. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
28. Februar 2008, 22:36 Uhr

SPD streitet ohne Beck über Beck

Der Brandbrief von Michael Naumann an SPD-Chef Kurt Beck hat innerhalb der Sozialdemokraten eine heftige Debatte losgetreten. Dreh- und Angelpunkt ist der geplante Umgang mit der Linken. Der angeschlagene Parteichef Beck kann sich aber nicht zur Wehr setzen - ein Virus fesselt ihn ans Bett.

Sieht sich scharfer Kritik ausgesetzt: SPD-Parteivorsitzender Kurt Beck© Sven Kaestner/AP

In der SPD wird mittlerweile mehr oder minder öffentlich über die neue Strategie des Parteivorsitzenden Kurt Beck für den Umgang mit der Linken gestritten. "Ich halte den Parteivorstandsbeschluss für falsch", sagte Johannes Kahrs, Sprecher des Seeheimer Kreises, laut "Bild". "Wir fordern, dass Beck den Parteivorstandsbeschluss hinsichtlich der Zusammenarbeit mit der Linkspartei in den westlichen Ländern kippt."

Unterstützung bekam Beck dagegen aus NRW: "Ich sehe ein Glaubwürdigkeitsproblem bei Kurt Beck nicht", sagte die Vorsitzende der nordrhein-westfälischen SPD, Hannelore Kraft. Beck hatte in der SPD mit Äußerungen über eine mögliche Öffnung der Partei in Hessen gegenüber der Linken ein unterschiedliches Echo ausgelöst.

Naumanns Brandbrief

Am Donnerstag hatte ein Brief mit bitterer Kritik des Hamburger SPD- Spitzenkandidaten Michael Naumann an Beck den Streit angefacht. Nach Informationen von stern.de beschwerte sich Naumann über Becks politische "Geisterfahrt". Dessen Spekulationen kurz vor der Bürgerschaftswahl hätten die SPD mindestens drei Prozentpunkte gekostet und "nicht nur meine eigene Glaubwürdigkeit, sondern auch die der Hamburger SPD aufs Spiel gesetzt".

Am Montag tagt der Parteirat und am Dienstag die Bundestagsfraktion. Auf beiden Sitzungen wird Kurt Beck und seine neue Strategie Thema sein. Nur: Der Vorsitzende selbst wird nicht anwesend sein.

Wegen einer fiebrigen Virus-Grippe und einer eitrigen Mandelentzündung musste Beck vorerst sämtliche Termine abgesagen. Beck hatte sich bereits am Montag nach der Landtagswahl in Hamburg krank gemeldet und die ganze Woche über keine Termine wahrgenommen. In der SPD-Zentrale kam die Krankmeldung aber offenbar erst verspätet an. Noch am Frietagvormittag wurde per Pressemitteilung verkündet, dass Beck anwesend sein wird.

Sinkende Wählergunst

Beim Wähler scheint sich die neue Strategie zudem nicht auszuzahlen: Beck hat im ZDF-Politbarometer an Zustimmung verloren. Auf der Liste der zehn wichtigsten Politiker verliert er an Zuspruch und liegt auf dem vorletzten Platz vor dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU).

Hinsichtlich einer Zusammenarbeit mit der Linken wird Beck Wortbruch vorgeworfen: 43 Prozent aller Befragten halten diesen Vorwurf für berechtigt und 14 Prozent halten ihn für nicht berechtigt. Allerdings trauen sich dabei 43 Prozent kein Urteil zu.

Dass Beck Kanzlerkandidat der SPD werden sollte, meinen jetzt nur noch 27 Prozent aller Befragten, 60 Prozent wollen das nicht. Im November 2007 hatten sich noch 40 Prozent aller Befragten für Beck als Kanzlerkandidaten ausgesprochen und nur 45 Prozent hatten ihn abgelehnt. Auch unter den SPD-Anhängern findet sich inzwischen keine Mehrheit mehr für Beck. Hier sind 37 Prozent für ihn als nächsten Kanzlerkandidaten und 54 Prozent gegen ihn.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) warf der SPD mit Blick auf ihre Öffnung zur Linken Unzuverlässigkeit vor. Die CDU-Vorsitzende sagte bei einer CSU-Wahlkampfveranstaltung in Augsburg: "Sozialdemokraten sind nicht verlässlich." In Berlin warnte Unions- Fraktionschef Volker Kauder (CDU) den SPD-Vorsitzenden: "Wenn Herr Beck Ärger will, bekommt er ihn."

Wowereit für ein Linksbündnis

Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) forderte die hessische SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti auf, eine Koalition mit der Linken abzuwägen. "Diese Prüfung muss stattfinden", sagte er in der ARD-Sendung "hartaberfair". In Wiesbaden bot Koch FDP und Grünen Zugeständnisse an. Grundsätzlich sei auch eine große Koalition denkbar, doch dafür müsse Ypsilanti den Wahlsieg und damit den Führungsanspruch der Union anerkennen. SPD-Landesgeneralsekretär Norbert Schmitt lehnte dies umgehend ab und forderte die FDP zu einer rot-gelb-grünen Koalition ("Ampel") auf. Hessens FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn schloss dies zum wiederholten Male aus.

DPA/AP/msg
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
DasBertl (29.02.2008, 14:53 Uhr)
@sancerre
Wenn ich mich richtig erinnere, ist die Zahl der Arbeitslosen während der Regierung Kohl in einem nie gekannten Ausmaß gestiegen. Das was unter RotGrün dazugekommen ist war im Vergelich ein Tropfen auf den heissen Stein und eigentlich noch der Nachlass von Kohl. Der Fehler der Regierung Schröder war in der erste Legislaturperiode die "Ruhige Hand", was nichts anderes bedeutet, als dass sie erstmal alles gelassen haben wie es war. Daher hat sich an dem damaligen Trend nichts geändert. Die jetzigen Zahlen sind auf die Programme der Regierung Schröder zurückzuführen, die die Wirtschaft bevorteilt (und damit das Wachstum angekurbelt haben) und die HartzIV-Gesetze durchgesetzt haben.
Nein, ich bin kein Freund von HartzIV, im Gegenteil, jedoch hat die Regierung Merkel NICHTS damit zu tun. (Vor allem Regierung Merkel... die ist ja nie zu Hause^^)
universal1909 (29.02.2008, 13:02 Uhr)
Sagenhaft, Ihr Beitrag zu Angela Kasner...
Herr Klaus_Vogt (29.2.2008, 12:24 Uhr)
Jetzt verstehe ich auch, warum Madam Merkel bei der Presse immer so gut abschneidet, ihre Kontakte und Beziehungen zu Friede Springer, die Erbin der Axel-Springer-Gruppe, und Sie kann auf ihre Freundin Liz Mohn zählen, Direktorin der Bertelsmann - Gruppe, Nummer Eins der europäischen Medien.
Liebe Leserinnen und Leser, macht endlich Eure Augen auf und schaltet Euer Gehirn an, kapiert endlich wer hier "Meinung" im wahrsten Sinne des Wortes macht. Aber Kurt Beck ist der CDU/CSU und der FDP einen gewaltigen Schritt voraus. Die nahe Zukunft wird ihn bestätigen.
ganzbaf (29.02.2008, 12:33 Uhr)
Nö, diahel: Links = Klug! ;-)

So wie Rechts für strunzdumm steht.
Na ja, und Kohl und Koch liegen halt irgendwo dazwischen...
.
Die Intelligenten an die Macht!... ;-PP
petermeyer (29.02.2008, 12:29 Uhr)
wer ist schon naumann
der ehemalige schröder-fan? na vielen dank. alles nur blöde spekulation, daß becks äußerung 3% gekostet hätte -dafür gibt es null beleg.
die schröderianer und clement -fans sollten endlich einsehen , ihre zeit ist vorbei -die neoliberalen hatten ihren höhepunkt und jetzt pendelt das ganze richtung links.
Klaus_Vogt (29.02.2008, 12:24 Uhr)
Entnazifizierung versus Ent-SED-fizierung
Informationen gegen eine unnötige Aufregung!
Richtig ist, dass in der Partei „Die Linken“ noch der Eine oder die Andere eine unrühmliche Vergangenheit hat. Aber eben nicht alle. Eher weniger.
Es ist richtig, wenngleich Vergangenheit, dass z. B. Kurt Georg Kiesinger, es als ehemaliges NSDAP-Mitglied schaffte, 1966-1969 Bundeskanzler der BRD zu sein. Viele Mitglieder der nach 1945 gegründeten CDU hatten eine unrühmliche Vergangenheit. Bundespräsident Karl Carstens war Mitglied der NSDAP und der SA. Wir wissen auch hier, nicht alle. Aber leider doch eher mehr.
Und, haben wir die Entnazifizierung überlebt? Ja!
Ist davon die BRD untergegangen? Nein!
Und, werden wir die Ent-SED-fizierung überleben? Ja!
Wird die BRD an der Partei „Die Linken“ zugrunde gehen? Nein!
Es empfiehlt sich also locker zu bleiben und sich auch mal mit der Geschichte von Dr. Angela Dorothea Merkel, geb. Kasner, beschäftigen.
http://www.spatzseite.de/20070211.htm
Zitatanfang:
[...] Angela Kasner durfte im Unterschied zu anderen Pfarrerskindern in der DDR studieren und sogar promovieren. Sie engagiert sich bei der kommunistischen "Freien Deutschen Jugend (FDJ)", "steigt dort bis zur Sekretärin der Abteilung für Agitation und Propaganda auf und wird eine der wichtigsten Experten für politische Kommunikation in der sozialistischen Diktatur." [...]
[...] Ende 1989 wechselt Angela Merkel die Seite und schließt sich, "von einem Tag auf den anderen dem Demokratischen Aufbruch an, einer von den westdeutschen Christdemokraten inspirierten neuen Bewegung. Sie nimmt dort von Anfang an die gleiche Stellung ein wie vorher, nur dass ihr Posten den westdeutschen Begriffen angepasst wird: Sie ist nun ‚Pressesprecherin'". [...]
Zitatende:
PS: Dass Angela Kasner auch einige Semester in Graz, Österreich, studieren konnte, lässt ahnen, dass unsere heutige Bundeskanzlerin besonders linientreu gewesen sein muss.
Damit dürften sich die Berührungsängste aller Bürger und Parteien mit der Partei „Die Linken“ erledigt haben.
Nachtrag: Es ist bekannt, dass große Teile ehemaliger SED-Mitglieder eine neue Heimat bei den so genannten etablierten Parteien Westdeutschlands gefunden hat. Vor allem die „Elite“, jene also, die im Umgang mit Parteistrukturen bestens vertraut waren und/oder sonstige Führungspositionen innehatten. Diese SEDler haben sich nicht mit ihrer politischen Vergangenheit aufgehalten. Dem einfachen Mann auf der Straße blieb aber, mangels Kenntnis von der Handhabung von Organisationsstrukturen und/oder diesbezüglichem Mangel an Bildung oder einer verbliebenen Systemtreue/-trauer, die gleiche Rolle wie zu DDR-Zeiten. Wen wundert es dann, dass diese Menschen sich der Partei „Die Linken“ zuwendeten. Vielleicht können wir auch konstatieren, dass die Mitglieder der früheren WASG auch einer gewissen Systemtreue/-trauer anheim fielen. Denn eines ist unübersehbar geworden, die Zeit der so genannten „Sozialen Marktwirtschaft“ ist vorbei. Sie ist im Sturm der Globalisierung untergegangen. Es gibt nur noch den „Turbokapitalismus“. Und die negativen und zerstörerischen Folgen daraus werden immer deutlicher. Die tödliche Verbindung von Geld, Medien und Macht ist mittlerweile unübersehbar geworden. Der große Crash kommt bestimmt.
diahel (29.02.2008, 11:30 Uhr)
Links = Link
Herr Beck ist nicht nur links, sondern auch link! Solange ihr nicht merkt, dass es ihm und den anderen nur um Machtpolitik geht, und ihr Euch immmer noch drüber streitet, ob CDU oder SPD besser ist, können die da oben Euch noch vor Ihren Karren binden. Viel Spaß beim diskutieren!... aber... mit ein bisschen Menschenkenntnis gibt das Gesicht von Herrn Beck seinen miserablen Charakter preis!
nightmare_online (29.02.2008, 10:57 Uhr)
@sancerre
Ehm ... nur mal so gefragt: Was hat die CDU eigentlich getan (bzw. dazu beigetragen) das Arbeitsplätze seit 2005 entstanden sind? Ich meine die aktuelle Regierung zeichnet sich wirtschaftspolitisch ja nun nicht gerade durch Aktionismus aus. LOL
ganzbaf (29.02.2008, 10:47 Uhr)
1. ...
hat die SPD nicht Stimmen verloren sondern dazugewonnen.
Außerdem hätte sie meiner Einschätzung nach in beiden "Ländern" leicht die absolute Mehrheit erreichen können, wenn sie zuvor klar gesagt hätten, dass sie gerne mit der Linkspartei zusammenarbeitet... ;-PP
powderC (29.02.2008, 09:49 Uhr)
Glaubwürdig?
Wie glaubwürdig ist die SPD, die in Hessen auch wegen der Aussage. "unter keinen Umständen mit den Linken" nach Parlamentssitzen mit der CDU gleichziehen konnte, aber, nachdem diese Aussage revidiert wurde, sich über Stimmenverluste in Hamburg beklagt.
Ist da die Vermutung erlaubt: Hätten Beck und Ypsilanty vor der Wahl gesagt, was nach der Wahl gilt, wäre die CDU als Sieger daraus hervorgegengen! Und es hätte eine Mehrheit, wie in Niedersachsen gegeben! Ich jedenfalls halte das, was in Hessen geschah für eine Manipulation des Wählers. Macht doch Neuwahlen. Aber die müssten SPD und Linke wohl fürchten.
FredericF. (29.02.2008, 09:21 Uhr)
Herr Naumann sollte die Schuld bei sich selbst suchen!
Er war es nämlich, der in HH es nicht geschafft hat, eine Wechselstimmung aufkommen zu lassen, er alleine, und nicht Beck. Naumann kann auf Landesebene noch in politischen Taktiken denken, Beck aber muß eine Strategie entwickeln, das ist ein schon erheblicher Unterschied. Wenn die SPD augenblicklich über ihr Verhältnis zu den Linken nachdenkt, dann heißt das programmatisch letztlich nichts anderes als "back to the roots". Was ist falsch daran, seine Position zu überdenken?
MEHR ZUM ARTIKEL
SPD-Debatte Naumann wütend über Becks "Geisterfahrt"

Der Wahlkampf lief für den Hamburger SPD-Spitzenkandidaten Michael Naumann nicht schlecht - bis zu dem Zeitpunkt, als Parteichef Beck plötzlich über Allianzen mit der Linkspartei spekulierte. Nun hat Naumann einen Brief in die Parteizentrale gefaxt - eine Abrechnung mit Becks "Geisterfahrt". mehr...

Kommentar Kurt Beck, der Bruchpilot der SPD

Kurt Becks Vorschlag, mit der Linken zusammenzuarbeiten, war richtig. Trotzdem stand am Ende des Manövers ein Totalschaden, Naumanns Brief ist nur ein Beleg dafür. So ist die SPD angekommen, wo sie vor acht Monaten stand - mit einem Unterschied: Beck wurde vom Star- zum Bruchpiloten. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe