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29. April 2008, 14:46 Uhr

Schafft die Pendlerpauschale ab!

Ein Mann, ein Wort - so präsentiert sich Berlins streitbarer Finanzsenator Thilo Sarrazin auch im Gespräch mit stern.de. Pendlerpauschale? Quatsch. Begrenzung von Managergehältern? Sinnlos. Bahnreform? Na gut. Begegnung mit einem ruppigen Sozialdemokraten. Von Lutz Kinkel

"Sehe nicht verhungert aus": Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin© Michele Tantussi/DDP

Thilo Sarrazin guckt geradeaus. Und er redet geradeaus. Es ist schwer, ihm eine emotionale Reaktion zu entlocken. Es gelingt nur bei einem Thema, das wir kurz vor dem Beginn der "Café Einstein"-Aufzeichnung diskutieren: Tempelhof. Mehr als 500.000 Berliner haben sich für die Offenhaltung ausgesprochen. Die SPD bekam bei Wahl zum Berliner Senat deutlich weniger Stimmen. Tempelhof wird geschlossen, die SPD regiert. Kann es sein, dass die Modalitäten für Volksentscheide geändert werden müssten? "Dafür müssen Sie die Verfassung ändern", sagt Sarrazin. Sollten die Sozialdemokraten nicht genau das tun, um die direkte Demokratie zu stärken? "Sie wollen mich am frühen Morgen provozieren."

Mit Provokationen kennt sich der Berliner Finanzsenator aus - die SPD, seine Partei, hat das leidvoll erfahren müssen. Auch im Interview mit stern.de zersägt Sarrazin lustvoll ein Lieblingsprojekt seiner Genossen: die Begrenzung von Managergehältern. Er hält die vorgelegten Vorschläge für sinnlos. " Es wird sich eh nichts ändern", sagt Sarrazin. "In den USA, wo wir die höchsten Gehälter überhaupt haben, haben wir seit vielen Jahren eine ähnliche Begrenzung, die aber nicht wirkt." Im Übrigen bewegten sich die für die Vorstandsgehälter im Verhältnis zu den Gesamtlohnkosten eines Unternehmens im Promillebereich. Für Sarrazin ist das Herumdoktern an den Managerbezügen reine Symbolpolitik. Und Symbole reichen ihm nicht.

Fahrt zur Arbeit? "Privatsache"

So geht es munter weiter. Die Wiedereinführung der Pendlerpauschale, von der CSU vehement gefordert, hält Sarrazin ebenfalls für baren Unsinn. "Die Pendlerpauschale hat im Steuersystem nichts zu suchen", sagt er. "Wie der Bürger zur Arbeit kommt, ist seine Privatsache." Seit dreißig Jahren plädiere er dafür, die Pendlerpauschale ersatzlos zu streichen. Was für einen Finanzsenator, der über Dienstwagen und Fahrer verfügt, persönlich kein Problem wäre. Genau darüber empört sich die Öffentlichkeit immer wieder: Dass Sarrazin Empfehlungen herausgibt, die ihn selbst nie zwacken würden.

Kürzlich rechnete er Hartz-IV-Empfängern vor, wie sie von knapp vier Euro am Tag wunderbar speisen können. Sarrazin verstieg sich sogar zu Menüvorschlägen, vom morgendlichen Brötchen bis zur mittäglichen Boulette. Diese Belehrung empfanden viele Arme als blanken Zynismus; es hagelte negative Schlagzeilen. Gleichwohl bleibt der Finanzsenator auch im Interview mit stern.de bei seiner Meinung. "Wir können anhand der Einkommens- und Verbrauchsstichproben zeigen: Durchschnittsbürger geben fürs Essen nicht mehr aus, als einem Hartz IV-Empfänger zusteht. Da weder Sie noch ich verhungert aussehen oder mangelernährt, folgt daraus, dass der Ansatz für Ernährung ausreichend ist." Vier oder fünf Autoren hätten sich bereits bei ihm gemeldet, um mit ihm zusammen ein Hartz-IV-Kochbuch zu schreiben. Er habe aber alle Anfragen abgelehnt, sagt Sarrazin.

