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Die Selbsthypnose der Sozialdemokraten

Die Umfragen wiesen keinen eindeutigen Duell-Gewinner aus. Aber die SPD feierte, als hätte sie die Wahl bereits gewonnen. Ein Abend unter Genossen.

Von Hans Peter Schütz

  "Er hat das super gemacht": SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel mit Kanzlerkandidat Peer Steinbrueck

"Er hat das super gemacht": SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel mit Kanzlerkandidat Peer Steinbrueck

Kaum jemals hat man einen glücklicheren Sigmar Gabriel gesehen als am späten Sonntagsabend. Als er mit Peer Steinbrück zusammen nach dem TV-Duell im Berliner "Radialsystem" eintraf, wo 200 Sozialdemokraten und Unterstützer des Kanzlerkandidaten dessen Auftritt gemeinsam verfolgt hatten, da rauschte eine Beifallswelle auf, als hätte die SPD soeben die Bundestagswahl bereits gewonnen.

Gabriel adelte den SPD-Kanzlerkandidaten als "coole Sau" und gratulierte ihm als dem "ehrlichen Gewinner" des Abends. Ganz "große Klasse" sei Steinbrück gewesen. "Ich bin froh, dass das so gelaufen ist", strahlte der SPD-Chef. "Er hat das super gemacht." Und er fügte im Gespräch mit stern.de hinzu: "Jeder konnte sehen, dass wir bei dieser Bundestagswahl jetzt wieder eine echte Chance haben." Und ein glücklicher Steinbrück kommentierte seine Gefühle: "Ich in diesem Wahlkampf jetzt noch mehr motiviert."

"Ich danke Edmund Stoiber"

Auch andere führende Genossen waren vergleichbar guter Stimmung. Nach jeder Antwort, die Steinbrück der Kanzlerin im Fernsehen gab, jubelte der Saal auf. Als Steinbrück sagte, er wünsche sich eine Bundesregierung, die nicht im Kreise fahre, ließen die Genossen mit "Bravo, bravo-Rufen" ihren Gefühlen freien Lauf. Sie merkten schon nach wenigen Minuten, dass das Duell in Richtung Steinbrück lief. Was auch immer der Kanzlerkandidat in Richtung Angela Merkel sagte, es ertönten rundum "Sehr gut"-Jubelrufe. Die ehemals führende bayerische Sozialdemokratin Renate Schmidt war besonders begeistert, als Moderator Stefan Raab die Frage nach der Einführung einer PKW-Maut stellte, die Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer nach der Wahl unbedingt einführen will. Als Merkel antwortete "Unter mir wird es keine Pkw-Maut geben", beklatschten die Genossen diese Niederlage der CSU frenetisch. Und Renate Schmidt sagte: "Ich danke Edmund Stoiber, dass er Raab als Moderator vorgeschlagen hat."

Praktisch jeder Satz, den Steinbrück sagte, wurde im "Radialsystem" begeistert gefeiert. Vor allem dass Merkel Worte benutzte wie "Haushalskonsolidierung" fanden die Genossen schön. "Das versteht ja keine Sau", freute sich Klaus-Uwe Benneter, der einmal SPD-Generalsekretär gewesen war. Und Johanno Strasser, der einstige Chefdenker der Jusos, kommentierte den Merkel-Auftritt unter beifälligem Kopfnicken der Nebensitzer: "Man merkt, sie ist es nicht gewohnt, richtig Contra zu kriegen." Und schier explodierte der Saal, als Steinbrück auf die Frage, weshalb er der Kanzlerin den Bruch des Amtseids vorgeworfen hatte, sich mit dem Satz verteidigte: "Sie hat ihren Amtseid wahrzunehmen!"

"Merkels Kosmetikerin von der SPD"

Kein Zweifel, Steinbrück hat der SPD wieder den Glauben zurückgegeben, es doch noch am Wahltag zu einer Mehrheit schaffen zu können. Zumal Angela Merkel auf dem Bildschirm müde und abgespannt wirkte. Renate Schmidts Kommentar gegenüber stern.de war eindeutig: "Die Kosmetikerin, die die Kanzlerin heute Abend hergerichtet hat, muss von der SPD sein."

Als am Ende der TV-Sendung die Bewertungszahlen über den Bildschirm flimmerten, war Benneter mit den Werten unzufrieden: "Das war doch ganz eindeutig. Steinbrück war absolut kompetenter als Merkel, denn er weiß im Gegensatz zu ihr, was er nach dem Wahlsieg will."

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