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14. Oktober 2009, 09:09 Uhr

Koalition plant radikale Steuerreform

Die von der FDP versprochene milliardenschwere Steuerentlastung bleibt aus. Immerhin hat sich die künftige Koalition aber auf ein Sofortprogramm geeinigt. Das derzeit geltende Steuersystem wird auf ein Stufenmodell umgestellt. Von P. Ehrlich, T. Fricke , T. Pache und N. Fichtner, Berlin

FDP, Steuerreform, kalte Progression, Koalitionsgespräche, Steuersystem

Offenbar Einigung über ein reformiertes Steuersystem: Angela Merkel, Guido Westerwelle© Gero Breloer/AP

Die künftige Koalition aus CDU, CSU und FDP bereitet eine grundlegende Reform der Lohn- und Einkommensteuer vor. Die Unterhändler der Union haben der FDP in den Koalitionsverhandlungen angeboten, das Steuersystem auf ein Stufenmodell umzustellen. Dieses würde den bisherigen, linear-progressiven Tarif ersetzen.

Das Entgegenkommen der Union ist für die Koalitionsgespräche von großer Bedeutung. CDU und CSU haben der FDP noch keine Zusage gemacht, wie hoch die geplante steuerliche Entlastung ausfallen soll. Eine Umstellung auf ein Stufensystem soll es den Liberalen ermöglichen, geringen Steuererleichterungen zuzustimmen. Die FDP verspricht sich vom Stufenmodell eine Vereinfachung des Steuersystems.

Seit Längerem plädiert die Partei für einen Steuertarif mit drei Stufen. Das Einkommen würde demnach je nach Höhe mit 10, 25 oder 35 Prozent besteuert. In der Diskussion ist allerdings, mehr Stufen einzuführen - zum Beispiel fünf. Dies hätte weniger Einnahmeverluste für die öffentlichen Haushalte zur Folge. Die höchste Stufe könnte im Bereich des heutigen Spitzensteuersatzes liegen.

Westerwelle will weiter "große Schritte"

"Ein Stufentarif muss nicht teurer sein als die von der CDU/CSU versprochene Entlastung von 15 Mrd. Euro" , hieß es in Unionskreisen. FDP-Chef Guido Westerwelle sagte dagegen am Dienstag: "Wir wollen große Schritte in der Steuer- und Finanzpolitik." Seine Partei bleibe hier "ganz hart". Die FDP hat aber schon eingeräumt, das ihr Ursprungsmodell mit Einnahmeverlusten von mindestens 35 Mrd. Euro nicht zu verwirklichen ist. Auf die Details der Steuerreform wollen sich die Fachpolitiker von Union und FDP am Mittwoch in einer Nachtsitzung verständigen. Das letzte Wort hat dann die Spitzenrunde, die am Wochenende die wesentlichen Punkte des Koalitionsvertrags klären will.

Eine umfassende Steuerreform kann aus technischen Gründen frühestens 2011 in Kraft treten. Stufenmodelle sind schon von Experten des Bundesfinanzministeriums und des bayerischen Finanzministeriums berechnet worden. Für 2010 prüft die Koalition weiterhin eine Erhöhung von Kinderfreibetrag und Kindergeld, zudem soll es Erleichterungen bei der Unternehmensbesteuerung und der Erbschaftsteuer geben.

Der finanzielle Spielraum dafür dürfte etwas besser ausfallen als vor der Wahl befürchtet. Die Regierung wird ihre Wachstumsprognose für 2009 und 2010 am Freitag heraufsetzen. Das Datum der Prognose wurde extra für die Koalitionsgespräche vorgezogen.

Um 1,3 Prozent Wachstum vorhergesagt

In Regierungskreisen hieß es, die neue Prognose werde "deutlich besser" ausfallen als die bisherige. So werde die Regierung für 2009 statt minus sechs Prozent wahrscheinlich ein Minus von etwa fünf Prozent vorhersagen. Möglich sei auch eine Vier vor dem Komma, Meldungen von minus 4,5 Prozent seien aber "zu optimistisch".

Für kommendes Jahr erwarten die Regierungsexperten, dass die Wirtschaft um etwa 1,2 bis 1,4 Prozent wächst - statt bisher um 0,5 Prozent. Gegenüber den letzten Schätzungen könnten Bund, Länder, Gemeinden und die Sozialversicherungen so mit milliardenschweren Mehreinnahmen und deutlich geringeren Ausgaben etwa für Arbeitslose rechnen.

