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Deutsche Bilder für den Krieg

Seit knapp zwei Wochen liefern deutsche Aufklärungs-Tornados Aufnahmen für den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. Verteidigungsministerin von der Leyen war zum Kurzbesuch auf der Airbase in der Türkei. Ein Report.

Von Axel Vornbäumen, Incirlik

Tornado-Einsatz in der Türkei: Ursula von der Leyen in Incirlik

Tornado-Einsatz in der Türkei: Ursula von der Leyen in Incirlik

Es ist laut in Incirlik. Donnernd starten die Kampfjets an diesem Donnerstagmorgen von der Airbase im Südosten der Türkei in den wolkenverhangenen Himmel. Etwa 150 Kilometer sind es von hier bis zur syrischen Grenze. Ein paar Flugminuten nur bis in den Krieg. Seit knapp zwei Wochen ist auch die deutsche Luftwaffe dabei: Sechs Tornados und ein Tankflugzeug sind in voller Einsatzbereitschaft. Es ist der deutsche Beitrag im internationalen Kampf gegen die Terrormiliz IS, auch ein Zeichen der Solidarität nach den verheerenden Anschlägen von Paris im vergangenen November.


Alles nur Symbolik? Und die Bundeswehr nur bedingt einsatzbereit? Oder ist der deutsche Einsatz doch ein ernstzunehmender militärischer Beitrag für die internationale Allianz? Berichte über die mangelnde Nachtsicht-Fähigkeit der Tornados haben in den vergangenen Tagen für Schlagzeilen gesorgt, kaum dass die Jets für ihren Einsatz in die Türkei verlegt waren. Das Verteidigungsministerium musste sie bestätigen, es gehe aber lediglich um die Nachtsicht - nicht um die Nachtflugfähigkeit. Dennoch sollen die Defizite behoben werden.

Tornados der Bundeswehr tagsüber top

"Entscheidend ist, was gebraucht wird", sagt Ursula von der Leyen. Und am Tag seien die Tornados von allererster Güte. Die Verteidigungsministerin ist an diesem Donnerstag für ein paar Stunden zum Truppenbesuch nach Incirlik gereist. Von der Leyen lässt keinen Zweifel zu, dass der Einsatz der deutschen Flugzeuge mehr ist als nur ein Zeichen dafür, "dass wir uns dem Terror nicht beugen werden". Die Ministerin pocht darauf, dass die deutschen Tornados auch eine militärische Bedeutung haben. Über 30 Flüge habe es in den knapp zwei Wochen seit der deutschen Stationierung schon gegeben. "Die Frequenz der Anforderung zeigt auch, dass die Aufklärungsergebnisse von enormer Qualität sind.“

Zweimal täglich, jeweils morgens und nachmittags, verlassen die Aufklärungs-Tornados der deutschen Luftwaffe für zweieinhalb bis vier Stunden die Airbase. Immer paarweise fliegen sie in den syrischen oder irakischen Luftraum, um Aufklärungsbilder zu liefern, die später für Luftschläge gegen Stellungen des sogenannten Islamischen Staates (IS) verwendet werden. "Zu welchem Zweck das verwendet wird, da müssen wir uns keine Illusionen machen. Es ist Krieg", sagt Oberst Michael Krah, der Kommodore des deutschen Einsatzgeschwaders "Counter Daesh". Die Tornados bekommen ihre Aufträge vom Hauptquartier der Allianz in Katar. Sie liefern hochaufgeschlüsselte Aufnahmen von Orten oder Gebäuden, die bombardiert werden sollen - oder nicht.

Mulmiges Gefühl - mehr aber nicht

Krah spricht wegen der Bedrohung insbesondere im syrischen Luftraum vom "mulmigen Gefühl der Piloten" - "mehr aber auch nicht". Die deutschen Aufklärungs-Jets fliegen bisweilen in Höhen, die von den Luftabwehrraketen der Terrormiliz theoretisch erreicht werden können. Ein eigenes leistungsfähiges Radarsystem hat der IS aber nicht. Außerdem gebe es eine sehr gut funktionierende "Rettungskette" im Fall eines Abschusses. Die wird von den Amerikanern gestellt. Auch die Tatsache, dass sich die deutschen Tornados im gleichen Luftraum wie die russischen Kampfjets bewegten, sei letztlich kein Problem. "Wir können sie ja hören", sagt Krah und meint damit, dass man über die russischen Funkfrequenzen ständig informiert sei.

Trotzdem ist die Anspannung, die dieser Kriegseinsatz für die 220 in Incirlik stationierten Soldaten der deutschen Luftwaffe mit sich bringt, in jedem Satz des Kommodores spürbar. Die Belastung ist enorm: Die deutschen Soldaten haben jeweils 12- bis 16-Stundentage, um die Jets in die Luft zu bringen. Zudem leben sie in spartanischen Wohncontainern und verlassen die Airbase aus Sicherheitsgründen nur in Ausnahmefällen und wenn überhaupt dann in Zivil.

Verteidigungsministerin von der Leyen fand bei ihrem Kurzbesuch an diesem Donnerstag zur entsprechenden Überhöhung: "Wir leisten unseren Beitrag, dass der IS sich nicht weiter ausbreiten kann."

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