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Guttenberg hat sich offenbar einen Titel erschwindelt. Ja, aber wichtiger ist doch, dass er die Flüchtlinge in Lampedusa abholt. Die Bundeswehr braucht sie.

Eine satirische Analyse von Django Asül

Woher bezieht Deutschland in Zukunft seine Soldaten, wenn es schon nicht die eigene Jugend verheizen will? Und ist Lampedusa nun bloß eine sagenumwobene Phantominsel oder gedenkt der Nordafrikaner tatsächlich binnen weniger Tage, den Facharbeitermangel in Deutschland auf sehr unbürokratischem Wege zu beseitigen? Auf diese Fragen hatte sich die Öffentlichkeit diese Woche eigentlich längst eingeschossen. Doch weil irgendein netter Professor nachts nicht schlafen konnte und deshalb einfach mal in fremden Doktorarbeiten stöberte, ist alles nur noch Makulatur. Die alles beherrschende Frage lautet nun: Ist die deutsche Elite überhaupt Elite? Oder sind das alles nur Scharlatane, die durch Tarnen, Tricksen und Täuschen in Ämter und zu Meriten kommen? Dass diese ganze Diskussion dann auch noch just durch einen vermeintlich perfekten Verteidigungsminister ins Rollen kam, erinnert fast schon an eine griechische Tragödie. Schließlich entstammt ja auch Karl-Theodor zu Guttenberg nicht dem öden deutschen Politikbetrieb, sondern der frankogermanischen Mythologie.

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Der Vorwurf lautet schlicht und ergriffen: zu Guttenberg ist ein Schwindler, der sich seine Doktorarbeit mehr oder weniger zusammengeklaut hat. Von fehlenden Fußnoten ist die Rede, weshalb ihn jetzt natürlich seine Kritiker mit entsprechenden Kopfnoten versehen. Wobei auf den ersten Blick ohnehin nicht ersichtlich war, warum einer, der sowieso schon adelig ist, auch noch einen Doktortitel braucht. Summa cum laude ist zu Guttenberg quasi schon rein genetisch bedingt. Aber der junge Mann wollte eben statt zur Freiwilligen Feuerwehr lieber in die CSU. Und wer da was werden will, der muss auch Doktor sein. Das war zumindest der Anspruch von Edmund Stoiber. Jedenfalls ist es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Medien auch überprüfen werden, ob nicht auch der Adelstitel des ganzen Guttenberg-Clans eventuell auf fragwürdigem Wege erworben wurde. Konsul Weyers Büro dürfte bald von sensationslüsternen Blaublutjournalisten belagert werden. Das wäre natürlich der Super-GAU, wenn der Adelsstatus womöglich nur ein Download von www.allesnurlugundtrug.de ist.

Zu bedenken ist jedoch auch: Wer als Plagiator agiert, offenbart ein gesundes Vertrauen in die Fähigkeiten der Urheber. Diese Eigenschaft ist von unermesslichem Wert für Personen, zu deren Aufgaben auch Menschenführung und Delegieren gehören. Einer, der alles selber besser weiß und alles selber erledigen will, ist als Minister gänzlich untauglich. Das weiß auch die Kanzlerin. Darum gibt sie sich sehr viel Mühe, so zu agieren, dass der Wähler den Eindruck hat: Die Frau weiß ja gar nicht, was sie tun soll, und lässt es deshalb auch bleiben. Dieser Methodik bedient sie sich beispielsweise ganz extrem, wenn es um die Gegenwart und die Zukunft des Euro geht. Mit der Folge, dass Schwarzgelb wieder auf Augenhöhe mit Grünrot ist. Das mal nur so als Fußnote ohne Herstellernachweis.

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Im geographischen Sinne die Fußnote Europas im Allgemeinen und Italiens im Besonderen ist die Insel Lampedusa. Dieses sehr überschaubare Eiland ist nun zu einem Hotspot für Menschen geworden, die sich offen zeigen für spürbare Fortschritte in Sachen persönlicher Lebensqualität. Eine Art Sylt für das maghrebinische Prekariat sozusagen. Diese Leute sind vielleicht arm, aber nicht doof. Also werden sie spätestens zum Wochenende hin feststellen: Italien versinkt in Chaos und Schulden und hat einen Despoten als Staatschef. Auf gut deutsch: In qualitativer Hinsicht wäre eine Existenz in Italien für die Nordafrikaner nur eine Seitwärtsverschiebung. Da bleiben nicht viele Alternativen über in Europa als neue Heimat. Die Schweiz wäre natürlich die Ideallösung. Doch diese Sicht ist, um es mal ganz euphemistisch auszudrücken, nur sehr bedingt von Gegenseitigkeit geprägt. Weshalb der Schweizer sicherheitshalber letzte Woche gegen eine Verschärfung des Waffenrechts war. Sollten also tatsächlich Flüchtlinge versuchen, sich gen Schweiz aufzumachen, wird sich der Schweizer sehr wahrscheinlich ballistisch nicht allzu zurückhaltend zeigen.

Deshalb kam von der SPD und von den Grünen ein sehr erfrischender Vorschlag: Man könnte doch alle Neu-Lampedusaianer in Deutschland aufnehmen. Dass vor allem die Herren Özdemir und Edathy dafür plädieren, ist indes verständlich. Tief drinnen tragen beide eben scheinbar doch den Wunsch, mehr Leute im Lande zu haben, deren Genetik (Fußnote: Sarrazins eleganter Brückenschlag von Basken zu Juden) sich zumindest teilweise in der Özdemirschen Haar- und Edathyschen Hautfarbe niederschlägt. Von dieser Idee werden in Deutschland einige wenige nicht begeistert, aber viele andere noch weniger begeistert sein. Pragmatiker mögen Özdemir und Edathy empfehlen, einfach mal öfter in den Spiegel zu schauen, um regelmäßig ihresgleichen zu sehen. Aber jetzt kommt aus dem Hinterhalt wieder zu Guttenberg ins Spiel: Er ist es, der dafür plädiert, in Deutschland eine solide Söldnerarmee zu installieren und die verweichlichte deutsche Jungmannschaft dafür in ihrer Playstation-I-Phone-Praktikum-Lethargie zu belassen. Kurzum: Wer es auf sehr abenteuerlich konstruierten Booten über das Mittelmeer nach Lampedusa schafft, sollte auch in der Lage sein, Deutschlands Sicherheit am Hindukusch zu verteidigen. Soviel Sinn für Kausalität darf zu Guttenberg durchaus zugetraut werden. Ist das jetzt zynisch? Nein.

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Denn der Taliban sitzt ja längst in Pakistan oder sonst wo, aber definitiv nicht mehr am Hindukusch. Darum haben die ISAF-Truppen praktischerweise Afghanistan komplett zum ganzjährigen Generalmanövergebiet erklärt, wo nach Herzenslust gebombt werden darf. Den Einheimischen gehen die Truppen des zivilisierten Westens damit zwar gewaltig auf die Nerven. Aber wenn Armeen jedes Mal auf irgendwelche lokalen Befindlichkeiten achten müssten, wäre ja kein einziger Krieg mehr möglich. Wenn nun der Verteidigungsminister tatsächlich zähe und hochmotivierte Nordafrikaner für das Söldnertum gewinnt, könnte er zwar nicht zwei Terroristen, aber immerhin zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Deutschland zeigt sich humanitär, indem Flüchtlinge aufgenommen werden. Und zugleich auch visionär, weil man sie gleich wieder outsourced. Und der Krieg in Afghanistan wäre wieder das, was der Kanzlerin sowieso am liebsten ist: eine Fußnote.

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