Die Regierungsschätzung wird stark beeinflusst von der Herbstprognose der großen Wirtschaftsforschungsinstitute. Wie sich am Dienstag abzeichnete, wollen diese etwa 1,3 Prozent Wachstum voraussagen. Das erfuhr die FTD aus dem Umfeld der Ökonomen.

Das Gutachten der Experten wird Mittwoch abgeschlossen und Donnerstag offiziell vorgestellt. Die Prognose kann bis dahin noch geringfügig angepasst werden. Die neue Zahl ist noch optimistischer als die zuletzt nach oben korrigierten Einzelprognosen der Institute. Der Internationale Währungsfonds hatte noch Anfang des Monats nur 0,3 Prozent Wachstum in Aussicht gestellt.

Gefunden in ... ... der Financial Times Deutschland

Von P. Ehrlich, T. Fricke , T. Pache und N. Fichtner, Berlin
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
knilch_59 (14.10.2009, 16:58 Uhr)
@raptor-xl
Solange Steuern nur vom Ertrag fällig werden, kann kein mittelständisches Unternehmen wegen zu hoher Steuersätze pleite gehen, allenfalls wegen realitätsfernen Abschreibungsmöglichkeiten, Unterfinanzierung oder unzutreffenden Rechenwegen zur Gewinnermittlung. Insofern ist Ihr Beitrag wieder der übliche Neoliberale Blödsinn: abgeschrieben und nicht nachgedacht, oder die Ahnungslosigkeit zum Lebensprinzip erkoren und sich dabei gut gefühlt, typische Merkmale eines klassischen FDP-Wählers. In jedem Fall hat das NICHTS mit der Frage zu tun, ob sich ein Stufentarif zur Vereinfachung des Steuerwesens besser eignet als der derzeitige linear-progressive Tarif.
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Das, um was es derzeit geht, nützt Firmen überhaupt nichts! Her geht es nur um die Frage wie sich gut situierte Bürger finanziell besserstellen können, denn nichts Anderes bedeutet ?Mehr Netto vom Brutto?!
raptor-xl (14.10.2009, 14:58 Uhr)
wenn wir jetzt nichts machen,
dann rauscht der sozailstaat gegen die wand. denn so wie bisher können wir nicht weiter geld verteilen, was wir vorher nur durch kreditaufnahme erhalten haben. dieser weg führt in die pleite, also umdenken.
wie sagte mal einer so gut:
ich weiss nicht, ob es anders besser ist, aber es muss anders werden, damit es besser werden kann.

die ewigen "reichen", denen die linkspartei was wegnehmen will, wurde hier mal gut analysiert:
http://www.focus.de/finanzen/steuern/tid-14338/steuerpolitik-reiz-des-reichtums_aid_401122.html

