Auch Väter dürfen jetzt Mütter sein!

4. August 2010, 18:38 Uhr

Vorbei die Zeit, da alleinerziehende Mütter ihre Kinder als lebende Schutzschilder missbrauchten. Nun dürfen auch deren Väter in die Windel gucken. Eine satirischer Dank ans Verfassungsgericht von Django Asül

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Die Nachricht schlägt ein wie eine Bombe: Auch ledige Väter können Mütter sein! Was wie ein Buchtitel von Eva Herman klingt, ist in Wahrheit ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Dabei rechneten die ledigen Mütter eher mit einer Abwrackprämie für die Väter ihrer Kinder, damit diese endlosen Diskussionen um das Sorgerecht endlich aufhören. In der Theorie sind die Mütter um das Wohl der Kinder besorgt, während die Väter sich vor der Verantwortung drücken und lieber arbeitslos werden, bevor sie Geld abdrücken für den Nachwuchs.

Die Realität rückt dieses schiefe Bild zurecht: Männer sind durchaus in der Lage, Gefühle für ihr Kind zu haben, während die Mütter Kinder gerne als sogenannte Human Shields benutzen im ewigen Guerillakrieg gegen die Väter. Das haut viele Frauen ins emotionelle Sommerloch, weil sie gar nicht mehr wissen, wofür sie jetzt eigentlich ein Kind haben, wenn es seine Wirkung als Allzweckwaffe gegen den Mann höchstgerichtlich verwirkt hat.

Die neue Rechtslage muss behutsam umgesetzt werden. Sonst droht nämlich ein Schock beim Nachwuchs. Denn eines ist klar: Viele Mütter werden nun ihre Energie nicht mehr dafür verschwenden, größtmögliche Distanz zum Vater zu halten, sondern dem Kind paradiesische Lebensverhältnisse zu bescheren. Wie soll das Kind sonst auch lieber bei der Mama bleiben? Die Väter hingegen werden diesen neuen Fehdehandschuh aufnehmen und in einen fairen Wettbewerb gegen die Mütter treten. Die Gewinner werden auf alle Fälle die Kinder sein. So sieht es jedenfalls die Justiz. Ganz zu schweigen von den Kindern, die noch gar nicht wissen, dass auch sie einen Vater haben. Vielen wurden ja absonderliche Geschichten aufgetischt, wenn sie gefragt haben, warum eigentlich alle anderen Kinder einen Vater daheim haben, während die Mama auf diesen Luxus verzichtet: Der Klapperstorch hat deinen Papa geholt. Er ging mit Reinhold Messner auf einen Berg und kam nie wieder. Er sitzt im einzigen kameralosen Bereich im Big Brother-Container.

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Es bleibt nur zu hoffen, dass die Mütter nun besonnen reagieren, um weitere Eskalation im ohnehin meist angespannten Verhältnis zum Vater zu vermeiden. Dass das möglich ist, beweist ausgerechnet ein aktueller Vorfall im Iran. Das Attentat auf Ahmadinedschads Konvoi wäre allemal ein Grund gewesen, den Ausnahmezustand auszurufen und Regimegegnern den Feierabend zu versauen. Aber was macht die iranische Regierung? Erst sagt sie, die Meldung sei eine Ente. Dann behauptet sie, es wäre lediglich ein Feuerwerkskörper gewesen und man würde den Feuerwerkskörperschmeisser in Gewahrsam nehmen, damit er in aller Ruhe an der Volkshochschule Teheran den richtigen Umgang mit den Böllern lernt. Nur so wäre es gewährleistet, dass sein nächster Silvester ein echter Kracher würde. Da kann und muss man neidlos gerade den sonst eher leicht aufbrausenden Iranern eine Deeskalationspolitik ersten Ranges bescheinigen. Iran nimmt sich also seines Feuerwerkfreundes an und tut alles, um ihn auf diesem Gebiet kompetenter zu machen. Wahrscheinlich wird der Betroffene sogar ein längeres Abenteuerwochenende mit Sozialpädagogen von den Revolutionsgarden absolvieren dürfen.

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Überhaupt muss man sich in Deutschland mehr Gedanken darüber machen, wer für wen zu sorgen hat. Der Staat erwartet schließlich auch, dass später die Kinder für ihre Eltern sorgen, weil dem Staat mittlerweile die Bürger im Allgemeinen und die Alten im Besonderen gehörig auf den Keks gehen. Horrende Rentenansprüche, alle zwei Jahre eine Kur und alle vier Jahre ein neues Hüftgelenk! Das geht auf keine Kuh-, geschweige denn Staatshaut! Weil der Staat eben nicht die Melkkuh des Bürgers ist, sondern genau umgekehrt.

Gerade im Sommerloch hat man wunderbar die Gelegenheit, den Blick auf das Grundsätzliche zu richten, ohne dabei von Querschüssen aus der Politik belästigt zu werden. In Deutschland drängt sich nämlich der Verdacht auf, dass der Bürger das Wesentliche gar nicht mehr mitkriegt. Deutschland befindet sich beispielsweise im gigantischsten Wirtschaftsaufschwung der letzten drei Monate. Aber laut einer stern-Umfrage haben das 82 Prozent der Befragte noch gar nicht gemerkt. Der Rest hat den Aufschwung sehr verärgert zur Kenntnis genommen: Ende der Kurzarbeit, Überstunden und Wochenendarbeit machen den ganzen Alltag wieder ungemütlicher. Viele sollen sogar überlegen, sich arbeitslos zu melden oder zumindest halbtags zu arbeiten. Nur damit sie nicht mehr so viele Alimente für den Staat zahlen müssen. Wie lange da wohl das Bundesverfassungsgericht tatenlos zuschauen wird? Die Bundesrepublik hatte schließlich eine schwierige Geburt und eine schwere Kindheit. Da will der Staat jetzt kein Stiefkind mehr sein.

 
 
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