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7. September 2007, 12:17 Uhr

Die Verdächtigen und ihre Hintergründe

Zwei der drei in Oberschledorn verhafteten Terrorverdächtigen waren zum Islam konvertierte Deutsche. Die Männer waren Teil einer gut vernetzten islamistischen Gruppe, die besonders im Südwesten Deutschlands aktiv ist. stern.de zeigt, wer den größten Polizeieinsatz seit 30 Jahren auslöste.

Die drei Terrorverdächtigen von Oberschledorn vor dem Haftprüfungstermin am Karlsruher Bundesgerichtshof.© Uli Deck, Ronald Wittek/DPA

Ermittlungen des Bundeskriminalamts (BKA) zufolge haben sich die drei festgenommenen Terror-Verdächtigen mindestens seit Ende 2006 zu einer abgeschotteten, konspirativ arbeitenden Organisationseinheit zusammengeschlossen, die dem internationalen Netzwerk gewaltbereiter islamischer Fundamentalisten zuzurechnen ist. Die drei wussten, dass sie bei ihrem Tun observiert wurden. Abhalten ließen sie sich dadurch nicht. Naivität? Oder fanatische Kaltschnäuzigkeit? Der Polizei ist das bislang ein Rätsel. stern.de zeigt die persönlichen Hintergründe der Festgenommenen - und das islamistische Fundamentalisten-Netzwerk, dem sie nach derzeitigem Ermittlungsstand angehören.

Der Anführer:

Der 28-jährige Fritz G. studierte im achten Semester Wirtschaftsingenieurwesen an den Fachhochschulen Ulm und Neu-Ulm. Neben dem Studium jobbte er oft im Laden seines Vaters, einem Betrieb für Solartechnik. Der gebürtige Münchner war mit 18 Jahren zum Islam konvertiert und verkehrte in der radikal-islamistischen Szene in Ulm/Neu-Ulm, die seit längerem im Visier der Ermittler ist. Er war Stammgast im Neu-Ulmer "Multikulturhaus" - einem wichtigen Islamisten-Treffpunkt, den das bayerische Innenministerium im Dezember 2005 schließen ließ. Die islamistische Szene verlagerte daraufhin ihren Treffpunkt in das "Islamische Informationszentrum" (IIZ) der baden-württembergischen Nachbarstadt Ulm - auch G. war zahlendes Mitglied des IIZ gewesen. Nach den Festnahmen in Oberschledorn am Dienstag wurden gegen mehrere der im IIZ verkehrenden Männer Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Von März bis Dezember 2006 hatte G. an einem Terroristen-Training in Pakistan teilgenommen. Er unterhielt engen Kontakt zur "Islamischen Jihad Union" (IJU), einer vorwiegend in Zentralasien aktiven Gruppierung, die mit der al Qaida sympathisiert. Bereits am Silvesterabend 2006 war G. den Ermittlern aufgefallen: Er soll zusammen mit zwei weiteren Verdächtigen aus der Ulmer Islamisten-Szene das Kasernengebäude der US-Basis Hutier in Hanau ausgespäht haben - eines der geplanten Anschlagsziele?

Seitdem jedenfalls zählte G. für die Polizei als "Gefährder" (der stern berichtete), wurde rund um die Uhr beobachtet. Am 6. Januar 2007, 13 Tage vor seiner geplanten Hochzeit, war G. in seiner Ulmer Wohnung von Spezialeinheiten der Polizei überwältigt worden - allerdings reichten die damals sichergestellten Indizienstücke für eine Festnahme nicht aus: Die Wohnung war noch kaum eingerichtet, nur einige Putzmittel standen herum.

