13. Juli 2012, 12:51 Uhr

Mappus' Minister geraten ins Visier der Ermittler

Die EnBW-Affäre weitet sich aus: Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun auch offiziell gegen die früheren Minister Rau und Stächele wegen Untreue. Baden-Württembergs Ex-Premier Mappus ist dennoch guter Dinge.

Landtagswahl, Baden-Württemberg, Mappus, Stefan, CDU, EnBW-Deal, Staatsanwaltschaft, Ermittlungen

Neben dem früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (l.) steht jetzt auch der Ex-Finanzminister Willi Stächele (beide CDU) unter dem Verdacht der Untreue©

Der EnBW-Skandal in Baden-Württemberg zieht größere Kreise. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hegt einen Anfangsverdacht auch gegen den ehemaligen Finanzminister Willi Stächele und den früheren Minister in der Staatskanzlei, Helmut Rau (beide CDU). Die Ermittler vermuten bei beiden Untreue im Zusammenhang mit dem Rückkauf von Aktien des Energieversorgers EnBW 2010 durch das Land. Das Ermittlungsverfahren wurde offiziell aufgenommen, das dafür erforderliche Schreiben der Staatsanwaltschaft ging beim Landtag ein.

Am Mittwoch waren bereits Ermittlungen gegen Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) eingeleitet worden. Er soll Ende 2010 den Rückkauf von 45 Prozent des Energieversorgers für 4,7 Milliarden Euro schlecht vorbereitet haben, so dass das Land zu viel bezahlte.

"Ich war, bin und bleibe überzeugt davon, dass der Preis in Ordnung ist", sagte Mappus der "Bild"-Zeitung. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft könnten "einem auch die Möglichkeit eröffnen, die erhobenen Vorwürfe zu widerlegen". Er sei überzeugt, dass keine Anklage gegen ihn erhoben werde: "Ich gehe fest davon aus, dass sich herausstellen wird, dass die vor allem vom Rechnungshof gehaltenen Vorwürfe weitestgehend haltlos sind und dass wir demzufolge in einer zugegebenermaßen außergewöhnlichen Situation ökonomisch korrekt gehandelt haben."

Kein Beweis für zu hohen Kaufpreis

Stächele hatte mit seiner Unterschrift unter eine Notbewilligung den Ankauf der EnBW-Aktien ohne Beteiligung des Parlaments möglich gemacht. Nachdem der Staatsgerichtshof das Vorgehen als verfassungswidrig verurteilt hatte, trat Stächele 2011 als Landtagspräsident zurück. Seither sitzt er als einfacher Abgeordneter im Landtag. Er bestätigte der "Bild"-Zeitung, dass die Staatsanwaltschaft ihn per Brief über die Eröffnung des Ermittlungsverfahrens informiert hat.

CDU-Landtagsfraktionschef Peter Hauk erklärte die Umstände der EnBW-Verstaatlichung für "singulär". "Das ist nicht der Politikstil, wie ihn die CDU betreibt", sagte Hauk im Deutschlandfunk. Der CDU-Obmann im Untersuchungsausschuss des Landtags, Volker Schebesta, bezweifelte aber vor Sitzungsbeginn, dass der Kaufpreis für die EnBW-Anteile zu hoch gewesen sei. Dafür gebe es keinen Beweis. Auch der Landesrechnungshof habe dazu keine Aussage getroffen.

Unabhängig von der konkreten Abwicklung wird der Rückkauf generell allerdings auch von der Opposition nicht infrage gestellt. "In der Sache war der Rückkauf (...) richtig", sagte der jetzige Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) im ZDF-"Morgenmagazin". Da Mappus das Parlament dabei aber übergangen habe, sei es "ein Freundschaftsdeal (gewesen) und nicht solide Wirtschaftspolitik zum Wohle des Landes".

mlr/DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Umstrittener EnBW-Deal Für Mappus ging der Preis in Ordnung

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreueverdachts, die CDU rückt von ihm ab. Doch Ex-Ministerpräsident Mappus ist sich wegen des EnBW-Aktiendeals keiner Schuld bewusst - im Gegenteil.

EnBW-Deal in Baden-Württemberg Mappus beschädigt Merkel

Bislang hat sie geschwiegen. Nun muss sich die Kanzlerin vom der Untreue verdächtigten Ex-Ministerpräsidenten Mappus distanzieren. Die CDU im Ländle ist ein Jammerhaufen, die Bundestagswahl in Gefahr.

Chronologie Mappus und der EnBW-Deal

Was als Überraschungscoup begann, beschäftigt nun die Staatsanwaltschaft: Den Milliarden-Deal zum Einstieg beim Energieversorger EnBW machte Stefan Mappus im Alleingang. Ein Überblick über die wichtigsten Stationen der Affäre.

Verdacht auf Untreue Staatsanwalt ermittelt gegen Mappus

Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus ist ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Es geht um den Verdacht der Untreue beim Rückkauf des Energierversorgers EnBW.

Rechnungshof rügt Vorgehen von Mappus Presseschau zum EnBW-Deal

Baden-Württembergs Rechnungshof hat den Ex-Ministerpräsidenten Stefan Mappus harsch kritisiert. Beim EnBW-Deal seien Vorschriften grob verletzt und der Unternehmenswert nicht ausreichend geprüft worden. Ein Überblick über die Reaktionen der Presse.

Rückkauf des Energieversorgers Rechnungshof rügt Mappus für EnBW-Deal

Ohrfeige für Ex-Ministerpräsident Mappus: Der baden-württembergische Rechnungshof kritisiert, wie der CDU-Politiker und sein Banker den EnBW-Rückkauf eingefädelt haben. Unklar bleibt, ob der Preis zu hoch war.

EnBW-Affäre um Notheis und Mappus Deutschland-Chef von Morgan Stanley bietet Rücktritt an

Die CDU-Führung will von ihrem früheren Zugpferd nichts mehr wissen. Baden-Württembergs Ex-Regierungschef Stefan Mappus habe sich vom Investmentbanker Notheis beim EnBW-Deal steuern lassen, zetert Landeschef Thomas Strobl. Notheis soll unterdessen seinen Rücktritt angeboten haben.

Mappus als "Marionette"? Politkrimi um EnBW-Deal

Selten hat ein Untersuchungsausschuss so viele peinliche Details ans Licht gefördert: Ex-Ministerpräsident Mappus hat sich beim EnBW-Deal in die Hände seines Freundes Notheis begeben. Die Opposition sieht den Politiker als "Marionette" des Investmentbankers.

Landtagswahl in Baden-Württemberg Mappus auf dem Schleudersitz

Keiner hat sich bei der Atomkraft derart verkämpft wie Stefan Mappus. Und keiner hat so viele Parteifreunde beschimpft. Baden-Württembergs CDU-Ministerpräsident, das "Krokodil", ist ein Unsympath geworden - und droht die Landtagswahl zu verlieren.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2013)
Hoffen oder handeln?