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19. November 2011, 22:11 Uhr

Die Mutter aller Schlachten

Jedermann weiß: Wenn Deutsche und Engländer aufeinandertreffen, wird es ernst - egal ob beim Fußball oder in der Politik. Der jüngste Konflikt zwischen beiden Ländern könnte dank Volker Kauder sogar im britischen Totalausverkauf enden. Eine Kampfansage von Django Asül

 
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Bereitet sich schon mal auf den deutsch-englischen Friedensgipfel vor: CDU-Fraktionsvorsitzender Volker Kauder© stern.de

Deutschland gegen England, das ist natürlich der Klassiker schlechthin. Zumindest auf dem Fußballfeld. Es war sogar ein frustrierter englischer Nationalspieler, der anno 1990 den berühmten Spruch vom Stapel ließ: Fußball ist ein Spiel mit 22 Spielern und einem Ball und am Ende gewinnen die Deutschen. Vorausgegangen war wieder mein eine große Schlacht mit nervenschwachen Engländern beim Elfmeterschießen. Und paar Tage später wurde Deutschland Weltmeister.

Wer dachte, dass sei der Höhepunkt an Schmach von deutscher Seite, wurde bei der WM 2010 eines Besseren belehrt. Da wurde sogar den Engländern ein reguläres Tor aberkannt. Und kein deutscher Spieler wagte es, den Schiedsrichter zu korrigieren. Schließlich ging es gegen England. Und da genießt das Ergebnis oberste Priorität und nicht die Realität. So ähnlich geht es nun auch auf politischer Ebene zu.

Cameron und Merkel trafen sich nicht zu einem Austausch, sondern zu einem Duell. Das mag für Außenstehende fahrlässig klingen. Aber wenn im Vorfeld schon feststeht, dass nichts Zielführendes bei dem Treffen herauskommen wird, darf es zumindest an martialischem Pathos nicht fehlen.

Westerwelle bringt es nicht

Bekanntlich ist Angela Merkel nicht so sehr der Typ, der den feindlichen Freund mit einer Geraden niederstreckt. Das muss sie auch nicht sein. Denn für solche zwischenstaatlichen Friedensmaßnahmen hat sie Westerwelle, wenn ein Schein von Interesse gewahrt werden soll.

Der Guido war beispielsweise diese Woche bei den Rudimentärdemokraten in Turkmenistan. Dabei ließ er die Turkmenen wissen, dass sie gerne ihrer nicht allzu libertär geprägten Stammeskultur frönen dürfen, solange sie den Deutschen wenigstens Öl und Gas liefern. Was der Normalbürger jetzt Bigotterie nenne würde, ist aber in Wahrheit nur politischer Pragmatismus. Und außerdem ist es schon ein Akt des Humanismus, wenn die Turkmenen einem Westerwelle überhaupt Besuchsrecht gewähren. Es ist ja nicht so, dass sie sonst keine Abnehmer für ihre Rohstoffe finden würden. Für solche wirtschaftlich orientierten Hofierungsreisen ist Westerwelle der ideale Kandidat. Denn dank Westerwelles Unverbindlichkeit würde ihm selbst eine Kriegserklärung als erfrischendes Bonmot ausgelegt werden.

Marketingoffensive des Goethe-Instituts?

Wenn es aber wirklich ernst wird (und ernst wird es immer, wenn es um die Briten geht), braucht Merkel schon einen echten Rammbock. Da mögen viele an Pofalla denken. Aber da Englands Premier tagtäglich von seinen parteiinternen EU-Skeptikern gesagt kriegt, dass sie seine Fresse nicht mehr sehen können, würde Pofallas Lieblingsaphorismus an Cameron abprallen.

