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Öffentlicher Schlagabtausch der NRW-Spitzenkandidaten

Höhepunkt im NRW-Wahlkampf: Sechs Spitzenkandidaten kreuzen im Fernsehen die Klingen. Für die Piraten ist es eine Premiere. Zwischen den Profis muss ihr Spitzenmann Paul immer wieder passen.

Für die Piratenpartei ist die "Elefantenrunde" vor 930 000 Zuschauern kein glanzvoller Auftritt geworden. Der Schlagabtausch im WDR-Fernsehen gilt als ein Höhepunkt im nordrhein-westfälischen Wahlkampf. Sechs Spitzenkandidaten wollen knapp anderthalb Wochen vor der Landtagswahl ihr Profil schärfen, die Themen reichen von Schulden bis zum Betreuungsgeld. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Spitzenmann der Piratenpartei, Joachim Paul.

Doch der Neue hat neben den Profis einen schweren Stand - und bleibt mehrfach klare Antworten schuldig. Schon am Anfang muss der Medienpädagoge am Mittwochabend passen. "Pendlerpauschale? Das kommt noch, da sind wir noch dran an der Entwicklung." In den 90 Minuten wird klar: Den Neulingen fehlt es bei vielen Themen noch an Substanz, die Meinungsbildung ist nicht abgeschlossen. Immer wieder weist der freundliche 54-Jährige daraufhin, dass Vieles "noch geprüft" und diskutiert werden müsse.

Kopfschütteln erntet Paul beim Publikum in Mönchengladbach, als es um die Finanzen geht. Die Piraten streben ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle an oder auch eine kostenfreie Kinderbetreuung für alle Kinder ab einem Jahr. Als Moderatorin Sabine Scholt nachfragt: "Wer zahlt's?" räumt Paul unumwunden ein: "Das ist 'ne gute Frage." Aber beantworten kann er sie nicht.

Die vier Profis Hannelore Kraft (SPD), Norbert Röttgen (CDU), Sylvia Löhrmann (Grüne) und Christian Lindner (FDP) streiten sachlich, aber ohne Samthandschuhe ums Geld. Ministerpräsidentin Kraft und Schulministerin Löhrmann verteidigen ihre Haushaltspolitik als ausgewogen. Röttgen will nicht so recht Farbe bekennen, wo er den Rotstift ansetzen würde - auf Nachfragen nennt er die Verwaltung. Locker bekennt der Bundesminister, er habe Angst vorm Zahnarzt - um dazu überzuleiten, dass striktes Sparen für einen soliden Haushalt aber nicht wehtue.

Es gebe keine guten Schulden, meint FDP-Hoffnungsträger Lindner und erntet Applaus, als er zu Bescheidenheit bei den Ausgaben mahnt: "Halten wir einfach mal ein paar Jahre die Füße still." Die wenig bekannte NRW-Linken-Chefin Katharina Schwabedissen tritt als Anwältin der Ärmeren auf, fordert eine Millionärssteuer. Das überraschende Bekenntnis des Piraten-Spitzenkandidaten: "Wir sind die Partei mit dem teuersten Wahlprogramm."

Kraft fragt mehrfach nach, was denn werden soll, wenn die Piraten am 13. Mai in den NRW-Landtag einziehen, wenn da etwa ein Haushalt zu verabschieden ist. "Dann müssen wir unsere Programme einem Realitäts-Check unterziehen", sagt Paul. Alle Umfragen sehen die Piraten nach ihren Erfolgen in Berlin und im Saarland auch bei den Wahlen an diesem Sonntag in Schleswig-Holstein und danach in NRW in den Landesparlamenten.

Nach der TV-Runde sagt Kraft, ihr sei unklar, wofür die Neuen stehen. "Da bin ich heute nicht wirklich schlauer geworden." Via Twitter meint manch ein Anhänger, Paul sei "souveräner Gewinner". Dagegen zeigen sich einige im Publikum enttäuscht. Siegfried Grabenkamp meint über Paul: "Der kommt mir vor, als ob er ein Boot entern wollte, aber überhaupt nicht wüsste, wie man es denn fährt."

Wer könnte mit wem in einer neuen Regierung? Da ist den Matadoren wenig zu entlocken. Rot-Grün, Ampel, große Koalition - kategorisch ausgeschlossen wird nichts. Die Piraten wollen erst mal in der Opposition lernen - und fordern: "Das Konzept der Koalition bedarf eines Updates."

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