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10. Juli 2009, 12:12 Uhr

"Nie wieder Krümmel"

Er gibt sich siegessicher und verspricht, alles zu tun, damit das umstrittene AKW Krümmel nie wieder ans Netz geht: Während Betreiber Vattenfall weiter die Sicherheit der Anlage betont, hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel zur Attacke auf das Skandal-Kraftwerk geblasen.

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Bundesumweltminister Sigmar Gabriel will "alles ermöglichen, dass Krümmel nie wieder ans Netz geht"© Rainer Jensen/DPA

Mit atomrechtlichen Auflagen für das Kernkraftwerk Krümmel will Bundesumweltminister Sigmar Gabriel dafür sorgen, dass der störanfällige Reaktor nie wieder ans Netz geht. Außerdem kündigte der SPD-Politiker am Freitag eine erheblich schärfere Gangart gegenüber der Atomindustrie an, falls die Sozialdemokraten nach der Wahl weiter regieren sollten.

Das Atomkraftwerk Krümmel in Schleswig-Holstein ist wegen einer erneuten Pannenserie seit knapp einer Woche vom Netz. Nun kündigte Gabriel an, dass er ein Wiederanfahren auf Dauer unterbinden will: "Wir werden Krümmel auf Herz und Nieren prüfen und alles ermöglichen, dass Krümmel nie wieder ans Netz geht." Nach dem Atomkonsens aus dem Jahr 2000 dürfte Krümmel eigentlich noch bis etwa 2019 Strom produzieren. Der Betreiber Vattenfall hatte am Donnerstag erklärt, er werde den Meiler keinesfalls vorzeitig endgültig abschalten, denn er sei sicher.

Gabriel sagte aber, er sei sich mit der Landesatomaufsicht in Kiel einig, dass Krümmel den gerade beschlossenen, schärferen Sicherheitsregeln des neuen Kerntechnischen Regelwerks unterworfen werden solle. Gegenüber den frühen 80er Jahren - Krümmel ging 1984 ans Netz - und dem dort geforderten heutigen Stand von Wissenschaft und Technik werde sich "ein Delta" ergeben, also ein Rückstand. Die Prüfung werde auch "längere Zeit in Anspruch nehmen". Insgesamt sei er "relativ optimistisch, dass Krümmel nicht mehr ans Netz geht", betonte der Minister.

Gabriel bekräftigte die Pläne, in der nächsten Legislaturperiode das Atomgesetz zu verschärfen. Damit soll sichergestellt werden, dass Krümmel und sieben weitere ältere Reaktoren vom Netz gehen. Gabriel sagte, er werde ausschließen, dass von älteren auf jüngere Anlagen Strommengen übertragen werden. Darüber hinaus will er die Intervalle für regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen von zehn auf fünf Jahre verkürzen. Dies muss ebenfalls im Atomgesetz geändert werden. Schließlich bekräftigte Gabriel seinen Plan, über eine Brennstoffsteuer oder eine Besteuerung der Endlager-Rücklagen die Atombetreiber an den Kosten für die Sanierung der maroden Atomlager Asse und Morsleben zu beteiligen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält dagegen ein Wiederanfahren des Atomkraftwerks Krümmel unter bestimmten Bedingungen für machbar. Die technischen Schwierigkeiten müssten behoben werden und die Voraussetzungen des Atomgesetzes umfassend erfüllt sein, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. "Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, dann kann auch der Meiler in Krümmel ans Netz gehen." Für die Kanzlerin stehe Sicherheit an oberster Stelle, sie verbinde in der Frage des möglichen Weiterbetriebs von Krümmel keine politischen Forderungen an den Betreiber, betonte Steg.

AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 20)
 
DasBertl (11.07.2009, 10:57 Uhr)
@_meinereiner_
Der Satz will bedeuten, das der Laden so totgeprüft wird, dass sich ein Wiederanfahren für Vattenfall schon wirtschaftlich nicht mehr rechnet. Vor allem dann mit derartigen Auflagen, das man für das Geld was das kostet, 2 neue AKWs hinstellen könnte.
Mir gefällt die Vorstellung, das Vattenfall endlich für ihre eigene Unfähigkeit zahlen darf...
DasBertl (11.07.2009, 10:53 Uhr)
@raptor-xl
mit innovativen Produkten, wie zum Beispiel neuen Filteranlagen, lässt sich der CO2-Ausstoss von Kohle- und Ölkraftwerken (wobei letztere wohl eher noch als Fernwärmekraftwerke dienen sollten, denn aus Öl Strom zu erzegen, dürfte wohl die teuerste aller Varianten sein, auch wenn der Ölpreis nicht mehr gar so hoch ist, wie er es schon war) auf ein Niveau senken, dass nur noch gering über dem der AKWs liegt. Nur werden diese Innovationen von den Betreibern blockiert, da die selben Betreiber die AKWs betreiben und sie sonst ihre Argumente ProAKW verlieren würden. Und da ein AKW eben wesentlich mehr Gewinn abwirft als ein Kohlekraftwerk, haben die Betreiber daran selbstverständlich kein Interesse. Wenn man sich alle Kosten, also inklusive denen, die der Steuerzahler aufbringen muss, zusammenrechnet, käme man bei einem AKW allerdings auf einen KWh-Preis von knapp 2 Euro. Wer würde so einen Strompreis freiwillig zahlen? So zahlen wir das eben unfreiwillig über versteckte Subventionen und Folgekosten der Atomkraft.
Energiewissenschaftler Olav Hohmeyer vom Sachverständigenrat für Umweltfragen der Bundesregierung(!) (SRU) sagt dazu: "Kernenergie ist ohne Subvention in Deutschland gar nicht vorstellbar."
Und wers nicht glauben mag: http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/2/0,1872,7380194,00.html
raptor-xl (10.07.2009, 17:38 Uhr)
@meister bob
sicher sind akws nicht ganz co2-frei. aber doch viel besser als öl- oder gar kohlekraftwerke...
und bis wir mit wind, sonne, wasser uns versorgen können (und das kann noch dauern), ist es eine bessere alternative.
acenes (10.07.2009, 16:27 Uhr)
Dampfplauderer Gabriel und der Wahlkampf
Nun meint die SPD also mit dem Wahlkampfthema Krümmel die Bundestagswahl zu gewinnen. Die Idee ist so erbärmlich wie der ganze Zustand der Vollpfosten-SPD von Walter Steini und Münte.
SoistdasLeben (10.07.2009, 15:58 Uhr)
Nie wieder krümeln
Dummdidummdidumm. *snupper*
Ohhh Käkssää.
Sehr schon Herr Gabriel, daß jetzt alle mehr Gemüse essen sollen. Diese Aussage paßt auch gut zu Ihrem Amt. Wir man sieht gehen Sie mit gutem Beispiel voran und essen auch viele gesunde Dinge. z.B Liebesäpfel, Schokobananen, Riesenkürbis im Ganzen...
MisterBrezeldent (10.07.2009, 15:27 Uhr)
O.k., Herr Gabriel, ...
... aber ab jetzt gucken alle genau hin beim Essen - und wehe Sie krümmeln. Das mit dem Klotzen statt Kleckern hat ja bei Ihnen (bis auf das kleine "l" im klotzen) ganz gut geklappt, gell. Jetzt schaumerma wie´s läuft mit dem Krümmeln. Als nächstes Üben wir dann mal, den Mund nicht zu voll zu nehmen... Sonst wird´s wieder nix mit dem kleinen "l", gell?
_meinereiner_ (10.07.2009, 15:05 Uhr)
verdrehte Reihenfolge
Zitat Gabriel:
"Wir werden Krümmel auf Herz und Nieren prüfen und alles ermöglichen, dass Krümmel nie wieder ans Netz geht."
Macht man's nicht normalerweise andersrum, sprich: Ich prüfe etwas und entscheide ANSCHLIESSEND anhand der Prüfergebnisse was ich mit dem Ding machen will?
Unser Umweltminister - der immerhin das Fachwissen eines ehemaligen Volkshochschullehrers besitzt - hingegen weiss schon was im Vorfeld zu tun ist, ohne dass irgendeine von wem auch immer bezahlte Experten-Kommission überhaupt ihren Fuss in den Laden gesetzt hat.
Ich glaube niemand freut sich so über die Traffo-Panne wie der - mitten im Wahlkampf ein toller Strohalm
waldi22 (10.07.2009, 15:03 Uhr)
@fischeye
Entschuldigung, ich vergaß meinen Verdauungsinhalt auch auf die CDU und ihre populistischen Wahllügen auszudehnen, was hiermit nachgeholt sein soll. Da hast du sicherlich recht. Ich habe selbst bei der letzten Wahl im Vertrauen auf einen Finanzminister Kirchhof das erste und sicher letzte Mal in meinem Leben CDU gewählt und wurde um meine Stimme betrogen. Zu meiner Person, ich war einmal Mitglied der SPD, um meine Parteilichkeit zu erklären und es ging hier ja erst mal um Gabriel.
Das Grundproblem ist, dass uns alle etablierten Parteien belügen, wie es ihnen gerade gefällt und alle von ihnen beeinflußt von Lobbyisten oder der späteren Aussicht auf einen Luxusversorgungsaufsichtsratposten (notfalls bei EON, Vattenfall oder gar Gazprom) ihre Politik ausrichten.
Langsam kommt die Zeit für einen neuen hessischen Landboten oder Michael Kohlhaas.
ramteid (10.07.2009, 15:02 Uhr)
Da muss er sich beeilen.
Er hat nur noch gut 2 Monate, dann ist vorbei mit Minister. Deutschland hat es aber auch erwischt in den letzten Jahren, erst Trittin, dann Gabriel. Gibt es denn wirklich keine Fachleute auf diesem Gebiet.
fischeye: Die CDU hat vor der Wahl MwSt.- Erhöhung gesprochen, die SPD ist eingeknickt. Also erst informieren, Kopf einschalten und
dann schreiben.
Malt (10.07.2009, 14:57 Uhr)
Er meinete sicherlich....
..."nie wieder Krümel", weil er viel lieber den ganzen Kuchen haben will... und den serviert bekanntlich nicht der Steuerzahler, sondern die Energiekonzerne!
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