Bloß keine Gleise privatisieren

Nur beim Thema Bahnreform bleibt Sarrazin, selbst ehemaliger Bahn-Vorstand und Erzfeind des jetzigen Bahnchefs Harmut Mehdorn, erstaunlich leise. Sarrazin hatte das Volksaktien-Modell mitentwickelt, das Parteichef Kurt Beck zugunsten der Viertel-Privatisierung aufgab. Verärgert? Aber nicht doch. Sarrazin glaubt, dass sein Volksaktien-Modell, das auf dem Hamburger SPD-Parteitag 2007 mit Mehrheit angenommen wurde, seinen Zweck erfüllt habe: Aufgrund des Hamburger Votums sei es unmöglich geworden, die Infrastruktur, sprich: die Gleise, zu privatisieren. Dass Kurt Beck nicht, wie versprochen, einen Sonderparteitag zur Bahn einberufen hat, kommentiert Sarrazin nicht.

Vielleicht hat er Beck für heute schon genug geärgert.

Von Lutz Kinkel
 
 
KOMMENTARE (10 von 34)
 
Eiven_1 (31.07.2008, 21:10 Uhr)
Pauschale
Einer "Arbeitet" und alle schauen zu!!
christian123 (29.07.2008, 14:44 Uhr)
Niveau
An den Kommentaren sieht man sehr häufig welches geistes Kind einige Leute hier sind. Es ist egal, welche Meinung man vertritt, jedoch sollte man niemanden etwas Schlechtes wünschen, Dummheit unterstellen oder ihn als Parasit zu bezeichenen.
Meiner Meinung nach, hat der Herr Sarazzin Recht! die meisten sind sofort einverstanden, wenn jemand sagt, man müsse die Subventionen und Steuervergünstigungen streichen. Dann kommt aber sofort die Einschränkung: Nicht bei mir!!!
Die Pendlerpauschale ist nichts anderes als eine Subvention - die auch abgeschafft gehört. Dafür sollte der Steuersatz leicht gesenkt werden. Was macht es denn für einen Sinn, wenn der Staat ersteinmal den Bürgern etwas Geld abnimmt und dann abzüglich einer "Verwaltungspauschale" wieder an die gleichen Bürger verteilt?
Aber: Scheinbar kann man hier nur auf Bild-Zeitung Niveau diskutieren.
Nun werden viele sagen, die Steuern werden dazu aber noch erhöht! Stimmt! Wir haben Jahrzehnte über unsere Verhältnisse gelebt und Wohltaten verteilt. Das holt uns jetzt ein. wir können uns viele Dinge eigentlich nicht mehr leisten - tun es aber immer noch. Viel schlimmer, wenn wir weniger Schulden machen, nennen wir es schon sparen!?!
Jaja, ich weiß, gleich kommen sie wieder: erst sollen mal die Politker, die Bonzen usw. sparen, erst dann bin ich dran...
Falsch! Jeder muss was tun und Einschnitte hinnehmen.
Ach ja, ich bin auch jmd, der von der Pendlerpauschale profitiert: 45km Entfernung Wohnung - Arbeitstätte...
McGhosty (29.07.2008, 13:00 Uhr)
Gleiches Recht für alle
Wenn der Berliner Finanzsenator meint er muß auf "unsinnige Subventionen" verzichten, dann schlage ich vor, er wendet das auch bei sich an: Fahrt zur Arbeit Privatsache? Dann hat der Finanzsenator auch selber dafür zu sorgen wie er zur Arbeit kommt. Dienstwagen samt Chauffeur für ihn & alle anderen Politiker abschaffen. Was glaubt ihr wie herrlich der Steuerzahler da sparen sprich weniger Steuern zahlen kann?! Da es auch für den kleinen Mann seine Sache ist für die Rente vorzusorgen werden demnach auch für Herrn Finanzsenator und alle Politiker die Rentenfreiheit abgeschafft: Ab sofort zahlen dann auch die Herren Politiker in die Rentenkasse ein und erhalten auch keine Rente mehr wenn sie mit 45 aus dem Bundestag ausscheiden. Doppelverdiener durch Rente mit 45 und dann Beraterverträgen in Firmen braucht auch keiner. Kostet auch alles nur Steuergelder und warum sollen die eine Rente bekommen wenn sie doch noch arbeiten können?
