Startseite

Mehr als 650 Anzeigen nach der Silvesternacht in Köln

Nach den Übergriffen der Silvesternacht sind bei der Kölner Polizei inzwischen mehr als 650 Anzeigen eingegangen. Die Koalition ist sich einig: Kriminelle Ausländer sollen künftig schneller ausgewiesen werden. Die Ereignisse im stern-Newsticker.

Hauptbahnhof in Köln am Abend: Nach Silvester rund 1000 angezeigte Straftaten in NRW

Die sexuellen Übergriffe am Hauptbahnhof in Köln an Silvester sind auch international ein heiß diskutiertes Thema

Nach den sexuellen Übergriffen der Silvesternacht in Köln und weiteren deutschen Städten melden sich immer wieder Politiker zu Wort - so will Bundesjustizminister Heiko Maas die Schutzlücken im Sexualstrafrecht schließen, Linke-Politiker Dietmar Bartsch spricht sich gegen Gesetzesverschärfungen aus. Die Bundesregierung will kriminelle Straftäter künftig deutlich schneller ausweisen.

Bei der Kölner Polizei sind inzwischen über 650 Anzeigen zur Silvesternacht eingegangen.

Die aktuellen Ereignisse des Tages im stern-Newsticker:

+++ 15.33 Uhr: Mehr als 650 Anzeigen in Köln +++

Nach den massiven Übergriffen auf Frauen in der Kölner Silvesternacht haben sich weitere Opfer bei der Polizei gemeldet. Mittlerweile seien 653 Anzeigen eingegangen, sagt Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer. Die Staatsanwaltschaft ermittele gegen zwölf Beschuldigte, von denen fünf wegen eines dringenden Tatverdachts in Untersuchungshaft säßen. Den Männern aus Nordafrika werden den Angaben zufolge vor allem Eigentumsdelikte wie Diebstahl zum Vorwurf gemacht, keine Sexualstraftaten. Am Montagabend hatte die Zahl der Anzeigen bei 553 gelegen.

+++ 14.01 Uhr: Fünftes Opfer von rechter Gewalt in Köln meldet sich bei Polizei +++

Nach den Angriffen rechter Schläger auf Ausländer in Köln meldet sich ein weiteres Opfer bei der Polizei. Der Inder habe berichtet, dass er von einer größeren Männergruppe attackiert und im Gesicht verletzt worden sei, sagt Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn am Dienstag. Zuvor hatte die "Kölnische Rundschau" darüber berichtet.

Die Staatsanwaltschaft zählt mittlerweile fünf Attacken, die rechte Gewalttäter am Sonntagabend auf Ausländer verübt haben sollen. Es gab mehrere Verletzte.

+++ 13.51 Uhr: Zentralrat der Muslime warnt vor Generalverdacht +++

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, warnt vor einem Generalverdacht gegen Muslime im Zusammenhang mit den Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht. Die Täter seien alkoholisierte Jugendliche gewesen, die auch aus religiöser Sicht eine große Sünde begangen hätten, sagt Mazyek dem Radiosender NDR Info. "Hier sofort eine ethnische oder religiöse Begründung heranzuziehen, finde ich hochgefährlich."

In Deutschland habe zwar nicht eine grundlegende Änderung stattgefunden. "Aber wir sehen, dass es einen durchaus nicht ungefährlichen, auch rechtsextremen Mob gibt, der sich im Internet und in den sogenannten sozialen Netzwerken breitmacht und jetzt ein Stück weit auch Politik und Medien - also Teile davon - vor sich hintreibt. Das müssen wir unterbinden", sagt Mazyek.

+++ 13.46 Uhr: Kölner Polizei zeigt weiter verstärkt Präsenz  +++

Nach den Angriffen auf Ausländer in Köln zeigt die Polizei in der Innenstadt weiter massiv Präsenz. In der Nacht zum Dienstag kontrollierten die Beamten 154 Menschen, wie die Polizei mitteilte. Mit den Einsätzen will sie die Sicherheit der Altstadt-Besucher gewährleisten.

Bei den nächtlichen Kontrollen wurden zwei Männer afghanischer Herkunft festgenommen, weil sie sich den Angaben zufolge illegal in Deutschland aufhielten. Weitere zwei Menschen nahmen die Beamten zur Durchsetzung eines Platzverweises in Gewahrsam. Zusätzlich fertigten sie sechs Strafanzeigen unter anderem wegen Diebstahls, Betrugs, Beleidigung und Verstoßes gegen das Waffengesetz sowie Widerstands gegen Polizeibeamte.

+++ 13.23 Uhr: Kriminelle Ausländer sollen deutlich schneller ausgewiesen werden +++

Die Bundesregierung will kriminelle Ausländer künftig deutlich schneller ausweisen. Das teilen Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und Justizminister Heiko Maas (SPD) in Berlin mit. Demnach soll ein Straftäter künftig bereits dann ausgewiesen werden, wenn er wegen schwerwiegender Delikte zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde, unabhängig davon, ob die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wurde oder nicht.

+++ 11.09 Uhr: CDU-Abgeordneter fordert Einsatz von Schusswaffen gegen Gewalttäter +++

Nach den Übergriffen der Silvesternacht fordert der niedersächsische CDU-Landtagsabgeordnete Frank Oesterhelweg, dass in Zukunft konsequent gegen Gewalttäter vorgegangen wird: „Diese Verbrecher haben keine Toleranz verdient, sie müssen von der Polizei gestoppt werden - notfalls mit Gewalt und, ja, Sie lesen richtig, auch mit Schusswaffen", schreibt der Fraktions-Vize seiner Partei in einem Anzeigenblatt. "Wenn bedrängte Menschen panisch um Hilfe rufen, dann darf nicht diskutiert, dann muss gehandelt werden - unverzüglich, hart und entschlossen!", so Oesterhelweg weiter.

