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1. April 2008, 09:41 Uhr

"Die Kanzlerin war klug"

Sollte Deutschland die Olympischen Spiele in China boykottieren? So weit würde Günter Nooke, CDU, der Menschenrechtsbeauftragte der Regierung, nicht gehen. Im stern.de-Interview kündigt er an, im Mai den Dalai Lama treffen zu wollen.

Menschenrechtsbeauftrager Günter Nooke, CDU© Klaus Franke/DPA

Das olympische Feuer wird derzeit mit einem Sonderflugzeug nach Kasachstan geflogen - es ist die erste Station einer 137.000 Kilometer langen Reise über fünf Kontinente. Doch was als PR-Tour für die Olympischen Spiele in Peking geplant war, entwickelt sich für die chinesische Führung immer mehr zum PR-Desaster. Überall protestieren Menschenrechtsgruppen gegen die Tibet-Politik Chinas.

Sollte Deutschland die Olympischen Spiele in Peking boykottieren? Günter Nooke, CDU, Menschenrechtsbeauftragter der Regierung, setzt eher auf sanftere Methoden. "Ich glaube, dass es schon sehr viel hilft, wenn öffentlich darüber geredet wird", sagt Nooke im stern.de-Interview, "im diplomatischen Gespräch, von Regierung zu Regierung, aber auch in den öffentlichen Stellungnahmen zum Beispiel aller EU Staaten, dass wir damit nicht einverstanden sind, wie jetzt in Tibet die Aufstände niedergeschlagen werden."

Honnecker lässt grüßen

Eine solche Erklärung haben die EU-Außenminister am vergangenen Samstag veröffentlicht - Chinas Führung wies sie jedoch umgehend zurück. Sie bezeichnete die Tibet-Krise als innere Angelegenheit Chinas. "Es ist eins der erschreckenden Erlebnisse in der Menschenrechtspolitik, dass die Argumentationsmuster von Diktaturen und autoritären Regime sich eigentlich gar nicht geändert haben", sagt Nooke dazu. Auch DDR-Chef Erich Honnecker habe die Bundesrepublik immer wieder dazu aufgefordert, sich nicht in die Belange der DDR einzumischen.

Die Entscheidung der Kanzlerin, nicht zu den Eröffnungsfeiern in Peking zu fahren, begrüßte Nooke im stern.de-Interview ausdrücklich. "Frau Merkel war klug genug, dass nie einzuplanen", sagte er. "Nun hat Sie noch mal deutlich gesagt, dass es nicht so sein wird, dass Sie hin fährt." Weil sie in der DDR aufgewuchs, habe sie in solchen Fragen eine höhere Sensibilität als etwa Ex-Kanzler Gerhard Schröder. Nooke: "Frau Merkel weiß wie Diktaturen funktionieren, wie Diktatoren ticken."

Nach Nookes Angaben wird der Dalai Lama im Mai wieder in Deutschland zu Besuch sein. Er werde ihn treffen. Allerdings dürfe die deutsche Regierung nicht nur über die Tibet-Krise reden - sondern über alle Menschenrechtsverletzungen in China.

 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
MamfredBuchholz (04.04.2008, 17:00 Uhr)
komisch...
Vor gut einer Woche hieß es noch in der Bundespressekonferenz, dass ein Besuch von Angela Merkel zu den Olympischen Spielen ohnehin nicht geplant war. Jetzt wird das zum bewusst gesetzten Zeichen umgedeutet. Was kommt als nächstes? A. Merkel sagt Teilnahme am Djungelcamp als Zeichen zum Schutz der Regenwälder ab? A. Merkel hält keine Eröffnungsrede auf dem SPD-Parteitag aus Protest gegen den Linksrutsch? Eine nicht vorgesehene Reise aus Protest abzusagen, ist ein reichlich sinnloses "Zeichen"
H.Heine (01.04.2008, 23:28 Uhr)
Olympia 1936/ 2008
Es wurde in letzter Zeit viel über Olympia, den Spielen 1936 in Berlin und den Spielen in Peking kommenden Sommer diskutiert und parallelen gezogen. Der Vergleich hinkt ein wenig, da nicht mal der schärfste China-Kritiker Gaskammern und Massenexekutionen in Tibet unterstellt bzw. vermutet. Doch haben beide Regime gemeinsames: die Unterdrückung von Minderheiten und eine brutale Niederschlagung bei Aufständen oder Protesten dagegen. Und dass eine Mehrheit von Staaten gegen diese unterdrückerische Politik war, sowohl gegen Nazideutschland als auch gegen China jetzt. Aber ein Olympia Boykott 1936 hätte aller Wahrscheinlichkeit nach weder den 2. Weltkrieg noch den Holocaust verhindert. Es wäre aber trotz allem ein deutliches Zeichen gegen die Führung und eine Solidaritätsbekundung für die Opfer gewesen. Immerhin.
China hat bis jetzt nie ausländische Einmischung in innere Angelegenheiten geduldet. Ein Olympia Boykott würde also weder alle inhaftierten Tibeter befreien noch Tibet die langersehnte Autonomie mit weitreichenden Freiheiten garantieren. Aber ein Boykott würde ein deutliches Zeichen an die Pekinger Führung sein und eine Solidaritätsbekundung an alle Tibeter sein, sowohl in als auch außerhalb Chinas. Immerhin.
ganzbaf (01.04.2008, 19:10 Uhr)
Flagge zeigen...
ist immer Bürgerpflicht.
Egal wie sehr das im Einzelfall wirksam zu sein scheint.
Dirk_37 (01.04.2008, 12:24 Uhr)
Günther der-der Ahnung hat!
Mensch H.Heine, mal im Ernst: hatten die Boykotts/ Reboykotts ´80 und ´84 wirklich das Desaster in Afghanistan verhindert? War nicht eher ein erneutes Wettrüsten die Folge? Und mir sind die leisen, wahren Fachleute im Hintergrund lieber als die lauten Scheinexperten im Rampenlicht (siehe aktueller Anlass LB Affäre). Sport sollte nicht instrumentalisiert werden, in keiner Form. Oder denken Sie, ein Boykott von Berlin hätte den 2. Weltkrieg verhindert??MfG Dirk
H.Heine (01.04.2008, 12:04 Uhr)
Günter Wer?
Endlich, son scheint es, hat die Bundesregierung es geschafft, der chinesichen Führung ihren "Unmut" zu verdeutlichen und den gepeinigten Tibetern zu helfen: Frau Merkel aus Germany bleibt der Eröffnungfeier der olympischen Spiele fern.
Damit wird ganz bestimmt den inhaftierten Tibetanern, verletzten und gefolterten Demonstranten und getöteten Mönchen geholfen.
Merkels Entscheidung, den Eröffnungsfeiern fern zu bleiben mag zwar politisch klug sein, der Sache der Tibeter dienlich ist sie ganz bestimmt nicht. Politischer Druck sieht anders aus. Aber wenn schon der Anschein einer Maßnahme als deutliches Zeichen gewertet wird, warum sollte man dann deutliche Zeichen setzen?
Das Statement von Nooke, mag zwar Partei- oder Kanzlerkonform sein, mehr aber auch nicht. Schon lächerlich, mit was für Aussagen Hinterbänkler wie Nooke es in den Stern schaffen.
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