Da der Herr Finanzsenator so drastisch mit jedem umgehen will, stimmt er mir sicherlich zu, daß er bei sich damit anfangen wird.
Joe67 (29.07.2008, 09:54 Uhr)
Pendlerpauschale deutscher Anachronismus
Die Pendlerpauschale war schon immer ein deutscher Anachronismus. Dieser hat die Zersiedlung gefördert und die Innenstädt veröden lassen. Mag sein, dass der Verzicht auf liebgewonnene Subventionen schmerzt - aber ist das ein Grund hieran festzuhalten? In anderen Ländern wie z.B. der Schweiz gibt es auch keine Pendlerpauschale.
Würde man die Pendlerpauschale ganz abschaffen und dafür die Mehrwertsteuererhöhung zurücknehmen, wären die Bürger deutlich mehr entlastet und die Konkunktur deutlich mehr gefördert.
babylon (30.04.2008, 15:49 Uhr)
Volksparasit
Was bildet sich dieser volksparasit eigentlich ein. Im Dienstwagen auf unsere Kosten chauffieren lassen , Berlin in die Pleite jagen und nun den Mund aufreißen. Wir haben aber selbst schuld , denn wer wählt den so einen Volksparasiten, das Volk!
whismerh2 (30.04.2008, 15:07 Uhr)
Was
fürn überheblicher Oberdepp,
lässt sich auf unserer Kosten von A nach B fahren und wenn der Depp
des maul auf macht komm nur Müll raus.
Ich findes sehr wohl recht Fahrtkosten als Werbekostenn abzusetzten, weil mit meinen zeitlichem und finanziellen Aufwand dieser Nutzlos und andre Faulenzer bezahlt werden können.
Wenn diese ganzen Deppen mal was vernünftiges zu Tage bringen würden uns endlich Steuererleichterungen bringen können, verzicht ich vieleicht da drauf.
Aber schön am Sprit locker ein Euro
abzocken und dann uns die paar cent nicht können.
Was ein Hohlroller und sone Flachzange dürfen wir auch noch finanzieren.
-Dagegen- (30.04.2008, 14:39 Uhr)
Und so ein Komiker...
wird aus Steuergeldern bezahlt. Unerträglich!
utospatz (30.04.2008, 14:17 Uhr)
Und so ein Depp
sozialdemokratisch dabei, schick ihn doch in die Mongolei!
Dort kann er beim Äsen seine eigenen Wähler vergessen! Wo kommt er her, hat die Putzfrau er vergessen? Wenn seine Toilettenkloake verstopft, und es ist keiner, mehr da der seine Rohre reinigt, wird von seinen eigenen Dämpfen er gepeinigt!
So einen sozialpolitischen Deppen braucht die ganze Welt, denn er lebt nun mal, von Steuerzahlers Geld!
JePi (30.04.2008, 13:42 Uhr)
Fahrt zur Arbeit Privatsache
Wenn dem so wäre, wir Herr Sarrazin meint, dann kommt der Steuerzahler in Zukunft auch nicht mehr für den Fahrdienst des Herrn Sarrazin auf und der übermütige Politiker muß dann selber sehen, wie er in sein Büro kommt.
erichmonika (30.04.2008, 12:22 Uhr)
Symbolpolitik
Vielleicht ist das Symbolpolitik wenn die Steuerabzugsfähigkeit bei 1 Mio Euro endet. Aber sie schmälert die Gewinne der Unternehmen, wenn sie die überzogenen Managergehälter nicht mehr als Betriebsausgaben von der Steuer absetzen können. Die Allgemeinheit müsste nicht mehr für diese völlig überzogenen Bezüge gerade stehen und könnte aus den Einnahmen den einen oder anderen Kindergarten finanzieren. Wäre doch auch ganz schön.
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