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2. Juni 2007, 17:28 Uhr

Stimmung sackt auf den Nullpunkt

Insgesamt etwa 16.000 Polizisten schützen den G8-Gipfel in Heiligendamm. Wie ergeht es ihnen? Für stern.de schildert Polizeioberkommissar Ingolf Boldt täglich, wie er den Gipfel erlebt. Boldt ist zur Zeit zum Schutz des Tagungsortes eingesetzt. Im zweiten Teil beschreibt er die Sorge um die Kollegen in Rostock. Von Ingolf Boldt, Heiligendamm

Während die Polizisten in Rostock schwere Krawalle erleben, sind die Kollegen in Heiligendamm zu sorgenvollem Nichtstun verdammt© Kay Nietfeld/DPA

Bilanz bisher: 1 Halbgruppenwagen und 2 LKW hatten sich festgefahren. Diese konnten Dank tatkräftiger Unterstützung durch die Kameraden der Bundeswehr freigeschleppt werden. Und zu guter Letzt platzt der Kühler von unserem Fahrzeug. Nach der extrem hohen Belastung der Fahrzeugtechnik in den letzten Monaten erscheint es fast wie ein Wunder, dass nicht noch der Motor herausgefallen ist. Trockener Kommentar meines Fahrers: "Mal ganz was Neues, endlich was los hier!"

Ist Heiligendamm zu Normalzeiten für seine Ruhe und Abgeschiedenheit bekannt, dann kann man sich vorstellen, was nach Schließung des Zaunes hier los ist: Nichts; rein gar nichts. Hauptaufgabe für meine Gruppenführer und für mich besteht mittlerweile darin, unsere Kollegen bei Laune zu halten. Jedem von uns ist klar, welchen Auftrag wir zu erfüllen haben und dass unsere Anwesenheit erforderlich ist. Nachdem dann aber heute Nachmittag ab 14 Uhr die ersten Mitteilungen von Kollegen aus Rostock über schwere Ausschreitungen im Innenstadtbereich eintreffen, sackt die Stimmung auf den Nullpunkt.

Jeder von uns weiß um die ernorm hohen physischen und psychischen Belastungen bei solchen Einsatzlagen und in Gedanken ist man bei den Kollegen mit vor Ort. Umso schwerer fällt es uns, sich mit unserem "Urlaubsort" abzufinden. Als weitere Nachrichten von verletzten Beamten, sogar von zum Teil schwer verletzten Beamten eintreffen, ist die Wut auf die Chaoten und die Verbitterung über die eigene "Untätigkeit" uns allen förmlich ins Gesicht geschrieben.

Unsere Befürchtungen wurden wieder einmal bestätigt und in vielem sogar übertroffen. Erklärt es sich jetzt, warum der Zaun um Heiligendamm errichtet wurde, warum ich Befürworter dieses Zauns bin? Wer jetzt noch Zweifel daran hat, möge heute Abend einfach mal die Nachrichten einschalten.

Zur Person

Zur Person Polizeioberkommissar Ingolf Boldt (POK), 34, stammt aus Schwerin. Seit 1994 ist er bei der Polizei, seit 1995 bei der Bereitschaftspolizei. Mittlerweile ist Boldt Zugführer und damit Chef von rund 35 Beamten in einer Bereitschaftspolizei-Hundertschaft. Er war bei etlichen Gorleben-Einsätzen dabei, beim Elbhochwasser, bei Mai-Demos und bei der Fußballweltmeisterschaft. In seiner Freizeit fährt er gern Motorrad, die letzte CD, die er gekauft hat, war eine von AC/DC.

Von Ingolf Boldt, Heiligendamm
 
 
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