Eurokrise hin, Schwulenehe her: Die CDU kratzt wieder an der 40-Prozent-Marke, und die Kanzlerin sonnt sich im Popularitätshoch. Warum ist Angela Merkel so beliebt? Von Lutz Kinkel

Wirkt harmloser als sie ist: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)© Odd Andersen/AFP
Es ist bemerkenswert. Zwar läuft die deutsche Wirtschaft auf Hochtouren, ein Sonderfall in Europa. Aber: Innenpolitisch nichts als Zank und Chaos, die Energiewende hakt, das Betreuungsgeld ebenso, der Verfassungsschutz, der die Schande der NSU-Morde mitzuverantworten hat, sträubt sich gegen Reformen.
Trotzdem erreicht die Union im aktuellen stern-RTL-Wahltrend die zweite Woche in Folge 39 Prozent. Verbessern sich die Zahlen noch leicht, hat die CDU/CSU eine klare Machtperspektive: Es würde für Schwarz-Grün reichen, vielleicht sogar wieder für Schwarz-Gelb. Angela Merkel bliebe Kanzlerin, bald wäre von der "Ära Merkel" die Rede. Schlägt sie mit ihrem Sitzfleisch im Kanzleramt noch Helmut Kohl? Hat Ursula von der Leyen Recht, die davon sprach, Merkel sei die Kanzlerin ihrer Generation?
Fragt man die Bürger, so deutet vieles darauf hin: Im aktuellen stern-Politikerranking, in dem es um das Vertrauen der Menschen in die Politiker geht, hängt die Kanzlerin alle Konkurrenten ab und klettert auf den höchsten Wert in ihrer zweiten Amtszeit. Während der Großen Koalition hatten die Beliebtheitswerte Merkels mit den Umfrageergebnissen der CDU nichts zu tun. "Das hat sich geändert", sagt Manfred Güllner, Chef des Meinunsforschungsinstitutes Forsa stern.de. "Merkel wird wieder stärker mit der CDU identifiziert." Das Resultat ist ein Aufzugeffekt: Je populärer die Kanzlerin, desto besser liegt auch die CDU im Rennen. Die Preisfrage ist: Warum ist Merkel überhaupt so beliebt?
Zehn Gründe.
Die Bürger vertrauen der Kanzlerin in der Eurokrise
Angela Merkel ist bescheiden und fleißig
Merkel verspricht wenig bis nichts
Die Regierungschefin leistet sich keine persönlichen Skandale
Merkel reagiert auf Volksmeinungen
Der Themenklau bei anderen Parteien funktioniert
Sie hat keine Konkurrenz in der Union
Sie hat keine Konkurrenz in der Opposition
Neben ihr wirken Männer oft biestig und kleinkariert
Mit der Krise ist das Wir-sind-wieder-wer-Gefühl zurückgekehrt