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Schavan plagiiert? #DieSPDwars!

Ein Autor der Tageszeitung "Die Welt" stellt die steile These auf: "Schavan ist ein spätes Opfer des SPD-Bildungswahns." Die Netzgemeinde ist amüsiert.

Von Thomas Schmoll

  SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück vertritt die Partei, die auch daran Schuld sein soll, dass Annette Schavan politisch in Schwierigkeiten geraten ist.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück vertritt die Partei, die auch daran Schuld sein soll, dass Annette Schavan politisch in Schwierigkeiten geraten ist.

  • Thomas Schmoll

Der Vorwurf ist kaum in der Welt, da erklären sich die Sozialdemokraten auch schon für schuldig: "Wir waren es", twitterten sie als Reaktion auf einen Beitrag von Tilmann Krause, ein prominenter und bisweilen umstrittener Literaraturkritiker, Redakteur der "Welt" und Freund steiler Thesen. Der stellte in einem Beitrag für seine Zeitung mutig fest: "Die 68er sind an allem schuld? I wo. Viel bunter trieben es die Sozialdemokraten. Der Fall Schavan erinnert noch einmal an einen Umstand, der dem Vergessen anheimzufallen droht, aber zum Verständnis unserer Gegenwartsnöte unabdingbar ist: Der Ausverkauf von Bildung, der naive Glaube, jeder könne ein Intellektueller sein und der Aufstieg ins Bildungsbürgertum lasse sich in zwei, drei Jahren bewältigen – all diese törichten Illusionen sind auf sozialdemokratischem Mist gewachsen." Überschrift: "Schavan ist ein spätes Opfer des SPD-Bildungswahns".

"Lupenreines sozialdemokratisches Aufstiegsmuster"

Der Autor stellt die Bildungsministerin als armes Hascherl dar, die quasi gezwungen war, an die Düsseldorfer Universität zu gehen. Bonn, Münster, Köln seien renommierte Ausbildungsstätten gewesen, Bochum habe als interessante Reformuniversität gegolten. Die Uni Düsseldorf stand nach Meinung Krauses "nun wirklich für gar nichts – außer für den sozialdemokratischen Traum von der Hochschulreife für alle". Also genau richtig für Klein-Annette, die - "aus einfachen Verhältnissen kommend" - um jeden Preis habe promovieren wollen. Für den "Welt"-Autor zeigt die Ministerin ein "lupenreines sozialdemokratisches Aufstiegsmuster". Ihr Weg ins Kabinett von Angela Merkel lässt Krause gar an der Daseinsberechtigung der CDU zweifeln, "wenn solche Lebensläufe sich jetzt dort finden statt in der SPD, wo sie hingehören".

Natürlich löst das bei vielen Leuten von der linken Seite der politischen Macht den uralten Reflex aus: typisch Springer! Da habe jemand eine kühne Behauptung aufgestellt, um der bedrängten Christdemokratin beizuspringen, sie vor dem Rücktritt zu bewahren. Krause lenkt den Blick weg von dem eigentlichen Kern der Debatte, nämlich ob Schavan weiterhin in herausgehobener Position über das Schicksal von Universitäten und Schulen politisch mitbestimmen darf, obwohl ihr der Doktortitel aberkannt worden ist, weil sie nach Feststellung der Uni Düsseldorf wissenschaftlich betrogen hat.

Schuld am Kennedy-Attentat?

Das Volk - zumindest jenes, das sich im Internet tummelt -, mag aber weder Krauses Postulat noch die ebenso gewagte Erwiderung darauf diskutieren. Es hat mehr Spaß daran, sich über den Artikel des Literaturkritikers lustig zu machen. Jonas Westphal, Sprecher des Forums Netzpolitik der Berliner SPD, twitterte: "Starkes Kraut, was die in der WELT-Redaktion rauchen." Unter dem Hashtag "DieSPDwars" werden der Traditionspartei nun allemöglichen Ereignisse auf diesem Planeten in die Schuhe geschoben. Dazu zählen Anspielungen auf ehemalige SPD-Slogans wie "Meine Villa im Tessin wurde enteignet!" oder harte, persönliche Schicksalsschläge: "Deswegen kann ich mir keinen Dritt-Porsche mehr leisten." Aber auch: "Mein Kamerachip ist weg. Verschwunden. Futsch. Die SPDwars". Sowie: "Spiel der BVB-Amateure abgesagt. Vorgeschobener Grund: Schnee. Wirklicher Grund: DieSPDwars".

Genannt werden unter dem Hashtag zudem Ereginisse, die die Welt bewegten oder hätten bewegen können: "Kennedy Attentat", "Asteoriden, die nur knapp an der Erde vorbeisteuern" und nicht zu vergessen "Das Auseinanderdriften der Kontinente". Natürlich gibt es auch jene, die die Gelegenheit nutzen, der SPD einmal mehr ihre mutmaßlichen oder tatsächlichen Fehlleistungen der vergangenen 150 Jahre reinzuwürgen. "1-Euro-Jobs, Depublizierung dank Rundfunkstaatsvertrag, biometrische Reisepässe", heißt es da. Aber auch: "Aufweichung des EU-Stabilitätspakts, damit zielgerechtes Hineinführen in die EU-Staatsschuldenkrise". Und natürlich immer wieder: "Hartz IV". Aus der Reihe tanzt Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Sein Team versucht die Debatte für platte Eigenwerbung zu nutzen. Der Tweet von "ts" abgesetzt, also nicht von Steinbrück selbst, lautet: "Peer Steinbrück zum Kanzlerkandidaten gewählt für mehr Zusammenhalt der Gesellschaft und die Bändigung der Finanzmärkte #diespdwars!" In Sachen Esprit und Humor, liebe Steinbrücks, habt ihr noch Nachholbedarf.

(Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels ist uns ein Fehler unterlaufen. Ein zunächst Anke Domscheit-Berg, Mitbegründerin des "Government 2.0 Netzwerks Deutschland", zugeordnetes Twitter-Zitat stammt von Jonas Westphal, Sprecher des Forums Netzpolitik der Berliner SPD. Wir bitten um Entschuldigung.)

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