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14. Januar 2010, 15:46 Uhr

In Deutschland lebt es sich als Kind nur mittelmäßig

Alleinerziehenden und ihren Kindern geht es in Deutschland relativ schlecht, viele Jugendliche machen sich Sorgen um ihre Zukunft. Das ist das Ergebnis einer Unicef-Studie. Obwohl Deutschland sich im internationalen Vergleich verbessert hat, sieht Unicef noch "deutliche Defizite".

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Alleinerziehende Mütter und ihr Nachwuchs haben es besonders schwer© Frank Augstein/AP

Kinder in Deutschland haben es im Vergleich zu anderen Industrieländern nicht besonders gut. Das ergab eine Studie, die das UN-Kinderhilfswerk Unicef am Donnerstag vorlegte. Besonders alleinerziehende Mütter und ihr Nachwuchs sind einem hohen Armutsrisiko ausgesetzt. Deutschland konnte sich zwar im Vergleich zu 2007 um drei Plätze auf Platz acht verbessern und belegt damit einen guten Mittelplatz, in den Bereichen "Materielles Wohlbefinden" und Gesundheit ist es jedoch unterdurchschnittlich.

Den ersten Platz unter 21 Nationen belegten erneut die Niederlande. Hinter dem Mittelplatz für Deutschland "verbergen sich deutliche Defizite", erklärte Geschäftsführerin Regine Stachelhaus von Unicef Deutschland. "Der Armutsdruck ist gerade für Alleinerziehende dramatisch. Sie werden von der Politik bisher nicht erreicht."

Köhler lehnt Kinderrechte im Grundgesetz ab

Besorgniserregend sei, dass Jugendliche hierzulande ihre beruflichen Perspektiven düsterer sehen als in allen anderen Industrienationen. Sie berichten häufiger davon, sich allein gelassen und als Außenseiter zu fühlen. Als "erfreulich" ermittelten die Forscher dagegen, dass der Anteil der Kinder, die die Schule nach eigenen Angaben "sehr gerne" mögen, mit 36 Prozent überdurchschnittlich hoch lag.

Bundesfamilienministerin Kristina Köhler (CDU) lehnte bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt die Forderung der Unicef-Managerin nach Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz ab. Auch zu einer eigenen Kindergrundsicherung äußerte sie sich skeptisch: Sie setze auf andere, zielgenauere Instrumente wie den Kinderzuschlag oder den erhöhten Kinderfreibetrag.

"Pass auf, dass Du nicht scheiterst!"

Am Rechtsanspruch, von 2013 an für 35 Prozent der Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz anzubieten, werde "nicht gerüttelt, auf gar keinen Fall", stellte Köhler klar. Sie wies Einwände der Kommunen gegen den Ausbau von Krippenplätzen zurück. Der Bund habe seine Zusage erfüllt, vier Milliarden Euro beizusteuern. Nun seien die Kommunen am Zug. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hatte jüngst erklärt, der vorgesehene Rechtsanspruch sei nicht umsetzbar. Zur Begründung hieß es, ein Kita-Platz werde nicht wie angenommen von 35 Prozent, sondern von 66 Prozent der Eltern gewünscht. Das sei nicht bezahlbar. Köhler bezweifelte die Zahl.

Einer der Autoren der Studie, Hans Bertram von der Humboldt-Universität, erklärte, bei amerikanischen Jugendlichen komme trotz deutlich ungünstigerer materieller Bedingungen die Botschaft an: Du kannst es schaffen! "In Deutschland vermitteln wir vor allem mögliche Gefahren. Nach dem Motto: Pass auf, dass Du nicht scheiterst!"

Wohlbefinden der Kinder in 21 Ländern verglichen

Bertram und Co-Autor Steffen Kohl haben das Wohlbefinden der Kinder in 21 Industrieländern anhand von sechs Dimensionen verglichen: materielles Wohlbefinden, Gesundheit und Sicherheit, Bildung und Ausbildung, Beziehungen zu Familie und Gleichaltrigen, Verhaltensrisiken sowie subjektives Wohlbefinden. Danach hat sich Deutschland bei Bildung, Beziehungen zu Gleichaltrigen und Familie sowie Verhalten und Risiken verbessert. Bei Gesundheit und Sicherheit belegt Deutschland Platz elf. Defizite gibt es weiter hinsichtlich der Säuglingssterblichkeit, des Geburtsgewichts der Kinder und der Impfrate.

In der Dimension Bildung und Ausbildung sahen die Autoren trotz Fortschritten auch Besorgnis erregende Trends. So erwarten knapp 25 Prozent, dass sie nach Beendigung der Schule und der Ausbildung nur Arbeiten mit niedriger Qualifikation ausüben werden. In den USA, die im Gesamtvergleich ganz hinten liegen, haben nur neun Prozent eine so pessimistische Erwartung hinsichtlich ihrer Zukunftschancen. Deutschland liegt hier auf dem letzten Platz aller untersuchten Industrieländer. Rund zwölf Prozent der Jugendlichen im Alter von 13 und 15 Jahren in Deutschland leiden zudem an Übergewicht und Bewegungsmangel.

Kampf gegen Kinderarmut gezielt verstärken

Das UN-Kinderhilfswerk appellierte an Bundesregierung, Länder und Kommunen, das Wohlbefinden und die Rechte der Kinder zum Maßstab ihrer politischen Entscheidungen zu machen. Kinder dürften nicht nur aus der Perspektive ihrer Leistungsfähigkeit beurteilt werden. "Der Kampf gegen Kinderarmut in Deutschland muss gezielt verstärkt werden", forderte Unicef. Mehr müsse auch getan werden, um die Gesundheit der Kinder zu fördern. Um dem internationalen Problem übergewichtiger Kinder zu begegnen, müssten Sport und Bewegung sowie ausgewogene Ernährung einen höheren Stellenwert erhalten. Medien, Politik und Elternhäuser sollten sich konsequenter gegen Rauchen und Alkoholkonsum positionieren.

