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24. Mai 2008, 08:45 Uhr

Wie grün ist Merkel wirklich?

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich im stern-Interview als progressive Umweltpolitikerin gegeben, als erfolgreiche grüne Konservative, im Ausland und daheim. Doch bei näherer Betrachtung liest sich Merkels Öko-Bilanz eher bescheiden. Von Franziska Reich

Trotz Energiesparlampen im heimischen Wohnzimmer ist Bundeskanzlerin Angela Merkel weniger grün als sie vorgibt© Michael Gottschalk/DDP

Jeder deutsche Politiker ist ein Klimakiller. Auf den Dienstreisen mit Flugzeug oder Auto verseuchen sie die Umwelt mit rund 100.000 Tonnen Kohlendioxid im Jahr. Auch Angela Merkel sündigt beständig. Gerade tourte sie mit der Flugbereitschaft acht Tage lang durch Südamerika. Zu Hause wartet ihr Dienstwagen, ein gepanzerter A 8, der aus sechs Litern Hubraum 450 PS schöpft. Ein CO2-Teufel schlechthin.

Doch mit ihren Umweltschutzzielen fürs Land scheint es die Kanzlerin tatsächlich ernst zu meinen. "Ich darf Ihnen berichten, dass die allermeisten Glühbirnen in meiner Wohnung Energiesparlampen sind", hat sie einmal erzählt. Die einstige Umweltministerin aus dem Kabinett von Helmut Kohl will das Mega-Thema Umweltschutz für sich nutzen. Unvergessen ihre Reise im roten Anorak ins ewige Eis von Grönland, bei der sie auf die Risiken der globalen Erwärmung hinwies.

Unübertroffen ehrgeizig das von ihr ausgegebene Ziel, dass Deutschland bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts 40 Prozent weniger Treibhausgase in die Atmosphäre pusten soll als im Jahr 1990. Ob in der Zeit der EU-Ratspräsidentschaft 2006 oder während des Weltwirtschaftsgipfels in Heiligendamm 2007 - Angela Merkel präsentiert sich gern als Retterin des Weltklimas.

Im Ernstfall hat die Industrie Vorrang

Die Bilanz tatsächlicher Erfolge ihrer Regierung fällt bisher bescheiden aus. Die Zusammenfassung der zersplitterten Umweltgesetze in einem einheitlichen Umweltgesetzbuch droht am Streit zwischen dem zuständigen Fachminister Sigmar Gabriel (SPD) auf der einen Seite und Wirtschaftsminister Michael Glos sowie Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (beide CSU) auf der anderen Seite zu scheitern.

Die Biosprit-Regelung musste zurückgezogen werden, weil das Gemisch laut Autobranche für mehr als drei Millionen Motoren hätte gefährlich werden können. Und obwohl das Bundesumweltamt davon ausgeht, dass 30 Millionen Tonnen CO allein durch Wärmeeinsparung in Gebäuden bis 2020 eingespart werden könnten, vermeidet die Regierung weiterhin, Hausbesitzer wenigstens mit steuerlichen Anreizen in Richtung Umrüstung zu locken. Im täglichen Konflikt zwischen Ökonomie und Ökologie kühlt die Begeisterung für den Umweltschutz schnell ab.

Auch Angela Merkel vertritt im Ernstfall nach wie vor eher das Interesse der Industrie als das des Klimas. So hat sie zusammen mit Finanzminister Peer Steinbrück verhindert, Dienstwagen stärker zu besteuern. Jedes zweite neue Fahrzeug in Deutschland ist ein Firmenwagen, die meisten davon Edelkarossen, die besonders viel CO2 ausstoßen. Auch in Brüssel kämpft die Kanzlerin beharrlich für die hochmotorisierten Sprit-fresser der deutschen Automobilindustrie. Das EU-Vorhaben, CO2-Grenzwerte für Personenautos einzuführen und Überschreitungen mit Strafen zu belegen, lehnt sie ab.