Die beiden Komplizen:

Daniel S.: Der 21-jährige Deutsche, der in Neunkirchen geboren ist, lebte als Gelegenheitsarbeiter neben einer Moschee im Saarbrücker Stadtteil Dudweiler-Herrensohr. Er war vor drei Jahren zum Islam konvertiert. Innerhalb dieser drei Jahre wandelte sich der Mann aus bürgerlichem Hause zum fanatischen Anhänger des gewaltsamen Heiligen Krieges. Als Arabisch- und Koranschüler war er für einige Zeit in Ägypten gewesen. Auch er war - im August 2006 - nach Pakistan aufgebrochen, um ein Terroristen-Camp zu besuchen. Erst im Februar 2007 kehrte er von dort zurück - offenbar, um mit G. und Y. den Bombenanschlag in Deutschland vorzubereiten. Vor wenigen Wochen meldete er sich an einem Abendgymnasium in Saarbrücken an, um das Abitur nachzuholen. Er hatte die Schule in der 12. Klasse abgebrochen.

Adem Y.: Der 28-jährige Türke Y. lebte zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern in einer Mietwohnung in der hessischen Kleinstadt Langen (Kreis Offenbach). Er war ebenfalls 2006 zur Terroristen-Ausbildung nach Pakistan gereist, schickte auch andere Sympathisanten in die pakistanischen Ausbildungscamps. Von öffentlich zugänglichen Call Shops aus hielt er Kontakt zu mehreren Terrorismusverdächtigen. Wie die anderen beiden Festgenommenen plante er offenbar, bei den Anschlägen in den Märtyrertod zu gehen.

Die "Islamische Jihad Union"

Die "Islamische Jihad Union" (IJU) ist eine vorwiegend in Zentralasien aktive Gruppierung, die sich von der "Islamischen Bewegung Usbekistans" abgespalten hat. Die IJU verfolgte zunächst regionale Ziele in Usbekistan, wie etwa den Sturz des dortigen Präsidenten. Auch Bombenanschläge auf dortige US-Einrichtungen gehen auf das Konto der IJU. Zwischenzeitlich hat sie ihre Ziele und Aktivitäten im Sinne einer allgemeinen radikal-islamistischen Ideologie ausgeweitet. Sie agiert nun unter anderem auch in Mitteleuropa.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der IJU in Deutschland neben den drei Festgenommen mindestens sieben weitere Mitglieder angehören. Der Verfassungsschutz observiert diese schon seit einiger Zeit. Allerdings reichen bei manchen die bisherigen Beweise für eine Festnahme nicht aus. Andere sind abgetaucht.

Markus Wanzeck
 
 
KOMMENTARE (10 von 37)
 
