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2. Februar 2009, 08:33 Uhr

Struck setzt Merkel unter Druck

Am Scheitern des Umweltgesetzbuches hat sich ein heftiger Streit innerhalb der Großen Koalition entzündet. SPD-Fraktionschef Peter Struck wirft Bundeskanzlerin Angela Merkel Führungsschwäche vor. Sein Vize sieht die Kanzlerin gar am Ende. Kein Thema sei ihr richtig wichtig.

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Teilte heftig gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel aus: SPD-Fraktionschef Peter Struck© Hannibal Hanschke/Reuters

Das Klima in der Großen Koalition hat sich nach dem Scheitern des Umweltgesetzbuches deutlich abgekühlt. SPD und Union machen sich gegenseitig für den Flop verantwortlich. Das seit Jahrzehnten verfolgte Projekt sei "an dumpfem Reformunwillen und blinder Blockadepolitik der Union gescheitert", sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU) warf Gabriel Sturheit vor. "Wir wollen gemeinsame Umweltstandards, aber keine Monster-Bürokratie. Der Bundesumweltminister ist an seinem eigenen Übereifer gescheitert."

Gabriel hatte das Gesetzgebungsverfahren am Sonntag gestoppt, weil Bayern als einziges Bundesland die Pläne weiter ablehnt. SPD-Fraktionschef Peter Struck kritisierte daraufhin Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) und Kanzlerin Angela Merkel (CDU): "Ganz offenbar hat sich Herr Seehofer gegenüber Frau Merkel durchgesetzt."

Auf die Frage, ob die Kanzlerin ein Machtwort sprechen müsse, antwortete Struck: "Das erwarte ich schon." Der SPD-Politiker betonte: "Es gibt keine rationalen Gründe, gegen dieses Umweltgesetzbuch zu sein." SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber sieht das "System Merkel am Ende". Der Kanzlerin sei "kein Thema richtig wichtig, alles ist strategisch, und am Ende kämpft sie nicht", sagte Kelber dem "Tagesspiegel".

Mit dem Umweltgesetzbuch sollte ein bundeseinheitliches Wasser- und Naturschutzrecht eingeführt werden. Bisher konnte der Bund hier nur Rahmenvorschriften erlassen. Die Einzelheiten regeln die Länder. Statt 16 unterschiedlicher Landesregelungen sollten die Wasser- und Naturschutzvorschriften bundeseinheitlich geregelt werden.

Der Bundesumweltminister will die Änderungen im Wasser- und Naturschutzrecht nun per Einzelgesetz durchsetzen. Das kündigte Gabriel am Montag im Bayerischen Rundfunk an. Er werde die entsprechenden Neuregelungen als Einzelgesetze einbringen, damit man wenigstens die geforderten Umweltgesetze verabschieden könne, sagte Gabriel. Für kleinere und mittelständische Unternehmen könne man aber wegen der Weigerung der Union in dieser Wahlperiode nichts mehr tun.

Rückschritt beim Umweltschutz in Deutschland

Umweltverbände befürchten einen Rückschritt beim Umwelt- und Naturschutz in Deutschland. Mittel- und langfristig drohe "die Erosion bereits erreichter Standards", kritisierte Cornelia Nicklas von der Deutschen Umwelthilfe. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnte vor einem Wettlauf der Länder bei der Senkung von Umweltstandards. Spätestens ab 2010 ermögliche die Föderalismusreform den Ländern, von bundeseinheitlichen Regeln im Wasser- und Naturschutzrecht abzuweichen.

Hauptstreitpunkt war die Genehmigung von Industrieanlagen aus einer Hand. Diese "Integrierte Vorhabengenehmigung" lehnt die Union und insbesondere die CSU ab. Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner rief Gabriel auf, einen letzten Versuch einer Einigung zu starten. "Bei so einem zentralen Vorhaben, muss man bis zuletzt die Tür offen halten", forderte sie am Sonntag in Stuttgart. Baden-Württemberg hatte beim Umweltgesetzbuch die Federführung der Länderarbeitsgruppe.

Die Deutsche Umwelthilfe sieht das Scheitern der Pläne als Beleg für die partielle Regierungsunfähigkeit der Großen Koalition. Die Regierung von Merkel scheitere regelmäßig an den fundamentalen Widersprüchen der sie tragenden Parteien, wenn es um die Zukunft Deutschlands gehe, sagte der Bundesgeschäftsführer Rainer Baak. "Die Problemlösungskompetenz der Großen Koalition reicht immer nur bis zur nächsten Straßenecke."

