Bundesumweltminister Altmaier sieht sich als Lobbyist der deutschen Solarbranche. Am Freitag wird er in Sachsen-Anhalt mit ihren Problemen direkt konfrontiert. Er kann sich ein Anti-Dumping-Verfahren gegen die Konkurrenz aus China vorstellen. Aber er sieht auch andere Wege.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (Bild) hat im Vermittlungsausschuss hart dafür gekämpft, dass die Förderung nicht so stark gekappt wird, wie es sein entlassener Vorgänger Röttgen wollte© Peter Steffen/DPA
Für Sachsen-Anhalts CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff steht das Urteil schon fest. "Energiewende = 2. gute Wende", schreibt er in Anlehnung an die Wiedervereinigung auf einen weißen Rotorflügel in der Fabrikhalle von Europas führendem Windrad-Hersteller Enercon. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) wünscht der Energiewende "Wind auf". Doch es gibt auch viel Schatten, mehrere tausend Solar-Jobs stehen auf der Kippe.
Hier bei Enercon ist alles im Lot, fasziniert lassen sich die beiden Spitzenpolitiker am Freitag im Magdeburger Werk das weltweit größte Windrad mit einer Leistung von 7,5 Megawatt erklären. Die E-126 hat eine Narbenhöhe von 135 Metern und dreht in luftiger Höhe ihre gewaltigen Runden. 3600 Menschen arbeiten hier. Das zeige, dass es in Deutschland möglich sei, erfolgreich diese Zukunftstechnologie voranzubringen, sagt Altmaier.
Aber Sachsen-Anhalt, dass schon 36 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien produziert und Ökostrom exportiert, steht auch für die Schattenseiten der Energiewende. Auf Altmaiers Besuchsplan steht auch ein Termin im Solar Valley in Bitterfeld-Wolfen, beim insolventen früher größten Solarunternehmen Q-Cells mit 1300 Beschäftigten. Am Donnerstag gab das ebenfalls hier angesiedelte und ebenfalls insolvente Unternehmen Sovello bekannt, dass mit 475 Arbeitsplätzen fast die Hälfte der Stellen gestrichen werden muss.
Bei Q-Cells wird der Betrieb vorerst weiter geführt, bis November soll die Zukunft entschieden werden. Altmaier will vor allem Zuversicht verbreiten und gibt als Devise aus: Die Bundesregierung lässt die Solarbranche nicht hängen - auch wenn er im Gepäck aus Berlin keinen Rettungsschirm für Q-Cells mitgebracht hat.
Aber Forschungsgelder würden erhöht und mit dem gefundenen Solarkompromiss, der eine Förderung bis zu installierten 52 000 Megawatt in Deutschland vorsieht (derzeit sind es rund 28 000 MW), gebe es für Investoren klare Rahmenbedingungen. Es müsse darum gehen, dass die deutsche Branche Solarprodukte so weiterentwickelt, dass sie sich neue Wettbewerbschancen erschließen können, sagte Altmaier.
"Ich möchte, dass die deutschen Firmen weiter einen Fuß in der Tür haben und dabei sind, wenn der Kuchen verteilt wird", erklärt der Minister. Er meint damit, dass die Branche jetzt noch eine kleine Durststrecke durchstehen muss, bis die weltweite Nachfrage wegen der stark gesunkenen Modulkosten so richtig anspringt. "Nicht die Technologie ist schlecht, sondern der Kostendruck ist enorm".
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