Easy_d (08.09.2007, 12:44 Uhr)
@Luis46
genau das ist der richtige Ansatz!
Nicht wir Deutschen können die Hassprediger aus den Moscheen entlarven, sondern das müssen die Moslems selbst machen! Denn wer das nicht meldet, der macht sich selbst schuldig! Deshalb habe ich ja auch vorgeschlagen, das nur noch in Deutsch gepredigt wird. Denn nur dann müssen die Hassprediger Angst haben, das jeder der sie hört sie melden kann!
Luis46 (08.09.2007, 12:22 Uhr)
Muslime sind unsere Mitbürger
Wir haben hier in Deutschland eine freiheitliche Verfassung mit Gesetzen, die für alle, die hier leben wollen, gelten. Unsere Verfassung garantiert neben Freiheit, Recht auf Selbstbestimmung, Unversehrtheit auch Religionsfreiheit. Menschen mit Religionsauffassungen, die mit dieser freiheitlichen Verfassung nicht vereinbar sind, sind Verfassungsfeinde und haben hier nichts verloren.
Dies gilt für Christen, wie für Muslime. Sie leben auf deutschem Boden und haben sich dieser Verfassung unterzuordnen. (Das Recht auf Selbstbestimmung verbietet es z.B. auch, volljährigen Mädchen den Mann, den sie heiraten wollen, zu verbieten.)
Ich hätte kein Problem, einen Pfarrer oder Kirchenvorstand, der Haß und Terror predigt, den entsprechenden Behörden zu melden. Warum sollte das den muslimischen Mitbürgern nicht ebenso möglich sein? Eine Bombe macht keinen Unterschied, ob es einen Christen oder Muslimen und seine Kinder trifft. Er schützt damit nur das Leben und die Unversehrtheit seiner Familie und Kinder.
Es ist auch nicht einzusehen, daß wir Deutsche, die heißen Kohlen (sprich: Haß), die die Regierungen der USA oder anderer Länder gesät haben, für diese aus dem Feuer zu holen. Da sind mir meine Söhne zu wertvoll, um sie einer falsch verstandenen Solidarität mit welchem Bündnis auch immer, in einem sinnlosen Kriegs- oder 'humanitären' Einsatz verheizen zu lassen.
Ich würde mir wünschen, daß auch Muslime sich als Bürger unseres freiheitlichen Staates der Verfassung verpflichtet fühlen und diese durch entsprechendes Verhalten schützen würden. (z.B. melden). Es würde auch den muslimischen Haßpredigern und Staatsfeinden im 'Schafsfell' ihr Handeln erschweren und dadurch ihnen und ihren Familien die Unversehrtheit sichern helfen.
mupfeline (08.09.2007, 11:52 Uhr)
Es ist schon erstaunlich
... aber die Konvertierten kommen aus "gut-bürgerlichen" Familien. Das Wort "gutbürgerlich" in diesen Zusammenhängen gefällt mir am besten. So wie die Rechten aus der Hartz IV-Unterschicht kommen so kommen die anderen aus dem Bürgertum. Ist DAS der Grund warum von "irregeleiteten fehlgeleiteten - suchenden !!! - Jugendlichen gesprochen wird!? Weil sie aus der bürgerlichen Mittelschicht kommen ... DA MACHT Mann/Frau SO ETWAS nicht!? Wahnsinn Deutschland! Sogar bei Kriminellen wird nach sozialem Status unterschieden ...
Easy_d (08.09.2007, 09:21 Uhr)
@muhtesem1
eigentlich haben wir ja die gleiche Meinung (Verständigungsprobleme),nur an der Umsetzung schein es zu scheitern.
Ich war auch gegen den Kalifen von Köln, Hassprediger haben hier nichts zu suchen und müssen ausgewiesen werden! Nur hier besteht wieder das Problem, dass diese in türkisch, arabisch etc. predigen. So sollten diese also gezwungen werden in deutsch zu predigen, damit alle es verstehen können! Somit ist auch wieder ein Schritt zur Integration gemacht. Was natürlich an deiner Argumentation zum Kalifen von Köln etwas befremdlich ist, ist die Tatsache, dass du, wenn jemand hier was gegen die Türkei sagt, dieser an die Türkei ausgeliefert werden soll. Das ist natürlich total undemokratisch und weit ab von Demokratie.
Das mit der Gewalt in der Bibel stimmt, das kann man nicht wegreden und das sollte man nicht wegreden! Als kleines Beispiel für dich "Nachdem der Pharao als Gegenspieler Gottes die Israeliten versklaven, quälen und ihre Söhne töten ließ, wendet Gott sich seinem Volk zu, erwählt und sendet Moses zu seiner Befreiung. Diese wird gewaltsam durch Zehn Plagen Gottes, darunter Feuerregen und Tod aller erstgeborenen Söhne der Ägypter, erzwungen. Das ägyptische Heer des Pharao wird bei der Verfolgung der Hebräer im geteilten Roten Meer ertränkt (Ex 1-14)."
drnickel (08.09.2007, 05:15 Uhr)
Probate Mittel
Probate Mittel, die Gewalt ersetzen sind:
- Integration versus Moscheebau (es darf in Deutschland keinen Staat im Staat mehr geben)
- Infragestellung der Machokultur Islam als Religion und eine breite Diskussion mit den Muslimen über ihr Verständnis von Demokratie und Integration in die deutsche Gesellschaft
- Aufforderung an die Macho"Religion" Islam sich zu reformieren
- Ausweisung von Islam-Predigern
- Bildungsoffensiven an Schulen, in Kindergärten und in Jugendzentren versus einer Isolation bzw Spaltung der Gesellschaft in Christen, Nicht-Gläubige und Muslime.
- ein christlich-demokratisches Kultur-Fundament
- usw.
gulbins (08.09.2007, 03:06 Uhr)
Kein Verständnis für die bisherige Diskussion :-(
Nach dem Lesen der Kommentare zu diesem Artikel habe ich mich gefragt, worüber hier eigentlich diskutiert wird.
Die Diskussion stelisiert sich zunehmend zu einem Religions- bzw. Regimekritik-Krieg. Grundsätzlich sollten wir alle mittlerweile aus der Geschichte gelernt haben, dass es probatere Mittel als Gewalt gegenüber einem Staat oder anderen Menschen gibt.
Warum müssen seit vielen Jahrhunderten Menschen unterschiedlicher Glaubensausprägungen (schauen Sie mal genau auf die Details zwischen Christentum und Islam) sich einander Gewalt antun?
Warum wollen Deutsche gegenüber Ihren Mitbürgern Gewalt einsetzen, weil sie zum Islam konvertiert sind?
Hier ist etwas grundlegend faul in den Köpfen bzw. den Lehren!
muhtesem1 (08.09.2007, 00:56 Uhr)
ohhh lady....
wer beschimpft hier denn wen?wir alle diskutieren heftig, mehr nicht. du zitierst nur aus einem märchenbuch hetzerisch,mehr aber auch nicht.ich darf doch sagen, d.du nicht recht hast.wenn nicht dann entschuldige bitte.easy, ich habe kinderschänder als beispiel gebracht, das jetzt auch sehr aktuell ist. ich denke für viele mitleser war dieses beispiel verständlich. keineswegs war das eine beschimpfung.nun zu den terroristen. man kann doch nicht jedem an der stirn ablesen, ob sie in einem terrorkamp waren und keiner wird es wohl freiwillig melden. das ist wohl klar.aber das gibt mir kein recht, alle die ich verdächtige und mir verdächtig erscheinen, sofort auszuweisen oder sie zu verurteilen. wenn das so abläuft wie hier in deisem fall, dann ist es ok. da fällt mir ein, ich brauche nicht lange zurückzudenken, als hier noch die schwarze stimme,der kalif von köln,dieser metin kaplan, hass und gewalt predigte. die türkei sogar video über seine gewaltpredigten an den dt.staat vorlegte,sagte man den türken: WAS MACHT IHR BÖSEN TÜRKEN DENN MIT DIESEN ARMEN MENSCHEN? IHR TÜRKEN HABT KEINE RELIGIONSFREIHEIT! " deutsche politiker nach syrien flogen um den terrochefs mitzuteilen, dass sie gegen die türkei alles in der brd tun dürfen, solange sie nichts in der brd schlimmes tun. auf die vorwürfe der türken haben die dt. politiker diese nur zum rücktritt gezwungen und schon war die sache vergessen. jetzt, jetzt aber hat der terror uns hier eingeholt. wer mit bösem hand in hand arbeitet, dem holt sie irgendwann ein. jetzt kann man lange versuchen den virus, den man selbst infiziert hat, loszuwerden. undjetztnochder, klar sind wir uns einig. ich wollte dich nur bestätigen.bin ganz deiner meinung. nochmals will ich erwähnen, mord und tötung kann keine religion gutheißen. wenn sowas in der bibel steht,dann wird es auch zu wörtlich genommen. und von der gegenseite im vergrößungsglas gesehen. da ich mehrsprachig bin, weiß ich aus erfahrung,dass viele misverständnisse nur aus verständigungsproblemen entstehen. wir sollten versuchen uns zu verstehen und nicht gleich aufeinander schlagen.
Easy_d (08.09.2007, 00:31 Uhr)
Religionsfreiheit
wie ich vorher schon gesagt habe: jeder kann glauben/oder nicht glauben was er will, nur darf er andere nicht einschränken!!! Bomben bauen würde ich als Einschränkung sehen, was bedeutet, dass diese Leute aus unserer Gesellschaft entfernt werden müssen (Ausweisung oder Gefängnis)!
Und dabei ist ganz egal, ob es Christen oder Moslems sind!
Ginnungagap (08.09.2007, 00:04 Uhr)
Wir sind alle...
... Sklaven einer transzendenzlosen Transzendenz. Leute die das erkennen basteln eben Bomben ;)
Ginnungagap (08.09.2007, 00:01 Uhr)
muhtesem...
...kein Mensch ist gesund
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