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27. Mai 2009, 17:04 Uhr

Streiks an Kitas gehen weiter

Schlechte Nachricht für alle Eltern, deren Nachwuchs in einer kommunalen Kindertagesstätten betreut wird: Die Gewerkschaften Verdi und GEW haben die Kita-Tarifrunde für gescheitert erklärt. Damit droht eine Fortsetzung der Streiks in den nächsten Tagen.

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Auch in den nächsten Tagen dürfte sich der Protest der Erzieher fortsetzen. Die Gewerkschaft Verdi hat die Kita-Tarifrunde für gescheitert erklärt© Roland Magunia/DDP

Die Tarifverhandlungen für die kommunalen Kindertagesstätten sind vorerst gescheitert. Das teilte die Gewerkschaft Verdi in Berlin mit. Es sei weiter mit Streiks in den Kitas zu rechnen. Ein erstes Angebot der Arbeitgeber zum verbesserten Gesundheitsschutz der Erzieherinnen und Erzieher lehnten sowohl Verdi als auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ab. Verdi-Vorstand Achim Meerkamp sprach von einem Scheinangebot, mit dem die Arbeitgeber lediglich ihre Hinhaltetaktik fortsetzen und am Status quo festhalten wollten. Eltern müssen daher möglicherweise auch in der kommenden Woche ihre Kinder anderweitig betreuen lassen.

Parallel zu den Tarifverhandlungen wurden die Streiks auch am Mittwoch fortgesetzt, so dass wieder zahlreiche Kitas geschlossen blieben. Nach Angaben der Gewerkschaften beteiligten sich 15.000 Beschäftigte, am Dienstag waren es 25.000 gewesen. Verdi und die GEW wollen einen tariflich geregelten Gesundheitsschutz für die 220.000 bei Kommunen angestellten Erzieherinnen und Sozialarbeiter durchsetzen. Zudem fordern sie deutliche Einkommensverbesserungen.

Die Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) steht auf dem Standpunkt, dass mit dem abgegebenen Angebot der Anlass für die Streiks "vom Tisch" sei. Zu der Offerte gehört, die Beschäftigten bei der Gefährdungsanalyse des Arbeitsplatzes einzubinden. Außerdem soll das Gesundheitsbewusstsein der Erzieherinnen gestärkt werden. "Wir erwarten nun, dass alle Streikmaßnahmen sofort eingestellt werden", sagte VKA- Hauptgeschäftsführer Manfred Hoffmann.

Die GEW lehnte das Angebot als nicht akzeptabel ab. "Es ist nichts, was konkret bei den Arbeitsbedingungen Verbesserungen bringen würde", sagte GEW-Referent Bernhard Eibeck. Überlegt werde, nächste Woche in einzelnen Ländern Streik-Schwerpunkte zu setzen.

Verdi hatte zum Auftakt der Verhandlungen die Forderung nach einem verbesserten Gesundheitsschutz wie Lärmdämmung und Bewegungsprogrammen bekräftigt. So hätten Erzieherinnen wegen des Kindermobiliars oft Rückenprobleme. "Die sitzen den ganzen Tag auf diesen kleinen Stühlen", erläuterte eine Verdi-Sprecherin. Der Lärmpegel einer Kindergruppe sei mit dem eines startenden Flugzeugs zu vergleichen.

Die VKA unterstrich, das Thema Gesundheitsschutz "sehr ernst zu nehmen und hierzu Verhandlungen nie abgelehnt" zu haben. Die Arbeitgeber kritisieren, der Gesundheitsschutz sei nur ein Vorwand, weil für den Gehaltstarifvertrag noch die Friedenspflicht besteht - das heißt, für mehr Geld darf nicht gestreikt werden.

"Wir wollen konstruktiv verhandeln", hatte VKA-Hauptgeschäftsführer Hoffmann zu Beginn der Verhandlungsrunde betont. Das bisherige VKA-Angebot sieht 220 Euro mehr im Monat sowie neue Entgeltgruppen vor.

Verdi-Chef Frank Bsirske hatte den "Ruhr Nachrichten" gesagt, Erzieherinnen dürften nicht schlechter bezahlt werden als Müllmänner. Monatlich müssten die Beschäftigten je nach Gehaltsstufe 200 bis 1000 Euro mehr erhalten. Nach Gewerkschaftsangaben verdienen Erzieherinnen im Schnitt etwa 2400 Euro brutto. Da aber viele Frauen in Teilzeit arbeiten, kämen sie oft auf nur 1000 Euro netto.

Proteste gab es am Mittwoch in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Niedersachsen, wo hunderte Einrichtungen bestreikt wurden. Auch aus Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz sowie Thüringen und Sachsen-Anhalt wurden Arbeitsniederlegungen gemeldet.

Hamburg steht nun ebenfalls vor einem unbefristeten Streik der Kita-Mitarbeiter: Bei einer Urabstimmung stimmten 99,7 Prozent der GEW-Mitglieder und 98,6 Prozent der Verdi-Mitglieder für einen Arbeitskampf. Hamburg wird als Stadtstaat nicht direkt durch die VKA vertreten, deshalb war hier eine gesonderte Urabstimmung für Streiks in Kitas notwendig.

DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
Angel_of_Mercy (27.05.2009, 21:43 Uhr)
Wer ist die Zukunft unseres Landes?
Investmentbanker oder Kinder?
Die Antwort sollte klar sein.
Auch wenn der Bund sämmtliche Kompetenzen in Bildung an die Länder abgetreten hat, kann er trotzdem Gelder nur für diesen Zweck bereit stellen, für eine langfristige Investition in unsere Zukunft anstatt kurzfristigen Renditezielen.
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