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Raab for Kanzler

Stefan Raab ist der klare Sieger des Abends. Tatsächlich war der "Wok-WM"-Entertainer das befreiende Ventil für Zuschauer-Emotionen. Eben das, was ein Moderator eigentlich bringen sollte.

Von Sophie Albers Ben Chamo

  Selbst kritisch Gesinnte twitterten: "Das eigentlich Tragische: Raab ist der beste Journalist in der Runde" (@Laprintemps)

Selbst kritisch Gesinnte twitterten: "Das eigentlich Tragische: Raab ist der beste Journalist in der Runde" (@Laprintemps)

Hab meinen Briefwahlzettel jetzt schon siebzig Mal gelesen. WO mach ich denn jetzt mein Kreuzchen für Stefan #Raab???", twittert Letoil am Ende des Kanzlerduells. Das soziale Netzwerk quillt am Sonntagabend über vor Raab-Begeisterung. Der Privatsender-Entertainer hat tatsächlich einen bravourösen Auftritt hingelegt. Mit Coolness, auf Augenhöhe und Emotionalität hat er all die Kritiker Lügen gestraft, die ihn als "Chaos-Faktor" (Maischberger), Metzgergesellen ("Süddeutsche") oder Musikproduzenten ("Tagesspiegel") für unfähig erklären wollten, neben den "gestandenen" TV-Journalisten Maybrit Illner, Peter Kloeppel und Anne Will im Kanzlerduell als Moderator bestehen zu können. Konnte er aber. Er hat sie sogar an die Wand moderiert. Und "King of Kotelett" ist das Wort des Tages.

Anne Will fiel es sichtlich schwer, nicht in Lachen auszubrechen, als Raab sich über Peer Steinbrücks Absage an eine Große Koalition empörte: "Sie sagen 'Ich will nur regieren, wenn ich King of Kotelett bin'?!" Dabei sei die Große Koalition doch die einzige Chance der SPD. "Denken Sie noch mal über meinen Vorschlag nach, Herr Steinbrück. Könnten Sie brauchen." Sagte es und sortierte wieder die Zettel vor sich auf dem Pult. Will strahlte ihn geradezu an.

Natürlich keine Krawatte

Raab hat keine einzige Kritiker-, dafür wirklich alle Sender-Erwartungen erfüllt: Er hat energisch das "Larifari" (Raab) bekämpft, was ihm mehrfach bitterböse, wenn auch erstaunlich mütterliche Blicke von Bundeskanzlerin Angela Merkel eingebracht hat. Es wurde gelacht, es wurde aus dem Konzept gebracht, es wurde laut, es wurde gefühlt. Am Ende hing Raab fast über dem Tisch, denn ihn hat die ganze Veranstaltung offensichtlich als einzigen wirklich mitgenommen. Und das ist wohl, was die Anti-Raab-Fraktion nicht verstanden hat: Die Zeiten der Unberührtheit, der Krawatte, weil Krawatte immer da war, des Respekts aus Gewohnheit sind vorbei. Jedenfalls wenn man Quote machen will.

Natürlich hat Raab sich keine Krawatte umgebunden. Raab kam als Raab: weißes T-Shirt, das notorische hellblaue Hemd mit zwei geöffneten Knöpfen und ein schwarzes Jackett zur - immerhin - schwarzen Hose statt Jeans. Er werde "mannschaftsdienlich und sachdienlich arbeiten", hat Raab vorab im Interview mit der Münchner Zeitung "tz" gesagt. "Sicher auf meine eigene Art, da mir der journalistische Jargon ein wenig fremd ist. Aber die Art und Weise, wie man Themen in Worte fasst, ändert ja nichts am Inhalt."

So ging er gleich als erster auf Merkel los mit der schönen Frage, ob sie denn meinen würde, dass tatsächlich die CDU das Ergebnis wäre, würde sie den Wahl-O-Maten ausfüllen. (Natürlich!) Immer wieder erklärte er in klaren, geraden Sätzen, was der Politiker-Sprech meint, zeigte sich bestens vorbereitet, manchmal ein bisschen zu aggressiv (bei Merkel und der Verschuldung), verteilte seine Forschheit letztlich aber gerecht: besagter "King of Kotelett".

"Schöne Grüße an Horst Seehofer"

Raab bewegte Merkel zu einem klaren Statement gegen Seehofers Maut-Visionen ("Mit mir nicht!"), rief immer mal wieder was dazwischen, und schob die Kiefer wütend übereinander, wenn er ungehört blieb. Er sorgte für eine echte Auseinandersetzung. Auch wenn er meist das Medium blieb (Bekämpfung des Steuerbetrugs, NSA). Er wies Merkel mit Hand in der Hosentasche (auch sprachlich) darauf hin, dass sie darauf achten müsse, nicht so viel mehr zu reden als ihr Kontrahent. Und er zischte Steinbrück an, dass es in der Frage des Rentenalters in der SPD wohl Kommunikationsprobleme gebe. Da vergaß der Herausforderer in der Aufregung sogar den Namen des pieksigen Moderators. Später fällt er Steinbrück aber wieder ein, als er Raab zum Thema Pflegeversicherung erfolgreich in die Schranken argumentiert. Es war nicht das reine Leben, aber immerhin auf dem Weg dorthin.

Die Kritik im Vorfeld habe ihn "eher gleichgültig gelassen", hat Raab gesagt. "Ich habe schließlich noch nie in so einer Sendung versagt - weil ich auch noch nie so eine Sendung gemacht habe." Kann er jetzt gewohnt breit lächelnd abhaken.

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