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Duell? Welches Duell?

Puh, das war harter Stoff: Sowohl Landeschef McAllister als auch Herausforderer Weil wirkten bei ihrem TV-Duell ziemlich steif und brav. Den einzigen Elfer, der sich ergab, verwandelte McAllister.

Von Lutz Kinkel

  Lächeln! Immer Lächeln! Kontrahenten Stephan Weil (SPD) und Ministerpräsident David McAllister (CDU) vor ihrem TV-Duell im NDR

Lächeln! Immer Lächeln! Kontrahenten Stephan Weil (SPD) und Ministerpräsident David McAllister (CDU) vor ihrem TV-Duell im NDR

Eigentlich könnte es den Niedersachsen ziemlich egal sein, wen sie wählen. Denn die Unterschiede zwischen CDU und SPD sind inzwischen so klein, dass sie kaum noch erkennbar sind. Schuldenbremse? Wollen beide. Kita-Ausbau? Wollen beide. Wirtschaft fördern? Wollen beide. Humaner mit Asylanten umgehen? Wollen beide. Selbst bei der Frage eines Mindestlohns sind die Positionen nicht so weit auseinander. Der amtierende Ministerpräsident David McAllister (CDU) wünscht sich eine von den Tarifpartnern festgelegte Lohnuntergrenze. Herausforderer Stephan Weil (SPD) plädiert für einen gesetzlichen Mindestlohn. Einzig in der Bildungspolitik zeigen sich an einem Punkt mehr als Akzente: Weil will die Studiengebühren abschaffen. McAllister nicht.

Tja: Verspricht das eine echte Wahl? Also eine Wahl zwischen klar erkennbaren Alternativen? Eher nicht. Und einen orginellen Vorschlag zur Zukunft des Landes hatte auch keiner der beiden Kontrahenten parat.

Die Rote-Socken-Kampagne

Also verlagert sich die Frage, wer aus diesem TV-Duell am Donnerstagabend als Sieger herausgegangen ist, wie so oft auf die Wirkung der Personen und ihrer rhetorischen Fähigkeiten. Aber auch da ist das Ergebnis ernüchternd. Jurist Weil trifft auf Jurist McAllister, der eine klingt etwas froschig, der andere etwas hoch. Eigentlich wäre zu erwarten gewesen, dass der deutlich jüngere und attraktivere McAllister viel frischer und zupackender als Weil rüberkommt. Aber so war es nicht. Beide wirkten steif und verschanzten sich zu oft hinter auswendig gelernten Programmsentenzen und Slogans. Irgendein Medienberater muss McAllister vor dem Duell zugeflüstert haben: "Du sagst mindestens zehn Mal: 'Unser Niedersachsen'" Das hat er fehlerfrei gemacht. Und Weil, der eigentlich ein eher bedächtiger, moderater Jurist ist, musste vorher vermutlich am Boxsack üben, um das Prinzip Attacke zu verstehen.

Der einzige echte Elfer, der sich im Duell ergab, lag gleich zu Beginn der Sendung auf dem Punkt - und McAllister verwandelte ihn geistesgegenwärtig. Moderator Andreas Cichowicz, der zugleich NDR-Chefredakteur ist, verlas die jüngsten Zahlen aus dem ARD-Deutschlandtrend. Demnach kommt die CDU auf 40, die FDP auf 5, die SPD auf 33 und die Grünen auf 13 Prozent, Linke und Piraten sind nicht drin. Diese Umfrage zeigt, dass es zwischen Rot-Grün und Schwarz-Gelb extrem knapp ist - und so kam die Frage auf, ob die SPD zur Not, wenn es überhaupt ginge, auch mit der Linken koalieren würde. Weil vermied eine klare Positionierung und versuchte sich damit rauszuwinden, dass sich diese Frage nicht stelle. McAllister konterte sofort. "Sie eiern bei dieser Frage 'rum", sagte er. Die Wähler würden eine klare Ansage erwarten. "Das tun Sie nicht, und das ist verräterisch." So ließ sich Weil ohne Not eine Rote-Socken-Kampagne aufs Auge drücken - ein taktischer Fehler, der ziemlich unverständlich ist. Denn er hätte eine Koalition mit einer Partei, die in den Umfragen bei 3 Prozent liegt, auch ebenso entspannt wie hart ausschließen können, es hätte ihn politisch nichts gekostet.

Die Gespenster Steinbrück und Wulff

Besser, weil unfallfrei, überstand Weil die Fragen nach dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. "Ich freue mich über die Unterstützung", sagte er brav und nannte Steinbrück den richtigen Kandidaten. Dass sich Weil im stillen Kämmerlein manchmal das Gesicht grün ärgern dürfte, weil Steinbrück einen Patzer nach dem anderen hinlegt, ist gleichwohl anzunehmen. Aber auch McAllister hat so ein Gespenst, das ihn im Wahlkampf verfolgt: Christian Wulff. Zur Trennung des Ex-Bundespräsidenten von seiner Frau Bettina sagte er: "Das ist eine private Angelegenheit und hat nichts mit Politik zu tun." Über sein aktuelles Verhältnis zu Wulff ließ er nur verlauten: "Momentan haben wir nicht mehr Kontakt". Er habe ihn im April vergangenen Jahres zum letzten Mal gesehen. Bloß raus aus diesen Debatten, nichts Falsches sagen, distanziert und zugleich freundlich klingen, das war die erkennbar die Strategie von Weil und McAllister.

Konnte McAllister im ersten Drittel der Sendung einen Vorteil aufgrund des Rote-Socken-Elfers verbuchen, so fiel er in der restlichen Sendezeit wieder zurück. Ursache war sein etwas arrogant wirkendes Lächeln, das er jedes Mal aufsetzte, wenn Weil ihn kritisierte. Es signalisierte, dass er, als Ministerpräsident, Anwürfe nicht wirklich ernst nehmen müsse. Und selbst wenn das zuweilen seine Berechtigung hatte, weil die Argumente Weils auch schon mal etwas konstruiert daher kamen, so wirkte es doch überheblich. Weil hatte seine Mimik - sofern sich davon sprechen lässt - besser im Griff. Er, der Jogger, zeigte auch die etwas geschmeidigeren Körperbewegungen, McAllister, der Mann aus dem Schützenverein, stand zumeist kerzengerade und wie festgenagelt an seinem Tisch.

Der Megatrend 2013

Kopf an Kopf steht es nach Zahlen - und nach diesem TV-Duell dürfte sich daran nichts ändern. Auch wenn sich die jeweiligen Parteien mühen, ihren Kandidaten zum Sieger hochzujubeln: Es gab keinen. Es drängt sich vielmehr der Gedanke auf, dass McAllister und Weil eigentlich gut zusammenarbeiten könnten. Große Koalition? Damit würden sie den politischen Megatrend des Jahres 2013 setzen.

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