. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
9. April 2010, 16:12 Uhr

"Deutschland verneigt sich vor ihnen"

Bewegende Trauerfeier in Selsingen: Kanzlerin und Verteidigungsminister haben den drei in Kundus getöteten Soldaten die letzte Ehre erwiesen - und zugleich den Afghanistan-Einsatz verteidigt.

Selsingen, Trauerfeier, Bundeswehr, Merkel, Guttenberg, Soldaten, getötet, Kundus, Taliban

In der St. Lambertikirche in Selsingen schreitet Verteidigungsminister zu Guttenberg an einem der Särge vorbei© Nigel Treblin/Getty Images

Eine Woche nach dem blutigen Karfreitag von Kundus haben Hunderte Soldaten in einer bewegenden Trauerfeier Abschied von ihren drei gefallenen Kameraden genommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte bei der Zeremonie am Freitag in der St. Lambertikirche im niedersächsischen Selsingen, die Fallschirmjäger im Alter von 25, 28 und 35 Jahren seien für ihr Land gestorben. "Ich verneige mich vor ihnen. Deutschland verneigt sich vor ihnen." Die Kanzlerin räumte ein, dass der Afghanistan-Einsatz sich schwieriger gestaltet als ursprünglich erwartet. Gleichzeitig machte sie klar, dass ein vorzeitiger Rückzug kein Thema sei.

Auch Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) sprach den Angehörigen sein tiefes Mitgefühl aus. "Mit ihnen trauern wir, trauert ein Land." Die drei Soldaten hätten "überaus tapfer ihren Dienst in Afghanistan geleistet", sagte er. Sie seien von denjenigen getötet worden, "denen ein Menschenleben nichts, rein gar nichts zählt", sagte Guttenberg mit Blick auf die Erschießung der Soldaten durch radikalislamische Taliban.

Auch Kanzlerin spricht von Krieg

Merkel und Guttenberg plädierten bei der Zeremonie dafür, den Realitäten in Afghanistan ins Auge zu sehen. Viele würden den Einsatz als Krieg bezeichnen, sagte die Kanzlerin. "Und ich verstehe das gut." Guttenberg wurde noch etwas deutlicher. "Was wir am Karfreitag in Kundus erleben mussten, das bezeichnen die meisten verständlicherweise als Krieg - ich auch." Bisher hatte Guttenberg die Bezeichnung Krieg zwar verwendet, aber stets eingeschränkt und darauf verwiesen, dass dies juristisch nicht die korrekte Bewertung sei.

Merkel nahm erstmals an einer Trauerfeier für gefallene Soldaten teil. Sie hatte sich dazu am Donnerstag kurzfristig entschlossen und dafür ihren Osterurlaub abgebrochen. Die Zeremonie fand ganz in der Nähe des Seedorfer Heimatstandorts der gefallenen Soldaten statt. In der Kirche versammelten sich rund 600 Trauergäste zu dem eineinhalbstündigen Gottesdienst. Darunter waren auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker. Die drei Särge waren in schwarz-rot-goldenen Fahnen eingehüllt. Vor Beginn des Gottesdienstes verneigten sich Merkel und Guttenberg im Gebet vor den Särgen. Die Trauerfeier wurde auf Leinwände nach draußen übertragen, da viele Soldaten in der vollbesetzten Kirche keinen Platz fanden.

Der evangelische Militärseelsorger Armin Wenzel wandte sich in seiner Predigt an die Angehörigen, deren grenzenlose Trauer, "wir als Außenstehende nur erahnen können". Im Anschluss an Wenzels Worte legten die Teilnehmer eine Gedenkminute für die Getöteten ein, zeitgleich gedachten auch die Soldaten im Feldlager im afghanischen Kundus ihrer Kameraden. Die drei Seedorfer Fallschirmjäger Niels Bruns, Robert Hartert und Martin Augustiniak waren am Karfreitag bei Gefechten in Afghanistan schwer verwundet worden und an ihren Verletzungen gestorben. Acht weitere Soldaten wurden verletzt, vier von ihnen schwer.