bei uns sind ca. 90% der wirtschaft im mittelstand. und der kann sich gar nicht vor den steuern drücken... und das die großen konzerne sich der verantwortung entziehen dürfen, dafür hat hans eichel doch gesorgt. erst erlauben, dass sie verluste des auslands hier gegenrechnen dürfen, dann steuergeschenke und dann meckern, weil die keine arbeitsplätze haben entstehen lassen. bezahlt hat das der mittelstand mit 40.000 pleiten pro jahr unter schröder, weil die last zu groß war und die wirtschaft abgedreht. toll!!! so kann/darf es jedenfalls nicht weitergehen.
knilch_59 (14.10.2009, 14:38 Uhr)
@Tempelhofer: Gegen die Versuche zur Volksverdummung hilft nur Polemik
Mein Protest hat nichts mit Links oder Rechts zu tun, sondern mit der unseriösen Argumentation derjenigen, die jetzt die Mehrheit bilden:
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Geht es um SteuerSENKUNG? Dann ist die Frage, wessen Steuern gesenkt werden sollen, wie viel, und wer das in Anbetracht unserer desaströsen Gesamt-Finanzlage gegenfinanzieren muss.
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Ginge es aber um SteuerVEREINFACHUNG, dann wäre die Frage, wer denn unter dem komplizierten Steuersystem (das wir ohne Zweifel haben) besonders leidet, so dass alleine schon durch Verwaltungsvereinfachung Personal- und damit auch Kostenersparnis eintreten könnte. Es ist das Verdienst vieler vergangener Regierungen aller möglichen Farbkombinationen, dass unser Steuersystem dahin mutiert ist, dass immer mehr Bürger eine ausdrückliche Steuererklärung abgeben müssen ? mit steigender Tendenz. Es gibt ja auch keine Verpflichtung künstlich nach Absetzungsmöglichkeiten zu suchen, durch die das Alles so kompliziert wird ? wenn man den Aufwand sparen will, zahlt man mehr. DAS KOMPLIZIERTE STEUERSYSTEM NÜTZT DENJENIGEN, DIE VIELE STEUERN ZAHLEN
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Natürlich könnte man das abstellen: Hohe Grundfreibeträge (10.000 Euro), ein ordentlicher Arbeitnehmer-Pauschbetrag (2.400 Euro), Abschaffen des Kinderfreibetrages gegen ein Kindergeld von 300 Euro je Kind. Aber über dieser Grenze müsste dann ein Eingangs-Steuersatz von mindestens 25% ansetzen und ob der dann in Stufen oder gleitend steigt, ist letztlich nicht wichtig. Man muss den politisch Verantwortlichen die Frage stellen, warum das nicht gehen soll.
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Und ? übrigens: Wenn es nach mir ginge, sollten Unternehmen überhaupt keine Ertragssteuern zahlen, sondern nur auf ausgeschüttete Gewinne eine Abgeltungssteuer. Aber dann wären natürlich die Einzelkaufleute und Personengesellschaften gekniffen, weil man dienstliche und private Ausgaben nicht mehr so einfach vermischen könnte. Es wäre dem Staat ein Leichtes, hier eine strikte Trennung vorzuschreiben: wer absetzen will, muss trennen.
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Wer Steuervereinfachung will, fordert indirekt hohe Steuersätze, wer niedrige Steuersätze will, befördert die Komplexität des Steuersystems! Jeder, der etwas Anderes sagt, Lügt!
facilidad_de_ser (14.10.2009, 13:32 Uhr)
Das Kredit-Zins-System...
...ist eine gierige Bestie, die keine Steuersenkungen duldet, versucht das doch endlich mal zu verstehen.
Ihr habt Eure Seele dem Teufel "Geld" verkauft und nun wollt Ihr irgendwie raus aus dem Vertrag,
Was passiert, wenn man dieses System nicht mehr unterstützt? Ein Beispiel aus dieser Woche, welches von den deutschen Medien komplett ignoriert worden ist:

Die niederländische Zentralbank musste vorgestern die in Schwierigkeiten geratene DSB Bank NV übernehmen, nachdem Kunden in einem Ansturm ihre Guthaben abgezogen haben. Jetzt kommen die Kunden nicht mehr an ihr Geld, die DSB eigenen Bargeldautomaten funktionieren nicht mehr und die Kunden dürfen nur noch 250 Euro pro Tag bei anderen Banken beziehen.
Robbespierre (14.10.2009, 13:31 Uhr)
Wär doch so einfach
Ich als Selbstständiger kann den FDP-Reformen nichts abgewinnen. Den teuren Steuererater benötige ich weiterhin. Alles bleibt undurchsichtig und verschwurbelt, selbst die Steuerprüfer blicken da oft nicht mehr durch und setzen mit drei Jahren Verspätung Nachzahlungen an, die bei schlechter Auftragslage die Existenz gefährden können.

Die bessere Alternative wäre folgendes: Der Steuerfreibetrag sollte einfach mal die Mindestkosten abdecken, die man in Deutschland für ein halbwegs vernünftiges Leben braucht. Das sind nicht 8000 wie jetzt, sondern 21000 Euro jährlich. Das entspricht 1750 Euro pro Monat. Damit kann man leben und Geringverdiener müssten dann überhaupt keine Steuern mehr bezahlen. Alles was über die 21000 Euro Einkommen jährlich hinaus geht, sollte mit einheitlich 35% besteuert werden. Auch das wäre fair und vor allem transparent. Alle Abschreibungsmöglichkeiten, Schlupflöcher und Ausnahmen sollten im Gegenzug geschlossen werden, womit das System zusätzlich extrem überschaubar und mit Sicherheit effizient bliebe. Viele Firmen müssten dann nämlich höhere Steuern zahlen als bisher, weil sie ihre Gewinne nicht in unsinnige Investitionen wie z.B. anbezahlte Immobilien parken könnten, um sich durch künstliche Schulden vor dem Finanzamt arm zu rechnen. Mit einem derart vereinfachten System würden die Steuern insgesamt bestimmt mehr sprudeln als bisher und vor allem wesentlich gerechter. Zu überegen wäre noch die Einführung der Vermögenssteuer, damit Millionäre auch noch ihren Beitrag zum Allgemeinwohl leisten können.

