. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
5. November 2011, 20:41 Uhr

Bad Banker in die Außenpolitik!

Bei der Hypo Real Estate sind völlig überraschend 55 Milliarden aufgetaucht. Gut so, findet stern.de-Kolumnist Django Asül – und fordert weitere Betätigungsmöglichkeiten für die Schrottbank.

 
HRE,  Django Asül, Kolumne, stern.de, Wolfgang, Schäuble,  CDU, Finanzminister, HRE, FMS, 55 Milliarden, Buchungsfehler, Schulden, Deutschland

Für Finanzminister Schäuble ist so so eine 55-Milliarden-Rechenfehler doch ein Klacks© stern.de-Grafik

Irgendwer hat sich bei der HRE-Schrotthalde verrechnet. Das an sich ist keine Sensationsmeldung. Denn wenn man bei der HRE rechnen könnte, hätte die Bank nicht ein paar hundert (oder tausend) Milliarden Miese aufgehäuft und sich den geschützten Titel Skandalbank redlich verdient. Warum da jetzt wegen 55 Milliarden so ein Wind gemacht wird, erschließt sich dem kundigen Beobachter nicht mal im Ansatz. Das sind Peanuts, würde Hilmar Kopper als sozial orientierter Bankfachmann wohl sagen. Zum Vergleich: Finanzminister Schäuble macht selbst in einem BIP-Rekordjahr locker 30 Milliarden Neuschulden. Und Frau Merkel hat jetzt schon das Vielfache davon den Griechen als kleine Aufmerksamkeit vermacht. Da muss man fairerweise das Konto schon im Dorf lassen, bevor man über die HRE richtet.

Wobei sich die HRE-Strategen strenggenommen ja nicht mal verrechnet, sondern lediglich plus und minus vertauscht haben. So was kann bei all dem Trubel auf den Finanzmärkten schon mal passieren. Außerdem ging es nicht um irgendetwas Werthaltiges, sondern um sogenannte Giftpapiere. Der Staat hat in Wahrheit also nicht 55 Milliarden mehr auf der sehr tiefliegenden hohen Kante, sondern einfach nur weniger Schrott als befürchtet.

Die Unschuldsfrage ist geklärt

Die HRE ging bei der ganzen Aktion auch nicht besserwisserisch-arrogant vor. Wie es sich gehört, hat sie sich alles von den Kontrolleuren im eigenen Hause und vom Finanzministerium absegnen lassen. Da hat es sich ein bisschen gerächt, dass im Ministerium so wenige Mülltrennungsexperten ansässig sind. Mit Finanzexperten kommt man bei der HRE natürlich nicht weiter. Das bestätigt jeder stellvertretende Schichtleiter eines kommunalen Recyclinghofes. Staatliche Kontrolleure haben so nebenbei auch erlaubt, dass diverse Finanzminister weit über 2000 Milliarden Schulden machen. Da verbieten sich Vorwürfe an sämtliche Stellen selbstredend. Die Frage nach den wahren Unschuldigen ist somit endgültig geklärt.

Viel zu kurz in der ganzen Diskussion kam bisher die Frage, ob solche kleinen Überraschungen mit einem Dutzend Nullen nicht öfter vorkommen sollten. Psychologisch ist der positive Effekt nicht von der Hand zu weisen, wenn aus einem satten Minus kurzfristig ein schönes Plus wird. Die EU praktiziert das in Form des EFSF sehr erfolgreich.

PR-technisch war das herausragend. Die Mehrheit der EU-Bürger glaubt, dieser EFSF hätte ein Guthaben von einer Billion Euro. Dass das eigentlich auch nur neue Schulden ehemals solventer Staaten sind, um damit alte Schulten von noch nie solventen Staaten zu begleichen, geht eigentlich völlig unter. Und schon reagierten die Märkte in höchstem Maße euphorisch, bis ein heilloser Realist die Sache klarstellte. Realismus ist aber bei HRE und Vater Staat fehl am Platz. Real hingegen ist der Verdacht, dass eventuell noch viel öfter minus statt plus gerechnet wurde. Im Moment mag niemand mehr garantieren, dass Griechenland Schulden hat.

Auf ein paar Nullen mehr kommt es nicht an

Kann es sein, dass den Griechen beim Euro-Gipfel in Wahrheit 100 Milliarden Guthaben statt Schulden erlassen wurden? Das würde das schnelle OK der Banken zum Verzicht erklären. Und auch die gute Stimmung in der deutschen Bevölkerung. Da kommt es auf ein paar Nullen mehr oder weniger nicht drauf an. Egal ob bei den Zahlen, unter Bankmanagern oder im Finanzministerium. Nullen muss man sich eben leisten können. Auch das gehört zur sozialen Marktwirtschaft. Darum wäre es unredlich, die Finanzmärkte an die kurze Leine nehmen zu wollen, weil die Leinenhalter in der Regel ziemlich beschränkt sind, wenn es darauf ankommt. Die Welt braucht nicht mehr Regulierung, sondern mehr HRE.

Eine Welt, in der ein synthetisches Minus ein wahres Plus ist, gibt Anlass zu Hoffnung. Wer weiß, vielleicht ist sogar die Erderwärmung real eine Erderkühlung? Vielleicht schafft es die Industrie nicht mal mehr, ein Mindestmaß an Kohlendioxid in die Atmosphäre zu jagen? Und die Meeresspiegel steigen an, weil es viel zu viel statt viel zu wenig Trinkwasser gibt? Auch wenn die Öffentlichkeit schlecht auf die HRE zu sprechen ist, so sollte dieses tolle Finanzinstitut sich nicht nur auf Hypothekengeschäfte konzentrieren, sondern sich nachhaltig und vielschichtig einsetzen für die Analyse der Ökologie und Ökonomie. Man ist fast geneigt zu sagen: Die HRE ist der wahre Club of Rome. Und sollten HRE-Analysten mal die Außenpolitik des Iran und von Israel untersuchen, wären Achmedinedschad und Lieberman sichere Kandidaten für den Friedensnobelpreis.

Django Asül live am 8.Nov Friedrichshafen, 9.Nov Bad Säckingen, 10.Nov Offenburg, 11.Nov Neunkirchen.

 
 
Und jetzt... Django Asül

Wer beim Lesen der Zeitung nur noch den Kopf schütteln kann, ist bei Django Asül genau richtig: Für stern.de rechnet der Kabarettist einmal die Woche mit der deutschen Politik ab.

WEITERE ARTIKEL DER KOLUMNE
MEHR ZUM ARTIKEL
Milliarden-Fehlbuchung bei HRE Schäuble lässt die Dummies laufen

Die Bad Bank der HRE hat 55 Milliarden Euro falsch gebucht, wie stern.de aufdeckte. Und was macht der Finanzminister? Er schont die Verantwortlichen. mehr...

HRE-Panne Die 55-Milliarden-Drohung

Die Pleitebank HRE hat Milliarden gefunden. Der Bürger rätselt: Wenn Geld so plötzlich auftaucht, kann es dann auch plötzlich verschwinden? Von Nullen und Flaschen. mehr...

Bad Bank der HRE Der 55-Milliarden-Rechenfehler

Schuldenkrise einmal anders: Weil es Rechenfehler in der Bilanz der Bad Bank der HRE gab, hat die Bundesrepublik Deutschland plötzlich 55,5 Milliarden Euro weniger Schulden. mehr...

Rechenfehler-Nachspiel Wolfgang Schäuble lädt HRE-Manager zum Rapport

Wolfgang Schäuble hat einem Bericht zufolge Vorstände der verstaatlichten Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) und ihrer Bad Bank zum Rapport bestellt. Grund ist ein Buchungsfehler in Höhe von 55,5 Milliarden Euro. Die Verantwortlichen sollen dem Bundestagsfinanzausschuss Rede und Antwort stehen. mehr...

Bilanzfehler von 55,5 Milliarden Euro Schäuble in Erklärungsnot

Wie konnte es zum Buchungsfehler von 55,5 Milliarden Euro bei der Bad Bank der HRE kommen? Finanzminister Schäuble spricht von einem ernsten Vorgang, weist aber eine direkte Verantwortung für die Panne bei der Staatsbank zurück. Doch wann wusste er Bescheid? mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind