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6. März 2008, 17:02 Uhr

Die Kultusminister bessern nach

Die Kultusminister der Länder haben Nachbesserungen beim "Turbo-Abitur, dem Abi nach zwölf Jahren Gymnasium, beschlossen. Sie reagieren damit auf die teils heftige Kritik von Lehrern und Eltern. Die wünschen sich die verkürzte Schulzeit nur für eine Schulform.

Beim "Turbo-Abitur" sollen Schüler den Lehrstoff von 13 Jahren in nur 12 Jahren lernen© Torsten Silz/DDP

Die Kultusminister haben in Berlin leichte Nachbesserungen beim umstrittenen "Turbo-Abitur" nach zwölf Schuljahren beschlossen. Danach soll nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (DPA) zwar grundsätzlich am vereinbarten Unterrichtsvolumen von 265 Wochenstunden ab Klasse fünf bis zur Reifeprüfung festgehalten werden. Diese Wochenstunden werden wie bisher auf die einzelnen Schuljahre hinweg verteilt. Gleichzeitig dürfen aber auf das Gesamtvolumen Übungen, Vertiefungsstunden und Projekte "flexibler" als bisher angerechnet werden - auch über den bisher schon üblichen Rahmen von fünf Stunden hinaus.

260 Wochenstunden müssen im Lehrplan konkret fachgebunden ausgewiesen werden. Zusätzliche Förderangebote und Projekte an Ganztagsschulen werden angerechnet.

Die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur von 13 auf 12 Jahre führt in vielen Bundesländern zu erheblichen Klagen über eine Überlastung der Schüler. Der Vorsitzende des Bundeselternrats, Dieter Dornbusch, sagte im RBB-Inforadio, er halte es für das Sinnvollste, das "Turbo-Abi" nur an Ganztagsschulen einzuführen. Dort könnten die Kinder mittags verpflegt werden und müssten zu Hause keine Aufgaben mehr machen. "Man hat jetzt einen Zustand, dass man einen Reparaturbetrieb braucht, um überhastete Entscheidungen zu reparieren", sagte Dornbusch.

DPA
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
ganzbaf (09.03.2008, 08:49 Uhr)
Jawohl, sehr richtig: Kultusminister entlassen...