Daher ist Merkel ihrem Volker Kauder mehr als dankbar, dass er die Rolle der außenpolitischen Abrissbirne mit so viel Engagement und Passion spielt. Derart elegant hat schon lange kein Politiker mehr das europäische Miteinander beschworen. Ein Statement wie "In Europa wird jetzt Deutsch gesprochen?" klingt zwar wie eine Marketingoffensive des Goetheinstituts. Aber es ist klar, worauf Kauder wirklich hinaus will: Das Land, das die niedrigsten Schuldzinsen zahlen muss, stellt die Amtssprache in der EU. Und der Rest soll gefälligst der Finanztransaktionssteuer zustimmen, um mit der darauf erhobenen Mehrwertsteuer Deutschkurse in allen Defizitländern finanzieren zu können. Wahrscheinlich muss man auch der deutschen Sprache mächtig sein, um genau zu verstehen, wieso Kauder und Merkel glauben, in Europa den Ton angeben zu können.

Einzigartig in Europa

Wer sich England oder auch Frankreich, Italien und so weiter anschaut, wird feststellen: Die Staatsverschuldung wird höher, weil das Wirtschaftswachstum seinen Namen nicht verdient. Deutschland hingegen schafft es, trotz Rekordwachstum eine solide Neuverschuldung hinzukriegen. Das ist in der Tat einzigartig in Europa und verführt zu leicht jovial-chauvinistischem Gebaren gegenüber vermeintlichen Euro-Hasardeuren. Ganz zu schweigen von den zwei Billionen Schulden, die sich Deutschland durch jahrzehntelanges Sparen gegönnt hat!

Kauder und Merkel sind sich daher einig: Die EU muss viel mehr Verantwortung übertragen bekommen, wenn zeitgleich Deutschland doppelt so viele Stimmanteile als alle anderen zusammen hat. Das ist jetzt wahrlich kein Größenwahn, sondern entspricht lediglich dem deutschen Anteil an allen Rettungsfonds östlich des Mississippi und westlich des Ural.

Deutschland, übernehmen Sie!

Zumal das Ansinnen der Briten ohnehin gemeingefährlich ist. Sie wollen nämlich eiskalt einsehen, dass sowohl EU als auch Eurozone zwar lustige Utopien sind, solange man genug Spielgeld hat. Aber wenn wieder mehr Effizienz gefragt ist, sind solche euromantischen Geplänkel nicht nur lähmend, sondern eben auch teuer.

Die Einsicht, dass eher auf dem Mars ein Disneyland entsteht als dass in Europa mehrere Staaten an einem Strang ziehen, ist natürlich auch bei Merkel längst gereift. Auf ihre gewohnt pragmatische Weise hat sie deshalb den Entschluss gefasst: Wenn schon nicht alle einer Meinung sein wollen, sollen wenigstens alle der deutschen Meinung sein. Wer sich dagegen stemmt, soll sich eben mit Zinsen jenseits der berüchtigten Sieben-Prozent-Marke rumschlagen. Sieben Prozent heißt nämlich auf Finanzdeutsch: Deutschland, übernehmen Sie!

Diese Entwicklung ist dank des EFSF längst eingeleitet. Da dieser Fonds ohnehin auf deutschen Schultern ruht, sollte Kauder sofort fordern, diesen fairerweise DFSF zu nennen. Deutschland kriegt derzeit von überall Geld für null Prozent und könnte es für angenehme sechs Prozent weiterverleihen. Damit würden deutsche Etatsorgen immer kleiner und deutsche Führungsansprüche immer legitimer. Also bitte nicht wundern, wenn Kauder beim demnächst folgenden Friedensgipfel zu Cameron sagt: Liebe Engländer, wir lassen Euch nicht fallen. Wir kaufen Euch.

Django Asül live am 5. Dezember in Heilbronn/redblue
6. Dezember in Singen/Gems
7. Dezember in Augsburg/Barbarasaal und
8. Dezember in Kempten/Kornhaus

Eine Kampfansage von Django Asül
 
 
Und jetzt... Django Asül

Wer beim Lesen der Zeitung nur noch den Kopf schütteln kann, ist bei Django Asül genau richtig: Für stern.de rechnet der Kabarettist einmal die Woche mit der deutschen Politik ab.

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