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20. November 2010, 14:07 Uhr

Streit um "unkalkulierbare Mehrkosten"

Verhindert Gips im Boden das Stuttgarter Bahnprojekt? Gegner sagen, die Geologie bringt unkalkulierbare Mehrkosten mit sich. Gutachter der Bahn aber sagen, das Risiko für den "Stuttgart 21"-Tunnel durch Gipskeuper sei beherrschbar.

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Heiner Geißler soll im Streit um Stuttgart 21 vermitteln. Findet er eine Lösung im "Gipskonflikt"?© Uwe Anspach/DPA

Die geologischen Risiken für die Tunnelbauten des Bahnprojekts "Stuttgart 21" sind nach Darstellung eines Experten zu vernachlässigen. Der auf Geotechnik spezialisierte Bauingenieur Walter Wittke erläuterte am Samstag in der sechsten Schlichtungsrunde im Stuttgarter Rathaus, dass beim Bau der Tunnel, die durch quellfähige Gipskeuperschichten führten, mit doppelter Absicherung gearbeitet werde. "Wir haben Sorge getragen, dass Risiken vermieden werden", sagte der Gutachter der Bahn für "Stuttgart 21". Diese Bodenschichten beginnen bei Feuchtigkeit wie Hefe zu quellen. Dies könnte zur Ausdehnung des Gesteins und zu Bodenhebungen führen wie in Staufen (Breisgau). Dass trotz der Vorkehrungen Wasser zu den Gipskeuperschichten durchdringen könnte, hält Wittke kaum für möglich. Ganz ausschließen wollte er dies aber nicht. Der Experte der Projektgegner hatte zuvor bezweifelt, dass sichergestellt werden kann, dass bei den Bohrungen Feuchtigkeit auf den Gipskeuper trifft.

Doppelte Abdichtung der Tunnel

Bahngutachter Wittke stellte dar, wie beim Bau von insgesamt zwei Mal 25 Kilometer Tunnel für "Stuttgart 21" und zwei Mal 27 Kilometer Tunnel das Risiko durch potenziell druckausübende Gesteinsschichten umgegangen werden soll. Durch Gipskeuper führten im Bereich Stuttgart vier Tunnel: Der Fildertunnel, der nach Ober-Untertürkheim, nach Feuerbach und nach Bad Cannstadt.

Der Fildertunnel und der Tunnel nach Ober- und Untertürkheim würden tief genug gebaut, um sie von Wassereinfluss fernzuhalten. An den zwei Stellen, wo durch wasserführende Schichten gebohrt werden müsse, würden jeweils Abdichtungsbauwerke gebaut. Hier gebe es außer einer Außen- und Innenschale eine Kontrolldränage außerdem werde mit Kunstharz abgedichtet.

Im Fall der beiden anderen Tunnel werde mit einer Knautschzone gearbeitet, damit es keine Hebungen unter den Tunneln gebe. Außerdem gebe es wieder eine doppelte Absicherung durch mehrere Tunnelschalen.

Projektgegner sehen unkalkulierbare Mehrkosten

Der Experte der Projektgegner, Jakob Sierig, hielt dem entgegen: "15 Kilometer Tunnel im Gipskeuper bringen unkalkulierbare Mehrkosten mit sich." "Stuttgart 21" sei mit seiner Tunnelbauweise noch im "Pionierstadium", sagte der Geologe. Bei der Mehrzahl der im Gipskeuper gebauten Tunnel müsse wegen Quellungen immer wieder saniert werden. Es sei zu erwarten, dass es bei "Stuttgart 21" zu reparaturbedingten Tunnelsperrungen kommen werde.

Dem widersprach Wittke. Die möglichen Schäden seien bei den geplanten Vorkehrungen gering. Im Bauwesen werde generell nach dem Vier-Augen-Prinzip gearbeitet, in diesem Fall mit dem Sechs-Augen-Prinzip. Die geologischen Verhältnisse seien zudem mit 1.500 Bohrungen untersucht worden, weit mehr als der Standard, sagte Wittke.

160 Jahre Erfahrung mit Gipskeuper

In Stuttgart habe man zudem 160 Jahre Erfahrung mit Tunnelbau, sagte Wittke. Der Hasenbergtunnel etwa durchquere alle hier vorkommenden Schichten. Hier sei nicht mit der geplanten Abdichtung gebaut worden. "Es hat auch ohne funktioniert. Wir möchten das sicherer machen", sagte Wittke. In der Schlichtung besprochen werden sollen auch der Schutz der Stuttgarter Mineralquellen und des Grundwassers bei der Tunnelbohrung sowie der Bauablauf. Das Schlichtungsgespräch wird erneut im Fernsehen und Internet live übertragen. Gegen "Stuttgart 21" wird seit Monaten heftig protestiert. Die Schlichtung war angeregt worden, nachdem bei einem Polizeieinsatz zur Einrichtung einer Baustelle für "Stuttgart 21" über hundert Menschen verletzt worden waren.

mcp/DPA
 
 
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