisemitisch, und 2,8 Prozent verharmlosten den Nationalsozialismus.

Politische Ohnmacht führt in den Extremismus

Die Studie enthält auch Erkenntnisse über die Ursachen für den Rechtsextremismus. Danach begünstigt das Gefühl politischer Einflusslosigkeit rechtsextreme Einstellungen stärker als das Gefühl wirtschaftlicher Benachteiligung, das etwa durch Arbeitslosigkeit ausgelöst werden kann. Zudem spiele der Grad der Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben eine Rolle. "Die Ergebnisse machen deutlich, dass Rechtsextremismus kein Problem ist, das alleine durch Ermittlungen des Verfassungsschutzes oder ordnungsrechtliche Regelungen zu lösen ist", erklärte Oliver Decker, der die Studie zusammen mit Elmar Brähler leitete.

Besondere Aufmerksamkeit muss nach Auffassung der Autoren der Ausländerfeindlichkeit gelten. "Wir brauchen ein 'Migrations-Mainstreaming', damit endlich ins Bewusstsein kommt, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist", sagte Decker. Im Vergleich zu zwei Vorgängerstudien in den Jahren 2002 und 2004 stellten die Autoren keine wesentlichen Veränderungen fest. Die Zahlen blieben in allen Bereichen relativ konstant. Für die Untersuchung wurden rund 4.900 Personen ab 14 Jahren befragt.

AP
 
 
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