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15. Mai 2006, 15:06 Uhr

Deutsches Schulsystem versagt

Die vernichtenden Urteile der Pisa-Studien über das deutsche Schulsystem scheinen kein Ende zu nehmen: In keinem anderen Industrieland der Welt haben Migrantenkinder so schlechte Chancen wie in Deutschland.

Chancenlos in der Schule und im Berufsleben: Immigrantenkinder werden in Deutschland besonders schlecht gefördert© Jörg Carstensen/DPA

Das deutsche Schulsystem versagt nach einer neuen OECD-Studie wie kaum ein anderes auf der Welt bei der Förderung von Migrantenkindern. Während sich in fast allen anderen Industriestaaten die Schulleistungen von Zuwandererkindern mit Dauer des Aufenthaltes ihrer Familien verbessern, werden sie in dagegen in Deutschland deutlich schlechter. Dies geht aus der nun vorgestellten Studie hervor. Basis für die Studie, bei der 17 Staaten verglichen werden, sind Daten aus dem weltweiten PISA-Schultest.

Nahezu nur in Deutschland sind die Schulleistungen der bereits hier geborenen so genannten zweiten Migranten-Generation deutlich schlechter als die von Ausländerkindern, die mit ihren Eltern eingewandert sind und noch einen Teil ihrer Schulzeit im Heimatland verbracht haben. Diese negative Beobachtung gibt es ansonsten nur noch in Dänemark und dem flämischen Teil Belgiens - allerdings weit nicht so krass wie in Deutschland.

Besonders extrem ist laut Studie der Leistungsabstand zwischen einheimischen und Migrantenkindern dann, wenn in der Ausländerfamilie zu Hause nicht deutsch gesprochen wird. 15-jährige Schüler aus Migrationsfamilien liegen dann in Mathematik im Schnitt mit ihren Leistungen drei Jahre hinter den gleichaltrigen Einheimischen, 40 Prozent der 15-Jährigen zeigten nicht einmal Grundwissen in Mathematik.

Nach Aussagen der Direktorin des OECD-Bildungsdirektorats, Barbara Ischinger, werden damit ihre Chancen auf dem dem Arbeitsmarkt und ihre Möglichkeiten auf eine volle Teilhabe an der Gesellschaft deutlich beeinträchtigt. Bildungsministerin Annette Schavan bezeichnete die Ergebnisse der Studie als Besorgnis erregend. Sie plädierte dafür, die Datengrundlage auszuweiten und die Probleme deutlicher fallbezogen zu analysieren. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, verwies auf den für Juni geplanten Integrationsgipfel und unterstrich die Notwendigkeit einer systematischen Sprachförderung vom Kindergarten über die Schule bis hin zur Berufsausbildung.

Zugleich zeige die Studie aber auch, dass Ausländerkinder in Deutschland in der Schule hoch motiviert seien. Die Situation in anderen Ländern beweise, dass man dieser Herausforderung mit einer gezielten Sprachförderung erfolgreich begegnen könne. Der Schwerpunkt liegt nach Angaben Ischingers in den deutschen Hauptschulen. Migrations- und Sozialprobleme würden derart stark in den Hauptschulen konzentriert, dass sie dort nur schwer gelöst werden könnten.

DPA/AP
 
 
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