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Polizei warnt: In München besteht weiter erhöhte Terrorgefahr

Nach der Terrorwarnung in München hat die Polizei die zwischenzeitlich evakuierten Bahnhöfe wieder freigegeben. Bisherigen Erkenntnissen sollen fünf bis sieben Attentäter Selbstmordanschläge im Namen des IS geplant haben.  Gebannt ist die Gefahr noch nicht.

Polizisten stehen in München (Bayern) vor dem Hauptbahnhof

Rund 550 Einsatzkräfte waren in der Nacht in München im Einsatz

Wegen eines drohenden Anschlags der Terrormiliz IS hat die Polizei am Silvesterabend in München zwei Bahnhöfe evakuiert. Sie warnte die Menschen vor größeren Ansammlungen. "Die Hinweise, die wir vom Bundeskriminalamt erhalten haben, bezogen sich auf geplante Selbstmordanschläge am Münchner Hauptbahnhof und/oder am Bahnhof Pasing", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). "Es gab Hinweise auf konkret fünf bis sieben Attentäter." Unklar sei noch, ob alle selbst die Tat verübt hätten oder Helfer gewesen wären.

München ist weiter in Alarmbereitschaft

Nach Angaben der Polizei war die Gefahr am Neujahrsmorgen noch nicht komplett gebannt. "Entwarnung können wir noch keine geben. Diese erhöhte Terrorgefahr besteht momentan nach wie vor", sagte ein Polizeisprecher am Freitagmorgen. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren, es habe aber noch keine Festnahmen oder ähnliche Aktionen gegeben. Man setze aber alle Hebel in Bewegung, um Tatverdächtige, wenn man sie denn ermitteln könne, dingfest zu machen.

"Der Hinweis bezog sich ganz konkret auf eine Tatausführung um Mitternacht", hatte Innenminister Herrmann bei einer nächtlichen Pressekonferenz gesagt. "Nun sind seither schon wieder zwei Stunden vergangen. Wir hoffen, dass es weiterhin ruhig bleibt und dass dieser Anschlag nicht stattfindet - vielleicht weil er tatsächlich gar nicht so geplant war oder vielleicht weil die Täter jetzt davon Abstand genommen haben." Das sollten die Ermittlungen der nächsten Tage zeigen. Auch Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä sagte gegen 2 Uhr, die Behörden sähen die Lage momentan als entspannter an als vor Mitternacht. 

 Am Neujahrsmorgen sei die Polizeidichte in der Stadt höher als üblich, teilte eine Sprecherin mit. Die Fahndung nach möglichen Attentätern laufe weiter. "Die Kollegen der Kriminalpolizei sind weiter an der Arbeit, um festzustellen, was an den Hinweisen dran ist und  sie gegebenenfalls zu konkretisieren", sagte die Sprecherin. Eine Reihe besorgter Bürger habe sich in der Nacht mit verdächtigen Beobachtungen bei der Polizei gemeldet, bei der Überprüfung habe sich aber nichts ergeben.

Sieben Iraker als mutmaßliche Attentäter ausgemacht

Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks soll es sich bei den mutmaßlichen Attentätern um sieben Iraker handeln, die sich schon in München aufhalten und namentlich bekannt sind. Geplant war demnach wohl, dass sich die Männer zu zweit an die Anschlagsorte begeben, um sich kurz hintereinander in die Luft zu sprengen

Rund 550 Einsatzkräfte waren nach Angaben Andräs im Einsatz. Die Münchner Polizei hatte Kräfte aus dem südbayerischen Raum zur Unterstützung in die Landeshauptstadt geholt. "Zusammen mit Spezialeinheiten sorgen wir für Eure Sicherheit", teilte sie über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Trotz intensivster Ermittlungen seien die Informationen über einen Selbstmordanschlag nicht konkretisiert worden, sagte Andrä. 

Erste Warnung kam vom französischen Geheimdienst

Der Hinweis kam laut Herrmann gegen 19.40 Uhr vom Bundeskriminalamt - nachdem dieses von einem befreundeten Nachrichtendienst die "dringende Warnung" vor einem Anschlag in München um Mitternacht erhalten habe. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die erste Warnung sei vom französischen Geheimdienst gekommen. 

Der Hinweis habe eine konkrete Uhrzeit, einen konkreten Ort und eine klare Benennung von Tätern aus dem Bereich des sogenannten Islamischen Staates (IS) beinhaltet. "Das Bundeskriminalamt und die bayerische Polizei waren übereinstimmend der Auffassung, dass das nicht einfach ignoriert werden kann." Die Einschätzung der Gefährdung sei vergleichbar gewesen mit der in Hannover, wo vor wenigen Wochen ein Fußball-Länderspiel abgesagt worden war. 

Bevölkerung via Twitter gewarnt

 Um 22.40 Uhr hatte die Polizei via Twitter gewarnt, den Hauptbahnhof und den Bahnhof in Pasing zu meiden. Zudem empfahl sie, einen Bogen um größere Menschenmassen gerade im Innenstadtbereich zu machen. Es sei nicht klar, wohin mutmaßliche Täter gingen, wenn sie nicht an die eigentlichen Anschlagziele gelangten, sagte ein Sprecher. Der Hauptbahnhof war abgeriegelt, Einsatzkräfte mit schweren Waffen sicherten ihn. Zwischen 3.30 und 4 Uhr gab die Polizei die Bahnhöfe wieder frei. Der Bahnverkehr konnte planmäßig fahren.

Bis zum Morgen zog die Polizei wieder einige Kräfte ab, wie eine Sprecherin sagte. Dennoch seien an Neujahr den ganzen Tag über mehr Polizisten als sonst auf den Straßen der Landeshauptstadt unterwegs.

Münchner ließen sich Silvesterstimmung nicht verderben

In Brüssel war das Silvesterfeuerwerk wegen Terrordrohungen abgesagt worden. Noch am Donnerstag hatte die Münchner Polizei erklärt, in der Silvesternacht werde es im Vergleich zu den Vorjahren keine erhöhten Sicherheitsvorkehrungen geben. 

Viele Münchner ließen sich die Silvesterlaune auch so nicht verderben. Sie feierten, ließen Raketen steigen und zündeten Böller. Vielerorts trübte eher der Regen die Stimmung.

mod/DPA
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