Lehrpläne ausmisten und nach skandinavischem Vorbild modernisieren!
Beamtentum für Lehrer streichen!
Viel mehr Didaktik / Pädagogik in der Lehrersuasbildung!
An jede größere Schule einen festen Sozialpädagogen/Sozialarbeiter! (Dafür die Psychologenbetreuung streichen, taugt eh nix ;-))
Mehr Mitbestimmung und Wahlmöglichkeiten für die Schüler!
Mehr Praxiswissensvermittlung! (Z.B. "Ernährung", "Elternwissen", "Konfliktmanagement" oder "Erste Hilfe".)
datatoddle (08.03.2008, 13:31 Uhr)
Vorher mehr nachdenken....
... und nicht blind losreformieren!
Als allererstes hätte man die Lehrpläne ausmisten müssen. Da ist sowieso zu viel Ballast enthalten. Warum nicht weniger Mathematik zugunsten von Deutsch und den Fremdsprachen? Wer später Mathematik beruflich betreibt, der hat den Oberstufenstoff in einem Semester nachgeholt.
Eine echte Schulzeitverkürzung mit einem der wenigeren Zeit angepassten Lehrstoff - Kinder müssen Kinder bleiben können.
NochEinSternleser (06.03.2008, 23:32 Uhr)
Es muss endlich etwas geschehen!
Ich (Vater zweier Töchter, eine davon in G8-Klasse 8 in BW) weiß mir langsam nicht mehr zu helfen. Es ist diesen Damen und Herren Politikern offenbar egal, was aus unseren Kindern wird. Der - wenigstens teilweise - Rückzug aus dem jetzigen G8-Konzept wäre eine Wohltat gewesen. G8-Kinder schuften täglich länger als ihre Eltern. Die Folgen dieser Kinderarbeit sind physische und psychische Erkrankungen, die immer öfter schon stationär behandelt werden müssen. Die Landeskliniken in BW fordern die Einrichtung von mindestens 500 zusätzlichen Plätzen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie! Warum wohl?
Diese Wahrheit wird in keiner Erhebung des statistischen Bundsamtes veröffentlicht.
G8-Kinder werden durch völlig fehlgeleitete, machtversessene Politiker jeder Couleur versklavt und ihren Eltern entfremdet. Anders ist die Ganztagsschule als scheinbare Lösung des Problems nicht zu verstehen. Eine Gesellschaft, welche befürchtet, auszusterben, sollte auch einmal darüber nachdenken, welche Wirkung die Ganztagsschule in dieser Hinsicht hat und wo die Kinder Vorbilder für spätere Elternschaft finden sollen.
Das Ganze ist die Missachtung der Rechte von Kindern und Eltern.
Die Politiker handeln hier gegen die Interessen der betroffenen Kinder. Sie wissen das und handeln trotzdem so. Alle jetzt gelaufenen Diskussionen dienten nur der Rechtfertigung und Vertuschung der eigenen Fehler.
Um es hier noch einmal klar zu sagen und vorzurechnen: 265 Jahreswochenstunden sind 29 Stunden zu viel für 8 Jahre. Das macht im Mittel jede Woche 3,7 Schulstunden netto mehr gegenüber G9. Hinzukommen kleine Pausen dazwischen, große 90-minütige Mittagspausen, Busfahrerei, Nachbereitung dieser Zusatzbelastung. Da kommt ein Arbeitstag zusammen! Es sind nicht die Hausaufgaben, die sie plagen. Und die Kinder lernen auch nicht mit dem Rücken zur Wand. Aber sollen wir sie denn abends um neun noch in den Sportverein schicken oder mit ihnen in Familie machen, obwohl sie schon völlig fertig sind? Der soziale Umgang außerhalb der Schule geht auf Null herunter.
Auch zu beachten ist, dass die mit G8 eingeführten Konzepte zur Unterrichtsgestaltung ("Lernen Lernen" usw.) nicht umgesetzt werden. Dieses hochkomprimierte Lernen erfordert Arbeitsweisen, die auf der noch nicht reformierten Grundschule hätten unterrichtet werden müssen. Und die wiederum ist abhängig von pädagogischen Konzepten für Vorschulkinder, die schon gar nicht eingeführt werden, weil die hoffnungslos unterfinanzierten Kommunen dies nicht mehr leisten können.
Das Pferd wurde von hinten aufgezäumt.
Traurig ist das Ergebnis, welches in Baden-Württemberg nach über 40 Jahren Diskussion und Reformen und Gegenreformen herausgekommen ist, obwohl die hiesige Regierung ja nicht durch ständige Machtwechsel zu einem Zickzackkurs gezwungen wurde.
Meine Forderung:
Einführung von G9 oder wenigstens Reduktion der Jahreswochenstundenzahl als Notmaßnahme.
Dann konzeptioneller Umbau der Gymnasialstufe und Wiedererstellung der Durchlässigkeit des dreigliedrigen Schulsystems für Auf- und Absteiger.
Und Reformierung der gesamten Schul- und Vorschullandschaft.
Vermeidung von Ganztagsschulen. Die Schule darf kein Kinderhort werden, um das Einkommen von Alleinerziehern und Zweitverdienern zu sichern. Es ist das Geburtsrecht – und die verdammte Pflicht – von Eltern, ihre Kinder selbst zu betreuen. Eine Gesellschaft, welche hierfür keine Voraussetzungen schaffen will, ist die Verfassung nicht wert, auf der sie errichtet wurde.
Befreiung des Geistes der Politiker vom zwanghaften Denken, die Schule müsste der Wirtschaft die Fachkräfte ersetzen, welche diese durch Einsparung von Fortbildung und Ausbildung verschlissen hat. Das haben diese Herrschaften gefälligst selbst zu erledigen!
Auch sollte das Drohen mit der Abwanderung von hochqualifizierten Arbeitsplätzen in das Ausland endlich als hilflose Massennötigung entlarvt werden. Denn auch andere Staaten haben zu wenige Fachkräfte. Oder die dortigen Politiker haben ihre Hausaufgaben schon vor Jahren gemacht und wir werden sie mit diesem unseriösen Aktionismus nicht mehr einholen.
Die Medien (auch Stern und Spiegel!) müssen sich endlich auf die Seite des Volkes stellen, statt sich nur dezent über die Frequentierung von politischen Fettnäpfchen zu mokieren.
Die Abgeordneten unserer Parlamente sollen endlich ihre Pflicht tun und nachdenken, statt Gesetze wie eine Hammelherde abzunicken.
Und: Pisa ist eine Stadt in Italien, die einen Besuch wert ist. Punkt.
ganzbaf (06.03.2008, 22:20 Uhr)
Kultusminister entlassen...
und gut ist.
Das deutsche Schulwesen gehört endlich vereinheitlicht, und die Schulen nach skandinavischem Vorbild auf den Stand der Technik gebracht.
Known (06.03.2008, 18:07 Uhr)
12 Jahre Gymnasium?
...Nachbesserungen beim "Turbo-Abitur, dem Abi nach zwölf Jahren Gymnasium, beschlossen...
Also da würde ich auch Nachbessern ;) 12 Jahre Gymnasium würde 16 Jahre Schule bedeuten. Richtig sind natürlich 8 Jahre.
 
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