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26. August 2007, 12:24 Uhr

Spionageaffäre vor Merkels China-Reise

Die China-Reise von Bundeskanzlerin Merkel wird von einer Spionageaffäre überschattet. Nach einem Magazin-Bericht sind zahlreiche Computer der Bundesregierung mit Spähprogrammen infiziert, die aus China stammen. Kanzlerin Merkel äußerte sich nur indirekt, China reagierte empört auf den Bericht.

Kurz vor Merkels China-Reise berichtet der "Spiegel" über Trojaner-Attacken auf Regierungscomputer© Johannes Eisele/dpa

Die China-Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird von Spionagevorwürfen gegen Peking überschattet. Nach einem Bericht des Magazins "Der Spiegel" sind zahlreiche Computer der Bundesregierung mit sogenannten Trojaner-Spähprogrammen infiziert, die aus China stammen. Neben dem Kanzleramt sollen auch das Wirtschafts- und das Forschungsministerium sowie das Auswärtige Amt betroffen sein. Die Bundesregierung bestätigte, dass Vorkehrungen getroffen wurden, um Angriffe mit Trojanern abzuwehren. Die angeblichen Attacken selbst wollte sie nicht bestätigen.

Spiegel: Regierung ist seit Mai informiert

Der "Spiegel" stützt sich bei seinem Bericht auf das Ergebnis einer Überprüfung von zahlreichen Regierungscomputern durch den Verfassungsschutz und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Die Regierung sei bereits im Mai von den Attacken informiert worden. Seither sei es Experten gelungen, den Abfluss von rund 160 Gigabyte an Daten zu verhindern. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte dazu in Berlin: "Angriffe mit Trojanern sind ein ständiges Problem." Bislang habe es aber keine erkennbaren Schäden gegeben.

Nach "Spiegel"-Informationen dauern die Versuche, solche Spionageprogramme über das Internet in Regierungscomputer einzuschleusen, trotz der Sicherheitsvorkehrungen unverändert an. Der Verfassungsschutz vermutet angeblich Hacker der chinesischen Armee als Urheber. Die Programme sollen als Word-Datei oder Powerpoint- Vortrag getarnt sein. Wird die Anwendung geöffnet, installiert sich das Programm automatisch, ohne dass es der Nutzer merkt. Die gesammelten Informationen werden dann über das Internet zurückgeschickt.

Kanzlerin Merkel äußerte sich zu den Vorwürfen am Sonntag nur indirekt. Im ZDF-Sommerinterview sagte sie: "Ich werde das in der Sache nicht kommentieren. Aber ich will nur sagen: Wir kümmern uns gerade im Verhältnis zu China sehr stark auch um den Schutz des geistigen Eigentums." Die chinesische Botschaft in Berlin bezeichnete den "Spiegel"-Bericht als "verantwortungslose Spekulation ohne jegliche Beweisgrundlage". In Peking war zunächst kein Kommentar zu erhalten.

DPA
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
Nostradamus (26.08.2007, 22:59 Uhr)
Sind wir nicht alle Freunde?
Ws hat das Bundeskanzleramt schon zu verbergen?
Grundsätzlich würde ich die Darstellung, dass keine Daten transportiert wurden in Frage stellen.
Wenn eine Rechner in einem LAN befugt ist Daten via HTTP zu transportieren und man mittels Trojaner ein Programm installiert, das mit einer entsprechenden Heuristik/ Strategie/ Methode nach relevanten Daten sucht und diese dann z.B. via HTTP aus dem LAN heraustransportiert, dann wird selbst ein Intrusion Detection System nicht wirklich warnen.
Für mich ist es unerklärlich mit welch unsicherer Technologie Mitarbeiter des Bundeskanzleramtes auf das WWW zugreifen können.
Sichere Zugänge sehen anders aus.
Grundsätzlich sollte man Geschäftsdaten/ Surfene und eher belanglose e-mail strikt voneinander trennen.
Dies geht nur durch eine physische Trennung der Systeme in verschiedene Sicherheitsbereiche. Ein üblicherweise angewandtes Verfahren.
Wer auch immer das Bundeskanzleramt in Sicherheitsfragen berät scheint seinen Job nicht wirklich ernst zu nehmen.
Firewall und Intrusion Detection Systeme schützen nicht vor erfolgreichen An- und Überggriffen.
Dazu gehört auch ein Team, das sich mit den übertragenen Daten und den aufgezeichneten Protokollen beschäftigt.
Das Einfachste Verfahren ist die physische Trennung der Systeme der Organe unsere Landes vom WWW.
Das bedeutet, dass auf jedem Schreibtisch der Staatsdiener zwei Rechner stehen müssen.
Einer zum recherchieren im Internet und einer für die Verarbeitung der Daten, die für Dritte nicht bestimmt sind.
In dem Fall kann auch die IP Telefonie zu einem gigantischen Problem werden. Wer weiß schon welcher in China hergestellter Router
welche IP Paket in welcher Art und Weise vervielfältigt und mehreren Systemen zustellt.
Die Tatsache, dass Deutschland und Europa über keine eigene Technologie im Bereich des Kommunikationswesens (Telefonie und Netzwerk) herstellt ist eines des größten Sicherheitsrisiken unseres Landes.
Dass der Staat dann außerdem noch Entwicklungen auf diesem Gebiet verhindert und erschwert grenzt daher an extremer Dummheit.
In den USA entwickelt man ein Produkt in der Garage und heisst 20 Jahre später Microsoft und Bill Gates.
In Deutschland stellt man zwei Millionen Anträge, investiert hunderttausende in Genehmigungen und wenn man damit fertig ist, dann meldet man Konkurs an und schläft unter der Brücke, während gleichzeitig die Konkurrenz aus Fernost und Übersee sicher besser in den Netzen unsere Unternehmen und Staatsorgane bewegen kann als die Administratoren der von den Unternehmen für Sicherheitsfragen beauftragten Abteilungen oder Beratungsunternehmen.
Super! Man kann sich auch selbst ins Knie schießen ...
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