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2. Februar 2008, 14:29 Uhr

Koch räumt Fehler ein

Ja, er habe Fehler gemacht, ja, er habe an Rücktritt gedacht: Hessens Ministerpräsident Roland Koch zeigt sich nach dem desaströsen Ergebnis bei den Landtagswahlen selbstkritisch. Regierungschef will er aber bleiben.

Wahlkampfplakat der CDU: "Das Thema hat mir und der CDU geschadet© Uwe Zucchi/DPA

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat Fehler im Wahlkampf eingestanden. "Dass ich Teile der Wähler, die der Union zugeneigt sind, irritiert habe, weil sie glauben konnten, dass ein Thema nur zu Wahlkampfzwecken genutzt wurde, hat mir persönlich geschadet und es hat auch der CDU geschadet", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". In der für ihn und die CDU enttäuschenden Wahlnacht habe er vorübergehend an Rücktritt gedacht. Der Ministerpräsident pocht aber weiterhin den Anspruch seiner Partei, angesichts eines Vorsprungs von 3595 Stimmen zur SPD in Hessen eine Regierung zu bilden und den Ministerpräsidenten zu stellen.

"Habe die Reaktion der SPD falsch eingeschätzt"

Die großen Stimmenverluste für seine Partei bei der hessischen Landtagswahl führt er auch auf eigene Fehler zurück. So habe er die Reaktion der SPD falsch eingeschätzt. "Den Sozialdemokraten ist es gelungen, mit einem Verhetzungsansatz den Eindruck zu erwecken, der Koch redet nur über dieses Thema, weil Wahlkampf ist", sagte der CDU-Politiker. Gleichwohl zeigte sich Koch überzeugt, dass man über die Gewaltbereitschaft ausländischer Jugendlicher sprechen müsse. "Ich persönlich bleibe dabei, dass Volksparteien die Verantwortung haben, alle relevanten Themen zum Gegenstand von Wahlkämpfen zu machen", so Koch.

Mangelnde Unterstützung seines Parteifreundes hat nun der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm beklagt. "Es ist leider Gottes bei der CDU immer wieder festzustellen, dass dann, wenn einer in schweres Fahrwasser gerät, die Hilfe nicht so nahe ist, wie man es sich wünschen könnte", sagte er der "Rheinischen Post". Schönbohm bezeichnete die fehlende Hilfe als "schweren Fehler"; nach dem Weggang von Friedrich Merz sei Koch "für die CDU unverzichtbar".

Der konservative CDU-Politiker kritisierte den offenen Brief von 17 Parteikollegen zur Integrationsdebatte. Wer schreibe, Integrationspolitik sei so fundamental für unser Land, dass sie nicht zum Wahlkampfthema degradiert werden dürfe, habe ein "weltfremdes Demokratieverständnis". Es gehöre zum Wesen der Demokratie, dass die fundamentalen Fragen erörtert würden, "gegebenenfalls auch streitig". Koch habe im Wahlkampf zwar nicht alles richtig gemacht, aber er habe das richtige Thema angesprochen.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 52)
 