Niedersachsen springt Bayern zur Seite

Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) begrüßte das Scheitern der Verhandlungen. Der zuletzt diskutierte Entwurf für ein solches Gesetz hätte nicht die erklärten Ziele erreicht, weniger Bürokratie und vereinfachte Verfahren im Umweltrecht zu schaffen, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Es drohte ein fauler Kompromiss." Sander zeigte Verständnis für die ablehnende Haltung Bayerns: "Es ist gut, dass mal jemand Klartext redet."

Die Linksfraktion im Bundestag sprach ebenfalls von einem "Startschuss für einen Wettbewerb um die niedrigsten Umweltstandards der Länder". Ihr naturpolitischer Sprecher Lutz Heilmann erklärte zudem, Umweltminister Gabriel hinterlasse einen "umweltpolitischen Scherbenhaufen".

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
Dirk_37 (04.02.2009, 12:57 Uhr)
@Bienban
Ihre hochqualifizierten Beiträge in allen Ehren, die muß man nicht kommentieren:-)
Aber: haben Sie sich mal die Mühe gemacht sich zu informieren, bevor Sie solche Geschütze auffahren? Einfach mal das von SternUser oder Pijey lesen, die ollen Zellen in der Birne anwerfen und Zusammenhänge herstellen, wenns trotz politischer Verblendung noch möglich ist!
...
Ich habe anfangs, trotzdem ich konservativer Wähler bin, alles der CSU in die Schuhe geschoben. Nachdem ich aber mehr Info´s zum eigentlichen UGB bekommen habe muß man sagen: ein bürokratischer Seelenverkäufer! Grundidee Vereinheitlichung ist prinzipiell richtig, aber es wurden typischerweise (für Gabriel sowieso, für die große Koalition im speziellen) deftige handwerkliche Fehler gemacht. Mittlerweile denke ich, das sowohl Gabriel als auch Seehofer das Thema zum Wahlkampf prostituierten. Beide wollen dem jeweiligen Lager Härte sowie das Versagen des Gegners demonstrieren. Föderalsimusreform ade, die Chance haben alle vertan!
MfG Dirk
Bienban (02.02.2009, 14:25 Uhr)
Getroffene Hunde Bellen!
An Stern-User: Ja, wenn man Äpfel mit Birnen vergleicht...Sie vergaßen allerdings zu erwähnen, dass Ihre Atom-Kanzlerin für die Sauerei im "Versuchs-Atom-Endlager" Asse als "Umwelt-Ministerin" in der Ära Kohl verantwortlich zeichnete. Ja, Kanzler Schröder, der hatte noch Rückgrat! Diese Sauerei war mit ihm nicht denkbar, die SPD ist kein Atom-Lobbyist! Vielleicht unterstellen Sie Schröder auch noch, dass er Kinder-Schänder ist, würde mich in dieser von der Springer-Presse gezeichneten Gesellschaft auch nicht mehr wundern.
Pijey (02.02.2009, 12:59 Uhr)
@bieban
na da sind sie aber auf dem politischen Auge blind und sehen rein garnichts mehr. Alleine schon die Aussage des fetten Bayer, die sich auf Kosten anderer Bundesländer bereichert haben.
Nun zunächst einmal sollten sie sich diesen Entwurf von Gabriel durchlesen. Ein bürokratisches Monster hoch drei. Der Zeitpunkt für diesen Crash ist schon kalkuliert gewählt von Gabriel. Hier stecken wahlkampftktische Gründe dahinter. Für eigenes Unvermögen dann andere Parteien/Politiker verantwortlich zu machen kennen wir ja bereits zur Genüge aus der SPD (Ypsilanti, Nahles etc.)
Als zweites sollten sie vielleicht einmal ein Auge auf die sogenannten Länderausgleichszahlungen werfen. Dort werden sie in dicken fetten Zahlen finden welches Bundesland die höchsten Geldbeträge dort einzahlt. Auffällig ist da nur das hier CDU / CDU FDP geführte Bundesländer die höchsten Beträge an andere Bundesländer, SDP, SPD GRÜNE und SPD GRÜNE LINKE, geführten Bundesländer überweisen. Nun bleibt die Frage wer vernünftig wirtschaften kann, oder wer vernünftige Politik betreibt und nicht politik auf kosten Anderer.
