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12. September 2007, 19:31 Uhr

Verbale Schläge für das "Konvertiten-Register"

Harsche Kritik von allen Seiten haben die Vorschläge hervorgerufen, alle zum Islam konvertierenden Menschen zu registrieren. Die Idee sei "Giftmüll", hieß es aus Reihen der SPD. Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach behauptet indes, diesen Vorschlag gar nicht gemacht zu haben.

Bosbach in Not: "Diesen Satz habe ich so nie gesagt"© Axel Schmidt/DDP

Auf heftigen Widerspruch aus allen Parteien ist die Idee eines Registers für zum Islam Übergetretene gestoßen. Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU), dem dieser Vorstoß als Mittel im Antiterrorkampf zugeschrieben wurde, bestritt, einen solchen Vorschlag überhaupt gemacht zu haben. Unter den in der vergangenen Woche verhafteten drei mutmaßlichen Terroristen sind zwei zum Islam übergetretene Deutsche.

Bosbach will's nicht gesagt haben

Bosbach wies in mehreren Medien Berichte zurück, wonach er im Bayerischen Fernsehen die Einführung eines "Konvertiten"-Registers gefordert habe. "Ein Register für alle Konvertiten habe ich weder gefordert, noch halte ich die Einführung einer solchen Datei für sinnvoll", sagte er der "Kölnischen/Bonner Rundschau".

Ein Redaktionsbüro hatte am Dienstagabend im Auftrag des Bayerischen Rundfunks Bosbach aus der "Münchner Runde" mit dem Satz zitiert: "Ein Konvertiten-Register ist sinnvoll, denn wir wissen, dass sich einige nach dem Übertritt radikalisieren lassen." Bosbach sagte dazu der dpa: "Diesen Satz habe ich nicht gesagt." Es sei ihm nicht um Konvertiten gegangen, sondern "um die kleine Gruppe der Gefährder, die Kontakt zur militanten islamistischen Szene gesucht haben".

"Nicht alle über einen Kamm scheren"

Ein "Konvertiten-Registers" wertete der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz in der "Netzeitung" als Unfug und Giftmüll. Schleswig- Holsteins Innenminister Ralf Stegner (SPD) nannte die Idee dumm. "Man kann nicht eine ganze Glaubensgruppe diskreditieren. Das geht nicht", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Donnerstag).

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ingo Wolf (FDP) warnte: "Es gibt keinen sachlichen Grund, alle Konvertiten über einen Kamm zu scheren." Man müsse allerdings ein Auge auf einzelne, zumeist jüngere Konvertiten haben, die in islamistische Kreise geraten. Darauf hätten sich die Sicherheitsbehörden aber bereits eingestellt. Der FDP- Bundestagsabgeordnete Max Stadler sagte, ein solches Register wäre mit einer freiheitlichen Gesellschaft nicht zu vereinbaren. Der Linke-Abgeordnete Jan Korte sprach von einem direkten Angriff auf die im Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit. Für den Parlamentarischen Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, wäre dies verfassungswidrig und abwegig.

Widerspruch kam auch aus der Union. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sagte: "Wir brauchen keine neue Kartei für Konvertiten." Die Möglichkeiten der Anti-Terror-Datei reichten aus. Darin können Sicherheitsbehörden unter anderem Angaben zur Religionszugehörigkeit speichern. Bayerns Innenminister Günther Beckstein sagte hingegen: "Dass von radikalisierten Konvertiten eine ernsthafte Gefahr für die Sicherheit in Deutschland ausgeht, kann nach der Vereitelung der geplanten Terroranschläge in jüngster Zeit niemand bestreiten."

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Ayyub Axel Köhler, sagte der Hörfunkagentur dpa/Rufa, mit einer Registrierung von Übertritten zum Islam würden Konvertiten "amtlich unter Generalverdacht gestellt".

Festnahmen in Österreich

Die österreichischen Behörden nahmen am Mittwoch zwei Männer und eine Frau mit Al-Kaida-Hintergrund fest. Sie sollen an der Produktion eines Videos mit Drohungen gegen Deutschland und Österreich beteiligt gewesen sein. Darin waren die Regierungen in Berlin und Wien zum Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan aufgefordert worden. Nach Angaben eines Sprechers des Innenministeriums in Wien gibt es zwischen dem Trio und den jüngsten Festnahmen Terrorverdächtiger in Deutschland und Dänemark keinen Zusammenhang.

Drohungen der Islamischen Dshihad Union

Die "Islamische Dschihad Union", die sich im Internet zu den geplanten Terroranschlägen bekannte, drohte Deutschland: "Sie müssen verstehen, dass Sie zum Anschlagziel werden, wenn sie ihre hinterhältigen Aktionen gegen den Islam nicht einstellen." Experten des Bundesinnenministeriums hatten das Bekenntnis am Dienstag als authentisch bewertet.

Nach am Mittwoch bekannt gewordenen Einzelheiten werden die drei Verhafteten darin als "unsere Brüder" bezeichnet. Die Terroristen wollten mit Anschlägen gegen den US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein sowie Konsulate der USA und Usbekistans nach eigenen Worten erreichen, dass Deutschland den Luftwaffenstützpunkt Termes in Usbekistan schließt, der für den deutschen Afghanistaneinsatz benutzt wird.

Offen blieb, weshalb sich die usbekische Terrorgruppe zu verhinderten Anschlägen bekennt und weshalb das Bekennerschreiben in türkischer und nicht in usbekischer Sprache verfasst ist. Ein westlicher Experten mit langjähriger Usbekistan-Erfahrung sagte, es gebe in dem Land keine Wurzeln für radikalen Islam. Es könne aber durchaus sein, dass Usbeken von Pakistan aus agierten.

AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Easy_d (14.09.2007, 08:01 Uhr)
@tripex
ich habe schon von Nicht-Moslems gehört, die andere Nicht-Moslems gemeldet haben, weil diese sich für eine Judenvernichtung ausgesprochen haben (Volksverhetzung nennt man das). So muss es sein! Unter den Nicht-Moslems schein das Prinzip ja zu funktionieren, bei den Moslems scheinbar nicht!
Also sobald jemand "den Kampf gegen die Ungläubigen" etc. predigt oder davon spricht, muss dieser bestraft werden! Man darf das nicht als Religionsfreiheit oder ähnliches einstufen, sowas gehört sofort für mehrere Jahre ins Gefängnis oder ausgewiesen.
Dann zu deinem Punkt, dass die Leute sowas ja nicht direkt aussprechen. Wenn jemand versucht einen anderen für einen Terroranschlag zu rekrutieren und derjenige nicht mitmachen will, dann muss derjenige das doch melden. Die Rekrutierer werden ja keine 100% Trefferquote haben und genau diese Leute haben die Pflicht potentielle Terroristen zu melden!
tripex (14.09.2007, 05:32 Uhr)
Haßpredigten
Ich war zwar noch nie in einer Moschee bei einem Gebet oder einer Predigt aber glaube auch nicht, daß dort des öfteren direkt oder indierekt zum Terrorismus oder gegen die Verfassung aufgerufen wird. Und solange das nicht passiert, kannst Du auch keinen Moslem auf "unterlassene Terrorismusbekämpfung" (wird bestimmt bald Straftatbestand) beschuldigen. Du hast bestimmt auch noch von keinem Nicht-Moslem gehört, der jemand anderen wegen des Verdachts auf Terrorismus gemeldet hat, oder?
Easy_d (13.09.2007, 16:40 Uhr)
@tripex
die Terroristen unterwandern ja hier die Moscheen, weil sie ja nichts zu befürchten haben. Keiner scheint sie hier zu melden. Ich habe bis jetzt von noch keinem Moslem gehört, der einen anderen wegen des Verdachts auf Terrorismus gemeldet hat!
Easy_d (13.09.2007, 16:37 Uhr)
@tripex
es muss doch aber den Hasspredigern bzw. den Leuten, die die Terroristen rekrutieren so schwer wie möglich gemacht werden. Diese Leute müssen doch Angst haben neue Leute zu rekrutieren, wenn also alle Moslems diese Leute melden, wird denen die Möglichkeit genommen weitere Terroristen zu rekrutieren! Es kann ja nicht nur unsere Aufgabe sein diese Leute zu enttarnen, die Moslems selbst müssen das tun! Wenn die Moslems sich natürlich nicht von diesen Leuten distanzieren wollen, dann zeigt das die Respektlosigkeit gegenüber unserer Verfassung!
tripex (13.09.2007, 14:10 Uhr)
man muß ja...
"sobald irgendwo in der Moschee gegen die Verfassung gesprochen wird, diese Personen als potentielle Terroristen melden!"
Ich kann mir nicht vorstellen, daß sich islamische Terroristen dümmer anstellen als "normale" Kriminelle und sich so dermaßen einfach verraten. Also der Ausspruch, man muß ja irgendwie die Terroristen von den normalen Moslems trennen können ist genauso unmöglich wie potenzielle Mörder von Geisteskranken zu trennen.
Easy_d (13.09.2007, 12:12 Uhr)
wichtige Frage
ich bin auch gegen dieses Register, aber trotzdem muss man ja irgendwie die normalen Moslems von den Terroristen trennen. Mit dem Register würde man ja nur die konvertierten Moslems kontrollieren, aber ich denke der grösste Teil der Terroristen ist ja nicht aus den Konvertierten hervorgegangen! Man muss also die Terroristen unter den Moslems genannt bekommen! Dieses können aber nur die Moslems selbst leisten, die sollten, sobald irgendwo in der Moschee gegen die Verfassung gesprochen wird, diese Personen als potentielle Terroristen melden!
Aurum (13.09.2007, 08:53 Uhr)
Jawohl!
Wer kein gläubiger Katholik ist, muß erfasst werden und einen gelben Stern tragen! Zurück ins 3. Reich? Die Demokratie in D scheint wirklich am Boden zu sein.
tripex (13.09.2007, 03:45 Uhr)
Diskrimminierungsverbot
Meiner Meinung nach bricht Bosbachs's Vorschlag eher das Diskrimminierungsverbot statt die Freiheit der Religionsausübung.
Seine "Ausrede" nehme ich ihm aber nicht ab, denn wie will er denn sonst "die kleine Gruppe der Gefährder, die Kontakt zur militanten islamistischen Szene gesucht haben", überwachen, wenn nicht durch einen Generalverdacht aller Konvertiten? Das kommt bei genauerem Nachdenken auf's gleiche hinaus. Genauso wie Schäubles extreme Extremfälle. Wenn es nämlich Extremfälle wären bzw. die militanten Gefährder schon ausgemacht wären, würden die jetzigen Mittel zur Überwachung mehr als ausreichen.
hevosenkuva (13.09.2007, 01:25 Uhr)
Religionsfreiheit, Herr Bosbach
komisch, dass Wolfgang S. noch nicht selbst auf die Idee gekommen ist.
guenni22 (12.09.2007, 21:37 Uhr)
dummschwätzer
Bosbach weiß natürlich genau, dass sein Vorschlag verfassungswidrig ist. Gleichwohl wird aber dumm in jedes Mikro gequatscht. Jeder Tag, an dem Wolfgang Bosbach schweigt, ist ein guter Tag für Deutschland!
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