Startseite

Der Waffennarr der FDP

Wahlplakate mit grinsenden Gesichtern und immer gleichen Sprüchen nerven. Das dachte sich wohl auch ein FDP-Politiker aus Hamburg - und wirbt stattdessen mit dem Slogan: "Schießsport ist Freiheit."

Von Christoph Fröhlich

  "Schießsport ist Freiheit": Der FDP-Politiker Roland Rehmet setzt sich auf einem Facebook-Plakat fürs Ballern ein.

"Schießsport ist Freiheit": Der FDP-Politiker Roland Rehmet setzt sich auf einem Facebook-Plakat fürs Ballern ein.

Ein Wahlplakat ist eine ziemlich komplizierte Sache. Man will kompetent und gleichzeitig nett wirken. Das heißt: freundlich lächeln, aber nicht zu übertrieben. Man will eine Botschaft rüberbringen, aber das Wahlvolk nicht überfordern. Dafür eignen sich inhaltsleere, knackig klingende Sprüche, glauben Wahlkampfleiter. Ein gutes Beispiel dafür ist der CDU-Slogan "Weil wir an morgen denken". Das Problem: Leider versuchen alle Politiker, die Wähler auf diese Weise um den Finger zu wickeln. Die Folge: Sämtliche Einkaufsstraßen sind vollgepflastert mit grinsenden Gesichtern und hohlen Sprüchen. Warum also nicht einmal was Ungewöhnliches wagen, dachte sich wohl der FDP-Politiker Roland Rehmet aus Hamburg - und veröffentlichte im Internet ein unkonventionelles Plakat.

Schießsport ist Freiheit

Im hellblauen Hemd und mit leicht schiefem Lächeln präsentiert sich der liberale Hamburger, der am 22. September in den Bundestag einziehen will, seinen potenziellen Wählern. So weit, so normal. Doch statt eines nichtssagenden Spruchs setzt der Diplom-Chemiker eine echte Duftmarke: "Schießsport ist Freiheit." Das klingt nach Texas, nach rauchenden Colts. Nach unendlicher Weite. Es ist ein Spruch, der einem im Wahlkampf sonst nur im schießwütigen Amerika zu Ohren kommen würde. Der Slogan spricht die Seele der Millionen deutschen Sportschützen an, die nach Amokläufen immer wieder an den Pranger gestellt werden - und die bei der kommenden Wahl natürlich auch ein Kreuzchen machen werden.

Passend dazu trägt Rehmet, Jahrgang 1966, einen rot-schwarzen Gehörschutz. Es ist ein Modell mit besonders hohem Dämpfungswert, das für Waffen mit wirklich großem Kaliber entwickelt wurde. Für Waffen, mit denen Rehmet besonders gerne in seiner Freizeit am Schießstand ballert.

Seit 2006 ist der Politiker, der bislang noch nicht im Budnestag sitzt, aktiver Sportschütze. Seit 2009 ist er Vereinsmeister eines Hamburger Clubs im Kaliber .357 Magnum. Das ist der Revolver, mit dem in der TV-Serie "The Walking Dead" gefährliche Zombies zur Strecke gebracht werden.

"Wieder ein Grund mehr, der FDP meine Stimme zu geben"

Verbreitet hat Rehmet das Bild via Facebook. Er postete es in einer Gruppe namens "Waffenlobby", die derzeit etwa 3100 Mitglieder hat. "Liebe Kollegen", schreibt der FDP-Mann in seiner Nachricht. "Es hat einige Zeit gedauert, bis mein Internet-Plakat überarbeitet wurde. Das gesamte Plakat sieht jetzt freundlicher aus. Jeder kann das Plakat auch ohne das Abbilden einer Waffe verstehen." Das kommt an: 147 Likes hat Rehmet bislang bekommen. "Respekt für das öffentliche Statement", schreibt ein User. Ein anderer Waffen-Fan ist begeistert und schreibt: "Wieder ein Grund mehr, der FDP meine Stimme zu geben."

Auch sonst gibt sich der Politiker Social-Media-affin: Er wirbt für Parteigespräche und postet Schnappschüsse vom Museumsbesuch. Auf einem Bild vom Juni steht Rehmet in beiger Hose und blauem Hemd vor dem Bundestag. Darunter schreibt er: "Anprobe: Der Reichstag steht mir gut!". Das kam gar nicht gut an: Nur einem Menschen gefiel das. Kein Wunder, dass Rehmet kurz darauf die Wahltaktik geändert hat.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo

Partner-Tools