Von Franziska Reich
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
level (24.05.2008, 11:16 Uhr)
Immer schön korrekt bleiben
Frau Reich, Ihr Artikel in Ehren, aber vom Stern bin ich seriösere Recherchen gewohnt. Der erste Absatz ist ziemlich fehl am Platz. Unsere höchsten Würdentrager unterliegen einem Sicherheitserfordernis. Das man einen 2,5 - 3,5 tonnen schweren gepanzerten Wagen nicht mit einem 45 PS Ecotec Motor voranbewegen kann, hat nichts mit Umwelt, sondern mit Physik zu tun. Und das eine 8 tägige Dienstreise mit der Nutzung von Linienflügen ca. 3 Wochen gedauert hätte ( abgesehen auch hier vom Sicherheitsaspekt ) dürfte auch sehr einleuchtend sein. Also, immer schön sachlich bleiben und nicht Äpfel mit Birnen vergleichen
iovialis (24.05.2008, 10:50 Uhr)
Wirtschaftsliberaler Denkfehler
Irgendwie kann man die Kanzlerin schon verstehen: sie unterliegt einem wirtschaftliberalen Denkfehler. Dieser besteht darin, daß es den Menschen dann gut geht, wenn es der Wirtschaft gut geht - also muß man alles unternehmen, um es der Wirtschaft gut gehen zu lassen - schließlich soll es ja auch den Menschen gut gehen (die Wirtschaft schafft Arbeitsplätze, die Einkommen generieren).
Daß die Umwelt dabei auf der Strecke bleibt, hängt damit zusammen, daß der Mensch wichtiger ist, als die Umgebung, in der er lebt.
Dewerth (24.05.2008, 10:19 Uhr)
Ich darf Ihnen berichten...
...dass die allermeisten Glühbirnen in meiner Wohnung Energiesparlampen sind.– Alle Achtung, Frau Merkel! Prima, Frau Merkel! Chapeau, Frau Merkel! Wer hätte das gedacht, Frau Merkel! Und dann diese geschliffene Sprache! Ein Fall für den Grimme-Preis.
politisch_unkorrekt (24.05.2008, 10:18 Uhr)
Das tut weh!
Ich habe selten einen derart ideologiegetriebenen Artikel gelesen, wie diesen hier. Wie lautet Ihre Mitgliedsnummer bei Greenpeace, Frau Reich?
Oetker333 (24.05.2008, 10:09 Uhr)
@The Fiddler
Die Ampel könnte die Merkel-CDU stoppen.
The_Fiddler (24.05.2008, 09:52 Uhr)
Grün genug...
Für ne Koalition auf Bundesebene, wenn es denn sein muss. Sehen wir es ein die CDU hat 2009 bereits gewonnen. Wer auch immer mit ihr ins Bett steigt ob SPD FDP oder B90dG ....
Reality (24.05.2008, 09:25 Uhr)
Nicht besonders Grün - nur soweit es die Lobby zulässt...
Ich glaube nicht daß sie besonders grün denkt.
Es scheinen mir mehrheitlich populistische Aussagen und Gesten zu sein die von ihr ausgehen.
Ich halte sie im übrigen für die schwächste Besetzung auf dem Posten den sie inne hat.
Was soll ihr viel an der Umwelt liegen.
Hat sie sich doch als Karrierefrau
bisher nicht für eine Familie entschieden.
Somit braucht sie sich für ihre Enkel nicht zu Sorgen.
Man kann Politik betreiben so in dem Sinne von, nach mir die Sintflut.
Diese Einstellung meint man auch zu bemerken, wenn es um Kernkraft bei ihr geht.
Oder wenn man wahrnehmen muß, daß ihr es offensichtlich nichts ausmacht, einige Türen weiter ihre Lobbyisten unterzubringen die fleißig an den Gesetzen schreiben.
Was für eine Kanzlerin ?
Mein Gott hat dieses Volk nichts besseres verdient ?
ganzbaf (24.05.2008, 09:15 Uhr)
Na klar...

Immer noch kein Tempolimit auf BABs, kein Tempo 80 auf Landstraßen und kein Tempo 30 in Innenstadtbereichen.
Keine verbrauchsbezogene Kfz-Steuer, keine Umlegung der bisherigen Kfz-Steuer auf den Sprit, kein Verbot leukämieverursachender Kernenergie.
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Kein Baustopp für Autobahn-Neubauten, kein Staatsprogramm zur Umsetzung zur 100% Solarstromerzeugung...
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Nicht mal der höchst schädliche Flugverkehr soll eingeschränkt und begrenzt werden. SO wird das natürlich GAR nix, werte Frau Bundesknödelfee... ;-BBp
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