APN/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Xennia (15.01.2010, 13:33 Uhr)
vorbildliche Nachbarländer
@ Lächerlich...
Sie fragen, wo es sich besser leben lässt, als in Deutschland. Da braucht man nicht weit zu fahren.
Ich pendele täglich berufsmäßig zwischen Holland und Deutschland und bin immer wieder erstaunt, wieviel besser das Leben in Holland ist, nicht nur für Kinder.
Unser anderes Nachbarland Österreich halte ich definitiv für das
"bessere Deutschland", da dort eine wesentlich freundlichere Atmosphäre herrscht. Von diesen
beiden Ländern allein schon könnte Deutschland viel lernen, was Lebensqualität anbetrifft.

schmutz (15.01.2010, 11:38 Uhr)
Deutschland einig Mittelmaß
Ja stimmt, Deutschland ist in allem Mittelmaß .Aber anstatt auf die Straße zu gehen, hocken wir hier alle und schreiben tolle Postings. Ist ja auch viel bequemer (ging auch an mich)...

Zu den Kindern. Deutschland ist eine mieses Land für Kinder. Was für eine Botschaft ist das für Kindern (hier eher Jugendliche) ? Nein wir haben kein Geld für bessere Schulen.. oh die Banken kranken an ihrer eigenen Gier ? Kein Thema: Hier ist ein Versprechen auf 500.000.000.000 ? für euch. Nein. Kinder und Jugendlich sind nicht so doof, wie sie manche gerne hätten. Sie sehen was passiert und merken wann sie unerwünscht sind und unsere Gesellschaft ist schon fast verzweifelt bemüht Kindern und Jugendlichen das zu vermitteln.

Von der Familien Politik möchte ich (als Betroffener) mal nicht anfangen. Geld ist hier halt nicht alles und Gutscheine auch nicht.
allesklar (15.01.2010, 05:56 Uhr)
UNICEF/STERN
ich wurde gerne die vergleichskriterien kennen die D - SO beurteilen. Irgendetwas ist aus der statistik geraten.....

_______
PS: @ Interuter

Ne stimmt nicht - D hat ein ziemlich hohes niveau!
Fakten (15.01.2010, 01:18 Uhr)
@Xennia
Stimmt! Laesst sich uebrigens auch auf die spaetere Zeit als Arbeitnehmer uebertragen.

Wehe man wird arbeitslose, dann wird man erst richtig schaebig und dreckig von den Personalbueros in Deutschland behandelt.

Kann man mit dem folgenden Zustand vergleichen: wer schon auf dem Boden liegt wird auch noch in die Fresse getreten.
Xennia (14.01.2010, 21:53 Uhr)
mittelalterliche deutsche Schulen
"In Deutschland vermitteln wir vor allem mögliche Gefahren. Nach dem Motto: Pass auf, dass Du nicht scheiterst!"
Dieses Motto geistert vor allem durch deutsche Schulen (die in vieler Hinsicht im Mittelalter stecken geblieben sind), wo es anscheinend nichts schlimmeres gibt, als Fehler zu machen. Dabei lernt man vor allem durch Fehler.
Im Siegerland Holland geht es in den Schulen wesentlich lockerer zu und die Kinder erwerben mehr Selbstvertrauen.
ganzbaf (14.01.2010, 20:03 Uhr)
Manche haben...

alles.
Andere noch viel mehr.

Trotzdem wird gejammer, leider nicht viel mehr... ;-ü
---

Lyrik am Abend, erqickend und labend
SirDidimus (14.01.2010, 19:23 Uhr)
wie immer
wir haben alles und trotzdem jammern wir. danke stern und allen anderen negativen medien. uns geht es schlecht. genau, im jammern sind wir spitze.
screne (14.01.2010, 18:39 Uhr)
Lächerlich...
Wer behauptet, in Deutschland könne man nicht gut leben, war noch nie im Ausland. Wenn Länder auf der Welt, gibt, in dem es sich "besser" (was auch immer das heißt) leben lässt, gibt es sicherlich nicht sehr viele davon. Zentral-/Westeuropa ist imho eine der besten Gegenden der Welt zum Leben. Wo soll es besser sein? China, Afrika, Südamerika? Selbst in den USA ist nicht alles toll, siehe Gesundheitssystem.
interruter (14.01.2010, 17:34 Uhr)
In Deutschland ist alles nur mittelmässg!
Mittelmässige Männer und Frauen ,Mittelmässige Politiker!
Mittelmässiges Einkommen wenn überhaupt!
usw.etc.
Aber trotzdem glauben alle der Mittelpunkt der Welt zu sein!:-))
Und das Wort Hoch steht vor vielem!
auwei (14.01.2010, 17:15 Uhr)
Deutsche Krankheit
Zitat: "In Deutschland vermitteln wir vor allem mögliche Gefahren. Nach dem Motto: Pass auf, dass Du nicht scheiterst!" DAS ist die deutsche Krankheit. Miesmachen, Angstmachen, Duck, Druck - und sich dann noch über die Asozialen Schulabbrecher mit Migrantenhintergrund mokieren. SO führt man nicht mal einen Regenwurm aus der Krise.
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