Wenn sie beides einmal ein wenig studiert haben werden sie feststellen das ihr kompletter Beitrag zu diesem Thema absoluter Unfug ist.
Wie sagt der Pinguin von Linux? Wenn man keiiine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten.
In diesem Sinne.
Hochachtungsvoll.
susiwolf (02.02.2009, 12:09 Uhr)
Der kleine Unterschied ...
In Deutschland trägt man saubere T-shirts.
In Finnland geht man in die Sauna.
Wer ist sauberer ?
Sauber, diese Lobby - sauber diese Koalition, sauber dieses politische Hickhack. Das ist also Demokratie in Deutschland, dem Land mit schönen Landschaften ...
Wir leben im HEUTE, im JETZT ...
-in dulci jubilo-
stern-user (02.02.2009, 11:16 Uhr)
@Bienban
Das meinen Sie nicht im Ernst! Ich bin bestimmt kein Unionswähler, aber das der CDU in die Schuhe zu schieben ist grotesk. Lesen Sie sich mal den Entwurf dieses Bürokratiemonsters erst einmal durch. Darüber hinaus: Der größte Eingriff in die Natur in Europa hat ihr Kanzler Schröder durch sein Ostseepipeline Projekt zu verantworten. Und die Grünen haben dieses Schmierentheater auch noch mitgemacht. Die schwer verdienten Bestechungsgelder aus Moskau sind jetzt alle gut gebunkert.
Clemens1964 (02.02.2009, 11:03 Uhr)
wen interessieren
diese dummschwätzer eigentlich noch? wer in diesem land genug geld für lobbyarbeit, bzw. versorgungspöstchen, hat, hat politischen einfluss. alle anderen werden abgezockt...
Malt (02.02.2009, 10:54 Uhr)
Nebelkerze!
... und nichts anderes. Peinliches Wahlkampfgeplänkel knapp 8 Monate vor der Wahl!
Bienban (02.02.2009, 10:51 Uhr)
Ein Haufen Von Intriganten Nichtsnutzen
Wann wacht die Wählerschaft von CDU/CSU endlich auf! Sie werden von einem intriganten nichtsnutzigen Haufen regiert. Diese Sache wäre nicht so schlimm, wenn nicht der Rest der Republik massivst betroffen wäre. Klimatechnisch ist es bereits Fünf nach Zwölf und da wagen sich solche Möchtegern-Politiker aus dem "fetten" Bayern, deren Wohlstand nur aus den Anstrengungen der Gesamt-Republik erwachsen konnte, dieses erste ernsthafte Signal in Richtung gemeinsame Klima-Politik an die Wand zu fahren. Hoffentlich findet das betroffene Volk Frau Merkel weiterhin so toll, ein normaler Mensch lässt sich ja ohnehin von einer Schachtel ohne Inhalt nicht blenden. Hoffentlich zieht die SPD endlich Konsequenzen, lieber aufrecht Oppositionspolitik als sich weiter in dieser Schlangengrube einrichten. Die Wählerschaft würde dies in jedem Fall besser honorieren. Die Fratze des "bürgerlichen" Lagers würde dann sichtbarer denn je werden. Nach der Finanzkrise folgt dann die Umwelt-Katastrophe und Frau Merkel soll sich dann nicht wieder heuchlerisch hinstellen wie in Ihrer "Neujahrsbotschaft" fürs Volk, dass die Welt schuld ist. Man kann als Bürger ohnehin gar nicht so viel essen wie man k...möchte!
undueberhaupt (02.02.2009, 10:51 Uhr)
Welche Umweltverschmutzung?
Unsere Umwelt ist doch im Eimer, wie man so schön sagt. Das fängt an mit der Salzeinleitung in die Werra, über den Gülledüngerwahnsinn der Landwirte, ganz zu schweigen über den Gebrauch von giftigen Pflanzenschutzmitteln sowie Ansaat von Genpflanzen. Dann werden noch ganze Landschaften mit Windparks verschandelt, und das Wattenmeer hat ebenfalls unter diesen Dingern zu leiden. Dieses war nur eine kleine Aufzählung mit gravierenden Folgen für die Umwelt.
ritchie (02.02.2009, 10:47 Uhr)
CDU und Umweltschutz..
moment mal, ich muß grade mal lachen!
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