+++ 8.47 Uhr: Linke-Politiker Bartsch gegen Gesetzesverschärfungen +++

 Der Linke-Politiker Dietmar Bartsch spricht sich gegen Gesetzesverschärfungen nach den Übergriffen in Köln aus. "Köln hätte man nicht mit anderen Gesetzen verhindert", sagte der Vorsitzende der Linken-Bundestagsfraktion im ARD-"Morgenmagazin". Dieser Ruf sei furchtbar und bediene lediglich Stammtische. "Es sind ja Gesetze beschlossen wurden, die teilweise nicht angewandt werden", erklärte er. Einzig beim Sexualstrafrecht wünsche er sich, dass man schnell zu neuen Regelungen komme.

+++ 8.34 Uhr: BKA-Chef: Silvester-Täter haben sich verabredet +++

Der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, geht bei den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln nicht von Organisierter Kriminalität aus. "Das sehen wir nicht", sagt Münch am Dienstag im RBB Inforadio. Vielmehr hätten die Täter an verschiedenen Orten die gleichen Bedingungen gehabt, kommuniziert und sich verabredet. In dieser Woche sollen weiterhin Erkenntnisse aus den Bundesländern zu den Ereignissen in der Silvesternacht gesammelt werden. Aus den Rückmeldungen habe sich ein erstes Bild ergeben. Man habe ein erste Vorstellung davon, woher die Mehrzahl der Täter stamme, erklärte Münch ohne konkrete Angaben. Opfer und Zeugen sprachen von arabischen Tätern, vor allem aus Nordafrika.

+++ 8.28 Uhr: Schwesig kritisiert sexuelle Übergriffe im Alltag +++

Frauenministerin Manuela Schwesig kritisiert, dass sexuelle Übergriffe auf Frauen Alltag seien. "Wir haben mit sexuellen Übergriffen auf Frauen eine Straftat, die kaum zur Anzeige gebracht wird", sagt sie im ARD-"Morgenmagazin". Am Montag hatte Schwesig einem Aufruf von Feministinnen gegen sexualisierte Gewalt nach den Silvester-Angriffen unterzeichnet. "Mir und allen anderen Unterstützern ist es wichtig, deutlich zu machen: Sexuelle Gewalt, Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung kommen jeden Tag vor", erklärte sie. Unter dem Hashtag #ausnahmslos solidarisierten sich am Montag zahlreiche Menschen mit den Initiatorinnen.

+++ 4.09 Uhr: Maas will Schutzlücken im Sexualstrafrecht schließen +++

Bundesjustizminister Heiko Maas kündigt als Konsequenz aus der Silvesternacht in Köln an, die "Schutzlücken" im Sexualstrafrecht zu schließen. "Wir müssen alles tun, womit wir Frauen besser vor sexualisierter Gewalt schützen", sagt Maas der "Rheinischen Post". Der Tatbestand der Vergewaltigung sei so eng beschrieben, dass es Fälle gebe, in denen das Recht "Schutzlücken" offenbare. "Auf die Frage, wie viel Widerstand eine Frau leisten muss, damit es sich um Vergewaltigung handelt, gibt das geltende Recht nicht immer eine klare Antwort", gibt der Minister zu bedenken. Das Sexualstrafrecht solle so "den tatsächlichen Situationen, in denen die meisten Übergriffe stattfinden, gerechter werden". Vergewaltigungen dürften nicht straflos bleiben. "Das sind wir den Opfern schuldig", betont Maas.

+++ 0.10 Uhr: Schwedens Polizei vertuscht sexuelle Übergriffe +++

Nach den von der Kölner Polizei zunächst heruntergespielten sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht hat auch die schwedische Polizei eine Vertuschung von sexuellen Übergriffen durch mutmaßlich ausländische junge Männer eingeräumt. Bei Musikfestivals in Stockholm im August 2014 und 2015 habe es 38 Anzeigen wegen sexueller Übergriffe gegeben, in zwei Fällen wurden Vergewaltigungen zur Anzeige gebracht, gaben die Behörden am Montag bekannt.

"Wir hätten die Informationen veröffentlichen müssen", sagt ein Polizeisprecher. Doch tatsächlich hatte die Polizei nach den Festivals jeweils nur mitgeteilt, es habe "angesichts der vielen Teilnehmer relativ wenige Delikte und Festnahmen gegeben". Wie viele Verdächtige tatsächlich festgenommen wurden, sei nie festgehalten worden. Es ist zu keiner Verurteilung gekommen.

Die Zeitung "Dagens Nyheter" zitiert aus einem Polizeibericht, der Verdacht habe sich gegen eine Gruppe von rund 50 jungen Asylbewerbern aus Afghanistan gerichtet. Wegen der großen Menschendichte seien die Ermittlungen schwierig gewesen.

Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven reagiert erbost auf die Enthüllung. Er empfinde eine "große Wut", dass junge Frauen nicht auf ein Musikfestival gehen können, "ohne belästigt oder angegriffen zu werden". Dass die Polizei die Vorfälle unter den Teppich gekehrt habe, sei "ein Problem der Demokratie für unser Land".

tim/DPA/AFP
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools