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Worum es bei Stuttgart 21 geht

100.000 Menschen werden heute Abend zur nächsten Demonstration gegen die Umwandlung des Stuttgarter Hauptbahnhofs erwartet. Worum geht es bei "S21"? stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Von David Weyand

Was ist Stuttgart 21?

Damit ist der Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs von einem überirdischen Kopf- zu einem unterirdischen Durchgangsbahnhof gemeint. Die Fertigstellung ist für 2019 geplant. Die bisherigen Gleisanlagen und die Seitenflügel des vom Architekten Paul Bonatz Anfang des 20. Jahrhunderts entworfenen Hauptgebäudes werden dafür abgerissen. Die Anzahl der Gleise wird von 16 auf acht halbiert, dazu müssen im Stadtgebiet fast 60 Kilometer Schienen neu verlegt werden, davon rund die Hälfte in Tunneln. Zum Gesamtprojekt gehört auch der Neubau einer Hochgeschwindigkeitstrecke zwischen Wendlingen und Ulm sowie ein ICE-Bahnhof am Stuttgarter Flughafen.

Wie ist das Projekt entstanden?

Im April 1994 stellte der damalige Bahnchef Heinz Dürr die Idee vor. Die Deutsche Bundesbahn, der Bund, das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart unterzeichneten ein Jahr später eine Rahmenvereinbarung zur Umsetzung des Neubaus, den Zuschlag dafür erhielt das Büro des Düsseldorfer Architekten Christoph Ingenhoven. Die Vorbereitungen für den Umbau begannen bereits im Oktober 2001 mit dem Planfeststellungsverfahren, 2005 genehmigte das Eisenbahn-Bundesamt den Neubau des Bahnhofs. Allerdings geriet die endgültige Entscheidung über das Bauvorhaben vor allem wegen ungeklärter Finanzierungsfragen immer wieder ins Stocken. Trotz erneuter Kostensteigerungen einigten sich die Bahn und die anderen Geldgeber 2009 endgültig auf die Finanzierung.

Was kostet das Bahnprojekt?

In ersten Schätzungen gingen die Planer noch davon aus, dass das Projekt fünf Milliarden Mark, rund 2,5 Milliarden Euro, kosten würde. Doch die Berechnungen ließen sich nicht halten, die Kosten stiegen seitdem regelmäßig. Bei der abschließenden Entscheidung im Dezember 2009 segnete der Bahn-Aufsichtsrat einen weiteren Aufschlag um eine Milliarde ab. Damit kostet das Projekt 4,1 Milliarden Euro. Mit dem Neubau der Zugstrecke von Wendlingen nach Ulm soll das Gesamtprojekt jetzt sieben Milliarden Euro kosten. Kritiker befürchten, dass diese Zahl bis zur Fertigstellung 2019 noch auf zehn bis elf Milliarden Euro ansteigen könnte. Die bisherige Entwicklung von S 21 und Erfahrungen aus anderen Großprojekten deuten daraufhin, dass diese Größenordnung nicht abwegig ist. Zumal ein Gutachten des Bundesumweltamtes vom August 2010 eine Kostenexplosion auf elf Milliarden Euro voraussagt.

Wer sind die Protestler und was genau wollen sie?

Bereits kurz nach Bekanntgabe des Projektes Mitte der 1990er Jahre kritisierten Umweltschützer und Grüne das Projekt. Mehrere Klagen von Gegnern wies das Verwaltungsgericht Baden-Württemberg 2006 zurück. Und obwohl sich ein Jahr später 67.000 Bürger für einen Bürgerentscheid aussprachen, lehnte der zuständige Gemeinderat der Stadt Stuttgart diesen mit großer Mehrheit ab. Diese Entscheidung war nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Stuttgart rechtmäßig. Im Oktober 2009 beteiligten sich vier Menschen an einer ersten Montagsdemonstration gegen den Bahnhofsumbau. Anfang August 2010 demonstrierten schon mehr als 10.000 Gegner, am 13. August bildeten dann sogar 20.000 Menschen eine Kette um den Bahnhof. Massive Kritik am neuen Bahnhof kommt auch von einem der Väter des Projektes: Der Stararchitekt Frei Otto, der 2009 wegen Sicherheitsbedenken aus dem Projekt ausstieg, forderte in einem Interview im stern einen sofortigen Baustopp. Er habe massive Zweifel an der geologischen Eignung des Gebietes, sagte er. Nachdem die Gewalt im Stuttgarter Schlossgarten am Donnerstag eskaliert ist, wird es heute den Höhepunkt der bisherigen Protestwelle geben. 100.000 Demonstranten werden erwartet - für eine regionale Angelegenheit eine geradezu sensationelle Zahl

Welche Baumaßnahmen sind wann geplant?

Nach fast 15 Jahren Vorbereitung begannen die Bauarbeiten im Februar 2010. Bis zur Fertigstellung 2019 sind fünf einzelne Bauphasen vorgesehen. Zunächst sollen die Bahnsteige 120 Meter vorverlegt werden. Bis 2012 sind dafür 61 einzelne Bauschritte nötig. Seit Mitte August 2010 wird der Nordflügel des Hauptgebäudes abgerissen. Diese Arbeiten werden etwa zwei bis drei Monate dauern. Sie sind notwendig, um ab Ende 2010 an dieser Stelle ein unterirdisches, zweistöckiges Technikgebäude zu bauen. Danach dauert es weitere eineinhalb Jahre, bis die Vorbereitungen für den Umbau abgeschlossen sind und der eigentliche Neubau des Stuttgarter Hauptbahnhofes beginnt.

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