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9. Oktober 2009, 18:11 Uhr

"Ich empfinde das als Affront"

Dass Oskar Lafontaine ins Saarland zurückkehren will, findet der dortige Grünen-Chef Hubert Ulrich gar nicht lustig. Er zeigt sich völlig überrascht - und sieht das rot-rot-grüne Projekt gefährdet. Schließlich lockt auch Jamaika.

Hubert Ulrich, 51, ist der Fraktionschef der Grünen im Saarland. Und gerade sehr begehrt. SPD und Linkspartei umschwärmen ihn genauso wie CDU und FDP. Ob es am Ende eine rot-rot-grüne Koalition oder Jamaika gibt, steht noch nicht fest. Der Wirtschaftingenieur ist ein saarländer Urgestein - in Saarlouis geboren, in Saarbrücken studiert und sitzt heute nicht nur im Saarländer Landtag, sondern auch im Stadtrat von Saarlouis.

Freut es Sie oder sind Sie eher geschockt, dass Oskar Lafontaine ankündigt, er wolle ins Saarland zurückkehren?

Ich bin völlig überrascht und sehe das alles andere als positiv. Wir haben wochenlang mit Lafontaine Sondierungsgespräche geführt. Darin war immer klar, er geht nach Berlin. Nun wird ohne die leiseste Andeutung im Vorfeld über die Presse eine solche Meldung verkündet. Das empfinde ich als merkwürdige Vorgehensweise und als Affront gegen eine potentielle rot-rot-grüne Landesregierung...

Warum?

Oskar Lafontaine erweckt durch diese Vorgehensweise für mich den starken Eindruck, dass er als Neben-Ministerpräsident neben Heiko Maas auftreten will. Das kann so nicht gehen.

Wird dieser Schritt Lafontaines die Entscheidung der Grünen beeinflussen, ob sie im Saarland in ein rot-rot-grünes Bündnis einsteigen oder mit CDU und FDP koalieren?

Das ist ein Punkt, über den am Sonntag bei unserem Landesparteitag bestimmt intensiv diskutiert wird.

Denken Sie, dass die Delegierten es ähnlich problematisch sehen wie Sie?

Das sehen wir Sonntag, ich jedenfalls halte es für problematisch.

Das Verhältnis der Grünen zu Lafontaine war ohnehin nicht gut. Schadet er der linken Idee durch sein Vorgehen?

Auf jeden Fall schadet er einem potentiellen rot-rot-grünen Projekt.

Können Sie sich überhaupt vorstellen, mit ihm zusammenzuarbeiten? Es hat zwischen Ihnen keine Harmonie geherrscht.

Oskar Lafontaine hat im Landtagswahlkampf mit aller Gewalt und massiv versucht, die Grünen aus dem Landtag zu drängen. Das war eine Strategie, wie ich sie noch in keinem Wahlkampf erlebt habe. Das war mehr als ein Affront gegen die Grünen und damals schon gegen die Zusammenarbeit. Das hat bei uns viele, viele verärgert.

Tendieren Sie persönlich nun eher zu einer Jamaika-Koalition?

Das werde ich Ihnen heute nicht sagen. Das werde ich am Sonntag auf dem Landesparteitag sagen.

Interview: Martina Fietz
 
 
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