Das wäre dann ein soziales, gerechtes und vor allem einfaches Paket, welches eine Steuererklärung auf dem berühmten Bierdeckel zuliesse! Was die FDP vorhat, ersetzt nur ein bürokratisches Monster durch ein anderes und bleibt unsozial, weil sogar Geringstverdiener wie Hartz-IV Auftstocker noch Steuern bezahlen müssen, während die Reichen von Abschreibemodellen profitieren, die u.a. unsere Wohnungsmieten so unbezahlbar machen. Doch der FDP geht es offensichtlich nicht um Gerechtigkeit für alle sondern um die Interessen ihrer eigenen Klientel. Schade eigentich...
ice-t (14.10.2009, 13:19 Uhr)
@ttempelhofer

ach, und du glaubst also, dass die fdp nur für den moment keine "Steuersenkung" erreichen kann, weil es schier zu viel kostet? aber dieses dafür "über jahre" schafft? sowas weiß man vorher...und schreibt es nicht dick und fett auf wahlplakate...wenn man in artikeln dann zu lesen bekommt "es sind plötzlich neue haushaltslöcher aufgetaucht"...haahaa...es ist schlicht scheinheilger blödsinn der versprochen wurde, was jedem klar gewesen sein MUSS. es wird doch Alles so verkauft...
Warum können Mio. Euro innerhalb kürzester zeit "aus Versehen" irgendwohin überwiesen werden und Mrd. Euro mittels der daraus folgende rettungsaktion innerhalb ebenso kürzester Zeit an die "Betroffenen" verschenkt werden? da stören keine "Technischen Gründe"...ich glaube Jedem ist klar, was diese Formulierung bedeutet...es wird grundlos hinausgezögert, weil man gar nicht daran interessiert ist, ernsthafte steuersenkungsbemühungen umzusetzen...
ice-t (14.10.2009, 13:07 Uhr)
@papaleo

Wir expandieren natürlich Alle zu Superunternehmen und bemühen uns folglich so wenig wie möglich an Steuern zu zahlen! :D
Deutschland geht komplett Pleite, weil keiner mehr zum "Melken" da ist und die Politiker sterben aus!*rofl*

Nee...Spass Beiseite.
Man halte sich mal vor die Nase: Es gibt noch nich mal ne Koalition und schon jetzt wird dem aufmerksamen Bürger ein fettes "Ätschi-Bätschi, wir halten eines unsere Hauptwahlversprechen nicht! Und ihr könnt gar nix machen" ins Gesicht gerotzt...
Das wird bei sämtlchen anderen "Versprechen" nicht anders ablaufen...
bernie-abg (14.10.2009, 12:27 Uhr)
Die FDP scheint zu bekommen ...
...was sie eigentlich will:
Spitzensteuersatz 35% + alle (wenn nicht sogar mehr) Möglichkeiten das steuerwirksame Brutto zu mindern.

endbenutzer (14.10.2009, 12:22 Uhr)
@Tempelhofer:
"...Eine PKW-Maut wird es natürlich ebenso nicht in einem Koalitionsvertrag geben..."+++Na du scheinst ja besonders gut informiert zu sein. Wie kommst du auf diese Idee? Du verbreitest doch damit selbst nur Gerüchte..
Tempelhofer (14.10.2009, 12:14 Uhr)
Die übliche Polemik hier
Mittlerweile ist es hier Usus geworden, alles und jedes niederzumachen, was mit der neuen Regierungsbildung zu tun hat. Da werden von den Linken hier Wahrheiten, Halbwahrheiten, Gerüchte, bloße Vermutungen und jede Menge Spekulationen wild durcheinandergeworfen.

Die FDP hat übrigens immer nur den Einstieg in eine Steuerrechtsänderung verlangt. Das eine Umsetzung Jahre dauert, ist jedem bewusst, und wird auch von den Liberalen nicht abgestritten. Eine PKW-Maut wird es natürlich ebenso nicht in einem Koalitionsvertrag geben.

Ansonsten wird es keine Partei der Welt schaffen, alle Wahlversprechen in einer Koalitionsregierung zu 100% umzusetzen. Auch wenn die Linke in Brandenburg jetzt in die Regierung geht, wird sie sich von vielen ihrer Wahlversprechungen und Zusagen verabschieden müssen.
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