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1. Februar 2007, 13:38 Uhr

Keine Kohle für die Uni

Boykott gegen Studiengebühren: Statt die jetzt fälligen 500 Euro an die Uni zu überweisen, lagern Karlsruher Stundenten das Geld auf ein Treuhandkonto zwischen und hoffen darauf, dass andere Hochschulen nachziehen. Von Catrin Boldebuck

Boykott-Demo in Karlsruhe: Von 400 zahlungspflichtigen Studenten boykottieren 120 die Gebühren© Uli Deck/DPA

An drei Hochschulen in Karlsruhe weigern sich Studenten die Studiengebühren zu zahlen. Statt an die Uni jeweils 500 Euro Campus-Maut zu zahlen, haben je ein Drittel der Studenten von der Hochschule für Gestaltung, der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste und die Musikhochschule das Geld auf ein Treuhandkonto überwiesen. Das Konto wird von einem Anwalt gemeinsam mit der Unabhängigen Studierendenschaft (Usta) verwaltet.

Studiengebühren im letzten Augenblick verhindern

Mit dem Boykott wollen die Studenten die Einführung von Studiengebühren noch im letzten Moment verhindern. Zahlt ein Drittel der Studenten nicht, so die Hoffnung der Studenten, werden die Politiker die Gebühren wieder abschaffen. Ab Sommersemester werden Studenten in Baden-Württemberg, Bayern und Hamburg zur Kasse gebeten. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zahlen Studenten bereits seit dem Wintersemester.

"Musikstudenten sind eher unpolitisch“, gibt Malte Fischer, 25, vom Asta der Musikhochschule zu. "Aber wenn es zu viel wird, dann werden auch wir aktiv", sagt der angehende Musiklehrer. Bis Donnerstag mussten sich die Musikstudenten zurückgemeldet haben. Weil zunächst nicht genug die Zahlung boykottieren wollten, sprach Malte Fischer seine Kommilitonen direkt an. "An der Musikhochschule ist das Verhältnis zwischen Professor und Student besonders eng, daher hatten viele noch Zweifel." Von den knapp 400 zahlungspflichtigen Studenten, boykottieren jetzt 120 die Gebühren.

Studenten hoffen auf Boykott-Welle

Mit der Zahlungsverweigerung wollen die Karlsruher Musik- und Kunststudenten ein Zeichen setzen. "Das ist erst der Anfang", hofft Malte. Nun sollen die großen Universitäten nachziehen, dort müssen sich die Studenten bis zum 15. Februar für das nächste Semester zurück melden und zahlen. Auch in den anderen Bundesländern, wo die Studenten zahlen sollen, laufen ähnliche Boykott-Aktionen.

Doch längst nicht alle Studenten sind überzeugt. In Hannover beteiligten sich nicht genug Studenten: Von rund 20.000 zahlungspflichtigen Studenten verweigerten bis zum gestrigen Stichtag nur 1218 die Überweisung an die Uni - viel zu wenig für ein Quorum von 25 Prozent, das der Asta der Leibniz Uni sich zum Ziel gesetzt hatte. In Bayern lehnen Vertreter der Studenten solche Aktionen ab. Man solle sich stattdessen lieber dafür einsetzen, dass Geld für eine Verbesserung der Studienbedingungen einzusetzen, fordert zum Beispiel das Studentische Konvent der Uni Passau.

Den Studenten, die sich weigern zu zahlen, droht die Exmatrikulation. Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) sagt: "Die Gebühr ist eine per Gesetz beschlossene Pflicht." Bis zum Ende des laufenden Semesters, an der Musikhochschule dauert das bis zum 31. März, passiert den Studenten jedoch nichts. "Und das Land kann doch nicht ein Drittel seiner Studenten raus schmeißen", sagt Malte. Er hofft, dass sich im Februar noch viel mehr Studenten bundesweit an der Aktion beteiligen. Wer allerdings nach der ersten Mahnung doch noch kalte Füße bekommt, der kann sein Geld jeder Zeit von der Usta zurückfordern.

Von Catrin Boldebuck
 
 
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