Merkel verteidigt Afghanistan-Einsatz

Merkel und Guttenberg würdigten den mutigen Einsatz der rund 4500 deutschen Soldaten in Afghanistan. Die Kanzlerin verzichtete erneut darauf, ein Abzugsdatum für die deutschen Truppen zu nennen. "Das jetzt zu tun wäre verantwortungslos." Sie betonte aber, dass mit der neuen Afghanistan-Strategie die Übergabe der Verantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte vorbereitet werde. Der militärische Einsatz und der Wiederaufbau des Landes müssten Hand in Hand gehen. "Ohne Sicherheit gibt es keinen Wiederaufbau", sagte Merkel. Das gleiche gelte umgekehrt. Die Bundesregierung stehe "bewusst" hinter dem Einsatz der Soldaten und Polizisten in Afghanistan, betonte die Kanzlerin. Afghanistan dürfe nie wieder von Taliban und Al-Kaida-Terroristen beherrscht werden.

Auch heute wurde die Bundeswehr bei Kundus Ziel eines Anschlags. Bei der Explosion einer Sprengfalle vier Kilometer vom deutschen Feldlager entfernt wurde kein deutscher Soldat verletzt. Seit 2002 sind 39 Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan umgekommen.

DPA/AFP/APN/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
Administrator (09.04.2010, 17:16 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Beiträge.

Wir haben Sie gebeten eine Diskussion zu führen, die sich sachlicher Argumente bedient. Da dies offensichtlich nicht möglich ist, schließen wir die Debatte an dieser Stelle.

Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
traldors (09.04.2010, 17:11 Uhr)
Für diejenigen (...)
die noch der Ansicht sind das deutsche Soldaten etwas verteidigen was sich "konkret lohnt" sei dieser Link gewidmet > http://www.jungewelt.de/2010/03-30/043.php
Prologo (09.04.2010, 17:11 Uhr)
Jetzt stehen sie endlich vor dem Ergebnis ihrer Vertuschungspolitik!

Drei Särge von 39 toten Soldaten. Das ist das Aushängeschild dieser und voriger Regierung. Eine großartige Leistung.

Ich bin ja gespannt, wie lange sich Deutschland diese Stümper noch gefallen lässt. Bekanntlich hat das Land die Regierung, die sie gewählt hat.

Deshalb kann sich hier nur die LINKE aufblasen, denn die haben sich immer schon gegen diesen sinnlosen und aussichtslosen Krieg gestemmt.

39 Tote Soldaten geben ihnen recht!! Weitere Tote werden wohl noch folgen??

NRW Wähler zieht die rote Karte, endlich, damit dieser Wahnsinn beendet wird.

MfG,
T.
ganzbaf (09.04.2010, 16:50 Uhr)
Deutschland DARF sich gar nicht im Krieg befinden...
denn das Grundgesetz kennt nur den Verteidigungs- oder Bündnisfall.

Wenn es da unten jetzt "kiegsähnlich" geworden ist, muß der Einstz sofort abgebrochen werden oder die Verfassungshüter müssen eingreifen. Sprich jemand sollte in Karlsruhe gegen die Regierung klagen.

Außerdem finde ich auch, dass Merkel, Puttenberg und Co, besser nicht so viel von "feige" und "rücksichtslos" salbadern sollten.

Wer Verbündete erschießt und aghanische Zivilisten aus Flugzeugen bombardiert, muß sich zuerst mal an seine eigene schmutzige Nase packen.
pekaef (09.04.2010, 16:40 Uhr)
In stolzer Trauer ...
... so verabschiedeten sich vor etwas über tausend Jahren gerne Angehörige von den Gefallenen.

Damit deren Tod nicht so sinnlos klang, wie er es tatsächlich war.

Mussten wir uns wirklich den Amerikanern in diesem zum Scheitern verurteilten krigerischen Abenteuer anschließen?

