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Schäuble warnt vor radikalen Konvertiten

Zwei der festgenommenen mutmaßlichen Terroristen waren erst zum Islam übergetreten und haben sich dann in Terrorcamps ausbilden ließen. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble warnte jetzt vor der Gefahr, die von solch radikalen Konvertiten ausgehe.

Was den konkreten Fall angehe, sei die "Gefahrenspitze" zwar abgebrochen, kommentierte Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamts, die jüngsten Festnahmen dreier Terrorverdächtiger im sauerländischen Oberschledorn. Doch müsse man nun das Umfeld und das Netzwerk der Tatverdächtigen untersuchen. Die Festgenommen hätten hochkonspirativ agiert und seien Mitglieder einer deutschen Zelle der terroristischen islamischen Dschihad-Union. Sie hätten massive Bombenanschläge mit vielen Toten auf den Frankfurter Flughafen und US-Einrichtungen in Deutschland geplant.

Zurzeit ist die Bundesanwaltschaft noch auf der Suche nach den Hintermännern, der soeben verhafteten mutmaßlichen Terroristen. So wird laut Bundesanwaltschaft gegen sieben weitere Verdächtige ermittelt. Sie seien - bis auf zwei - namentlich bekannt und lebten teils in Deutschland, teils im Ausland. Gegen die im Inland ansässigen Personen bestehe aber kein dringender Tatverdacht, an den Anschlagsplänen des Terrornetzwerks Islamische Dschihad Union beteiligt gewesen zu sein. Gegen sie sind keine Haftbefehle erlassen worden.

Hausgemachter Terrorismus

Ins Visier der Ermittler rücken jetzt vor allem auch die aus Großbritannien schon bekannten "homegrown terrorists", die hausgemachten Terroristen. Gemeint ist eine neuen Generation von islamistischen Terroristen, bei denen es sich nicht mehr um Täter aus islamischen Ländern handelt, die gezielt für einen Anschlag einreisen, sondern um Menschen, die im Land des Anschlagsziels aufgewachsen sind. Menschen wie zwei der insgesamt drei festgenommenen mutmaßlichen Terroristen: Fritz G. und Daniel Martin S.. Der 28-jährige Fritz G. ist ein gebürtiger Münchner, der im Raum Ulm wohnte. Daniel Martin S. ist 22 Jahre alt und stammt aus dem Saarland. Beide sind deutsche Staatsbürger, die zum Islam konvertiert sind. Wobei es bei den Beiden nicht allein bei einem Wechsel der Glaubensrichtung blieb. Sie wendeten sich hin zum Radikalen, zum Fanatischen. Sie ließen sich im vergangenen Jahr in Pakistan in einem sogenannten Terrorcamp ausbilden.

Spätestens mi iher Festnahme ist der "homegrown terrorism", in Großbritannien schon länger diskutiert, auch zum deutschen Problem geworden. Man müsse stärker in die Milieus vordringen, in denen diese jungen Menschen aufwüchsen, sagte BKA-Präsident Ziercke. Dazu bedürfe es des Dialogs mit den islamischen Gemeinden.

Schäuble warnt vor radikalen Konvertiten

Ach Bundesinnenminister Schäuble warnte in der "Bild"-Zeitung vor einer Gefahr durch radikale Islam-Konvertiten. "Man denkt, wer hier aufwächst und die großen Vorteile unserer freien Gesellschaft genießt, ist immun. Aber einige sind für Radikalisierung empfänglich", wird der CDU-Politiker zitiert. Dies seien gefährliche und fanatische Leute mit hoher krimineller Energie, erklärte Schäuble. "Das besorgt mich sehr." Im "Heute-Journal" des ZDF wandte sich der Minister aber gegen überzogene Ängste. "Ich glaube nicht, dass wir im Augenblick eine real erhöhte Gefährdung haben", sagte Schäuble am Mittwochabend. Es gebe zwar weitere Gefährder, aber keine so konkreten Hinweise wie jetzt im Fall der drei Verhafteten.

Straftatbestand der terroristische Vorbereitungshandlungen

Was die weitere Prävention von Terrorismus betrifft, rücken auch die sogenannten Terrorcamps, Ausbildungslager für radikale Islamisten wie sie die jetzt Festgenommenen besucht haben, in den Mittelpunkt der neu entbrannten Debatte Die Union dringt darauf, bereits den Aufenthalt in einem Terror-Ausbildungslager unter Strafe zu stellen. CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach sagte der "Netzeitung", nötig sei ein Straftatbestand für sogenannte terroristische Vorbereitungshandlungen. "Die dramatischen Ereignisse der letzten Stunden zeigen, dass dringender Handlungsbedarf besteht", sagte Bosbach nach einer Mitteilung vom Donnerstag. "Das betrifft insbesondere die Bereiche Ausbildung in einem Terrorlager und das Verbreiten von Anleitungen zum Bombenbau via Internet oder in anderer Form", fügte er an.

AP/DPA/hes/AP/DPA

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