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Syrien-Rückkehrer aus Dinslaken war IS-Wachmann

Die Zahl gewaltbereiter Islamisten in Deutschland wächst schnell. Einer der Rückkehrer wurde vergangenen Samstag festgenommen: Nils D. war Wachmann in einem IS-Gefangenenlager.

Ein Mann, bei dem es sich mutmaßlich um IS-Rückkehrer Nils D. handelt, wird zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe gebracht

Festgenommen: Ein Mann, bei dem es sich mutmaßlich um IS-Rückkehrer Nils D. handelt, wird am 11. Januar 2015 zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe gebracht

Der am Samstag in Dinslaken festgenommene Syrien-Rückkehrer Nils D. soll bei der Terrormiliz "Islamischer Staat" laut stern-Informationen eine Waffenausbildung erhalten, jedoch nicht an Kampfhandlungen teilgenommen haben. Nach Informationen nordrhein-westfälischer Sicherheitsbehörden sei der 24-Jährige während seines knapp einjährigen Einsatzes als Wachmann in einem IS-Gefangenenlager und "Feldjäger" tätig gewesen.

Gespeicherte Telefonnummer von Islamisten

Im vergangenen Oktober sei es ihm laut Sicherheitskreisen gelungen, sich vom IS abzusetzen. Wie der stern erfuhr, hatten bulgarische Grenzbeamte Nils D. Ende Oktober in einem Bus entdeckt, der zwischen Istanbul und Dortmund verkehrt. Sein Name stand auf der Fahndungsliste des Schengener Informationssystems SIS. Seit seiner Rückkehr nach Dinslaken hätten Fahnder laut Auskunft der Sicherheitsbehörden den als "weich" geltenden Konvertiten "ständig unter Wind" gehabt, intensiv sei er jedoch lediglich im November beobachtet worden.

Nach den Anschlägen von Paris haben die US-Sicherheitsbehörden auch auf Nils D. als möglichen Gefährder hingewiesen, weil er in seinem Handy Telefonkontakte zu IS-Mitgliedern gespeichert hatte. Eine Verbindung zu denAttentätern von Paris wurde nicht gefunden. "Er hat nicht das kriminelle Potential der anderen, die aus Dinslaken-Lohberg zur Terrormiliz nach Syrien ausgereist sind", so ein hoher Sicherheitsbeamter gegenüber dem stern.

Vier Opfer aus der "Lohberger Gruppe"

Die sogenannte Lohberger Gruppe soll laut Sicherheitsbehörden aus etwa 25 jungen Männern bestanden haben, von 2013 an hätten sich mindestens 13 dem IS angeschlossen. Offenbar waren einige auch an Kämpfen um die nordsyrische Stadt Kobane beteiligt. Ein Freund aus dem Umfeld der Islamisten hat gegenüber dem stern vier ihrer Leichen auf einem Foto identifiziert, das aus einem Video der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG stammt. Es zeigt Opfer eines Angriffs auf IS-Stellungen kurz vor Weihnachten. Unter den Toten befänden sich demnach die Brüder Hassan und Hüssein D., Yunus E. und Marcel L. Bei dem gleichen Angriff sei auch Mustafa K. gestorben. Der Lohberger hatte im vergangenen Jahr auf Propagandabildern mit abgeschlagenen Köpfen posiert.

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Jan Rosenkranz
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