Anscheinend lernt wirklich keiner aus der Vergangenheit.
Aquarius_Jedermann (09.04.2010, 16:30 Uhr)
Persönlich tragisch, politisch unverantwortlich!
Persönlich sind die im Krieg umgekommenen Kriegsfreiwilligen tragisch, wie jeder Todesfall. Politisch unverantwortlich ist die damit verbundenen Mythenbildung - Deutschland trauere. So wird einem neuen Militarismus das Wort geredet. Kein Wort darüber, welches Leid die Allianz der Kriegswilligen in den letzten 60 Jahren über die afghanische Bevölkerung gebracht hat.
five78 (09.04.2010, 16:29 Uhr)
@ woris (09.04.2010, 16:19 Uhr)
hätten die Ammis nach 45 auch das Deutsche "Pack" sich allein überlassen sollen ? Dann hätten wir jetzt alle Russisch gesprochen, und die Welt wäre auch nicht besser, manchmal muss man sich einmischen, und es ist auch gut so...

Andere Länder trauern auch um Ihre gefallenen Soldaten, vergesst das nicht, wir sind nicht allein auf diesen Planeten!
denkmal (09.04.2010, 16:29 Uhr)
es ist nicht zu begreifen ...
... wenn die Angehörigen der getöteten Soldaten es zulassen, dass solch eine dumpfe Veranstaltung in deren Namen stattfindet. Niemand begreift die deutschen Politiker, wenn sie behaupten dass auch deutsche Soldaten am Hindukusch unsren und den Weltfrieden "verteidigen" und daher auch dort sterben "müssen", weil niemand begreift, was sie in Afghanistan tun bzw. was sie dort suchen. Es ist eklig, wie in Deutschland schon wieder das Totmachen Anderer und das eigene Krepieren mit "Ehre" verteidigt wird, es keine Mahn- sondern "Ehren"male gibt, "Ehren"wachen und "Ehren"kreuze. Dumpfe Rituale, die vom Misthaufen der deutschen Geschichte geholt und reanimiert werden! Es gilt nach wie vor: Soldaten haben nicht das "Befrieden" und "Demokratisieren" gelernt - sie haben gelernt, andere Menschen umzubringen. Holen wir sie ganz schnell von überall aus der Welt zurück, damit nicht noch mehr tödlicher Wahnsinn getrieben wird!
traldors (09.04.2010, 16:25 Uhr)
@bullerbas
Ja, diese Einwände sind berechtigt.
Überlassen wir es den USA und meinetwegen der GUS den von Ihnen angerichteten Schaden zu bereinigen. Wir sind nicht das "Klo" dieser Weltmächte.
Ich empfehle erst lesen, dann versuchen zu begreifen, bevor hier Leute schamlos als "Friedenschaoten" diffamiert werden.
cologne237 (09.04.2010, 16:23 Uhr)
Schlimm ist...
...wenn ein junger Mensch sein Leben verliert.

Afghanische Soldaten verloren ihr Leben, weil sie ohne Stopp auf einen Kontrollpunkt
zugefahren sind.
Hierzu keinen Kommentar von Frau Merkel und Co.

Die Bundeswehr ist eine Armee und kein Verein von Brunnenbauern.


MEHR ZUM ARTIKEL
Trauerfeier für Bundeswehrsoldaten Die Illusion vom machbaren Krieg

Kanzlerin Merkel reist nach Selsingen, ebenso der Verteidigungsminister. Öffentlich betrauern die drei in Afghanistan gefallene Soldaten. Und vertuschen gleichzeitig, warum sie sterben mussten. mehr...

Bundeswehr-Drama in Kundus Merkel trauert öffentlich um tote Soldaten

Es ist eine Premiere für die Kanzlerin: Angela Merkel will am Freitag an der Trauerfeier für die drei in Afghanistan getöteten Soldaten teilnehmen und unterbricht dafür ihren Spanienurlaub. Besonders Oppositionspolitiker hatten sie zu diesem Schritt gedrängt. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe