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Ärger um Popo-Politik

Feminismus ist doof, Sexismus überbewertet. Das findet jedenfalls die Jugendorganisation der Alternative für Deutschland (AfD) - und zeigt auf ihrer Facebook-Seite halbnackte Hintern und Dominas.

  Pobacken für die Politik: So einfach kann Wahlkampf sein.

Pobacken für die Politik: So einfach kann Wahlkampf sein.

Vermutlich haben sie lange überlegt in der JA, wie man denn von sich reden machen könnte. Die JA, das ist die Jugendorganisation der nationalkonservativen Partei "Alternative für Deutschland". Und bis vor wenigen Tagen wussten nur die wenigsten, dass sie überhaupt existiert.

Das hat sich nun geändert. Irgendjemand in der JA hatte nämlich eine Idee, die inzwischen hohe Wellen schlägt. JA zu prallen Frauenpopos, Handschellen und Stringtangas. Ja zum Antifeminismus. Und ein dickes Nein zu dem, was die Organisation für übertriebene political correctness hält. "Gleichberechtigung statt Gleichmacherei" überschreibt sie ein Plakat auf Facebook, auf dem fünf spärlich bekleidete Frauen mit Modelmaßen ihre Pobacken gen Kamera strecken und sich zärtlich um die Hüften fassen. Garniert wird das Motiv mit dem sinnigen Slogan "P(r)o Vielfalt in Europa!" Und sagen soll uns das, so nämlich lautet der Name der Kampagne: "Verstand statt Ideologie". Die Ideologie, das ist relativ klar, soll der Feminismus sein. Wo aber war nochmal der Verstand?

Es ist nicht das einzige Plakat, mit dem die Organisation mächtig die Gemüter erhitzt. Nach teils wütenden Reaktionen auf diesen ersten Streich schiebt sie ein zweites Motiv hinterher: Eine bis zum Hals in Leder gekleidete Domina, die "Kriminalität härter angehen!" propagiert. Der Kommentar der Organisation: "Wir bitten um Entschuldigung für das hohe Maß an Freizügigkeit, das wir mit dem Strandmotiv an den Tag gelegt haben. In Zukunft werden wir darauf achten, dass unsere Motive wieder hochgeschlossene Kleidung tragen."

Natürlich soll auch so etwas wie eine politische Botschaft hinter den Plakaten stecken. Die Gleichberechtigung, meint die Organisation, sei nämlich längst erreicht. Wenn sie weiterginge, so ein Vorstandsmitglied zur "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", laufe man Gefahr, "dass es zu einer Benachteiligung des Mannes kommt."

Ob sexistische Motive die Botschaft transportieren können, wird jedoch selbst von Anhängern der Organisation bezweifelt. "Leute, sonst bin ich ja bei euch und bewundere den Mut, auch unbequeme Meinungen zu vertreten", schreibt eine Facebook-Nutzerin. "Aber hier hat wohl Übermut dafür gesorgt, dass ihr inhaltlich ausgerutscht seid." Die vielsagende Reaktion eines männlichen Nutzer dagegen zeugt davon, dass "Sex sells" auch in der Politik noch lange nicht ausgedient hat. "Scheiß aufs Parteiprogramm... geiler Arsch, meine Stimme hat die AfD".

Ein Po für Kai Diekmann

Die JA ist derweil damit beschäftigt, auf die Reaktionen zu reagieren. "P(r)olitisch voll daneben" fand etwa die nicht eben für feministisches Gedankengut bekannte "BILD"-Zeitung die Kampagne und kürte die Urheber-Organisation zum Verlierer des Tages. Die JA widmete Chefredakteur Kai Diekmann erneut ein properes Hinterteil - und die Sätze: "Fünf junge Frauen von hinten waren der BILD-Redaktion - diesem letzten Hort der Keuschheit - anscheinend zuviel. Daher heute von uns, exklusiv nur für die Redaktion der BILD, nur eine junge Frau von hinten." Auch zum kritischen FAZ-Artikel äußerte sich die Organisation. "Saudi-Arabien lässt grüßen", schreibt sie dazu. "Möglicherweise sollten wir Frauen in Zukunft nur noch in Burkas oder Burkinis abbilden."

car
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