Administrator (04.02.2008, 13:45 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Diskussion. Bitte kehren Sie zum Thema zurück und beenden Sie Ihre privaten Konflikte an dieser Stelle.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
ganzbaf (04.02.2008, 00:34 Uhr)
Vor allem...
WOLLTE Deutschland und die deutsche Industrie seinerzeit GERADE möglichst billige Hilfsarbeiter OHNE Qualifikationen ins Land holen.
Weil die eben am Allerbilligsten und Anspruchslosesten waren.
.
Das ist das Eine. Der andere Leichtsinn lag darin, deren Nachkommen nicht hinreichend ausgebildet zu haben. Die Industrie schreit jetzt lieber nach Top-Qualifizierten aus Sonsterwo... )-:
manesse (03.02.2008, 20:59 Uhr)
@aeternitas
Es ist verwunderlich, warum Deutschland die Migration viel weniger steuert als andere Länder, die darauf Wert legen, dass vor allem gut ausgebildete und geldkräftige Zuwanderer ins Land kommen. Mit ausländischen Kindern aus gebildeten Schichten wird man kaum Schwierigkeiten haben. Hierzulande hingegen werden allzu häufig Leute ins Land gelassen, die dem Prekariat fremder Nationen entstammen. Alle Bemühungen um Bildung und Ausbildung des Nachwuchses solcher Leute sind wenig erfolgversprechend, da Bildung und Fleiß bspw. in vom Machismo geprägten Familienverhältnissen nichts zählen und als "unmännlich" gelten. Integrationsverweigerer lassen sich nun einmal nicht bilden; deren kriminelle Karrieren sind selbstverschuldet und im öffentlichen Raum zu besichtigen. Eine staatliche Förderung solcher Jungmänner ist weder von ihnen selbst, noch von ihren Familien gewünscht. Und mit Blick auf die Frauen aus derlei Prekariatsverhältnissen, möchte ich daran erinnern, welches Geschrei es gegeben hat, als die deutsche Regierung von türkischen Bräuten verlangte, einen deutschen Mini-Wortschatz sich anzueignen, bevor sie sich in der Bundesrepublik dauerhaft niederlassen wollten. Selbst solche Minimal-Standards werden als Zumutung angesehen.
aeternitas (03.02.2008, 18:56 Uhr)
Fast alle Intensivtäter
haben keinen oder nur einen niedrigen Schulabschluß. Was sagt ihr dazu? Nicht die Herkunft macht die Gewalttäter, es macht die Perspektivlosigkeit. Wenn du schon als Kind weißt, dass du nie was erreichen kannst, dass dein Weg mit Hartz 4 vorgezeichnet ist, wofür lohnt es sich dann anständig zu leben? Alles was diesen Jugendlichen fehlt ist nicht ein härterer Strafvollzug, sondern eine ehrliche Perspektive, sei es eine Ausbildung, eine Arbeit oder ein Zugang zu höherer Bildung. Diese Perspektive gibt es aber in Deutschland nicht mehr. Wen wundert es da, dass immer mehr Jugendliche kriminell werden? Sie können auf "normalem" Weg nichts mehr erreichen, also suchen sie sich andere Vorbilder (Gängster-Räpper und Konsorten) die ihnen andere Werte vorleben. Und da unter den Hauptschülern überproportional viele Ausländer sind, sind auch viele Ausländer unter den Intensivstraftätern. Es gibt wenige Hauptschulen, wo mehr als 20% pro Klasse nach Schulabschluss eine Ausbildungsstelle bekommen, einige sogar mit 0% (da gibt es eine schöne Doku darüber, wie ein Schulleiter seine Kinder nur noch auf Hartz 4 vorbereitet, weil es keine andere Perspektive mehr gibt). Gespart wird an allen Ecken und Enden, es werden keine anständigen Sprachkurse angeboten, bei den Sozialarbeitern wird gespart, bei den öffentlichen Einrichtungen (Büchereien etc.). Wen wundert da noch, dass die Kinder kriminell werden?
manesse (03.02.2008, 16:22 Uhr)
@bruschetta
Dass die Linke ein Gewaltproblem hat, weiß man in Deutschland seit Jahrzehnten. Die zur Zeit zu beobachtende Verharmlosung von Gewalt im öffentlichen Raum ist nur ein Beispiel dafür. In den 70-er-Jahren galt es bei den Linken in der Bundesrepublik als schick, Sympathisant der Baader-Meinhoff-Bande zu sein; in den 80-er-Jahren hatten etliche Teile der Grünen nichts gegen Gewalt gegen Sachen einzuwenden, usw. usw. Jetzt wiederum erfahren auf den Straßen prügelnde Jungmänner Schutz von der linken Seite unserer Gesellschaft, insbesondere wenn die Prügler ausländischer Herkunft sind.
manesse (03.02.2008, 15:47 Uhr)
Es ist übrigens interessant,
dass die linken Parteien während des Wahlkampfes noch sagten, dass Koch mit seiner Kampagne über kriminelle Jungmänner im öffentlichen Raum ein wichtiges Thema anspreche, nur leider auf falsche Weise. Und dieses Thema müsse - so im Wahlkampf noch die Ypsilantis und co. - auf der Tagesordnung bleiben. Seit die Wahl vorbei ist, haben diese Parteien das Thema aber bereits ad acta gelegt. Kein Wunder, denn das Thema ist ihnen einfach unangenehm, weil sie ihrer eigenen Wähler-Klientel die Leviten lesen müßten aufgrund einer verharmlosenden Einschätzung jungmännlicher Gewalttäter. Im übrigen kann ich als ein Opfer solcher Verbrecher nur warnen. Die Leute, die bspw. in den hier zu lesenden Kommentaren sich vor kriminelle Jungmänner stellen, würden anders reden, wenn sie selbst einmal deren Opfer geworden wären.
ganzbaf (03.02.2008, 15:00 Uhr)
Das wäre aber...
um zwei Ecken gedacht, Diaula. Damit sind Konservennaive allerdings heillos überfordert...
;-P
Livia008 (03.02.2008, 14:57 Uhr)
@Alex64
...Giftmorde weiblich? In der Gegenwart ist das richtig (Mädchen wird von klein auf beigebracht, dass Agressivität unweiblich ist) - im Mittelalter aber waren Giftmorde eine Männerdomäne! ;-))
Aber jetzt mal ernster: ich finde es völlig überflüssig darüber zu diskutieren wie viel Prozentanteil der Straftäter einen Migrationshintergrund haben oder nicht. Fakt ist, wir haben eine erstaunliche (und konstante) Zahl von Gewalttaten, die es ungemütlich machen (um es gelinde auszudrücken) in dunklen Großstadtstraßen allein unterwegs zu sein. Um diese Gewalttaten zu beseitigen bedarf es zwar schon eines Rechts- und Strafsystems. Aber es bedarf vor allem auch, dass von jung an Menschen als Menschen gefördert werden. Man darf Kinder und Jugendliche aus schwierigen Familien (und schwierigen sozialen Umfeldern) nicht auf der Straße groß werden lassen. Man darf keine Stellen und Zuschüsse streichen für Jugendtreffs und Betreuungsinstitutionen. Man darf Kinder u. Jugendliche nicht ohne Zukunftsperspektive (Schulbildung, Lehrstellen) lassen. Kurz gesagt: wenn man etwas haben will muss man auch etwas investieren!
Diaula (03.02.2008, 14:54 Uhr)
Noch ne Antwort, Alex64
Wenn Sie feststellen, dass 90% aller Giftmorde durch Frauen verübt werden, ist dies gewiss nicht sexistisch.
Wenn Sie aber dass Maul aufreissen, und NUR über diese Giftmorde wettern, Spezialgesetze NUR dagegen machen wollen, und alle anderen Morde einfach nicht zur Kenntnis nehmen, DANN ist das schon sexistisch
Alex64 (03.02.2008, 14:36 Uhr)
Noch ne Frage
Ich glaub zwar nicht unbedingt an Statistiken - aber nach ihrer hyperkorrkten Art bin ich doch sexistisch, wenn ich sage, dass 90% aller Giftmorde durch Frauen verübt werden, oder?
Ist aber nunmal leider so ...
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