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20. Oktober 2009, 12:52 Uhr

Länderfürsten widersetzen sich Steuersenkungen

Die kostspieligen Entlastungs-Forderungen der FDP spalten die Union. Während die Liberalen in den Koalitionsverhandlungen in Berlin zunehmend die Oberhand gewinnen, drohen CDU-Ministerpräsidenten mit einem Veto im Bundesrat. Einig ist man sich offenbar aber darin, dass beim Haushalt getrickst werden soll.

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Sorgen sich um ihre Länderhaushalte: Die Ministerpräsidenten Christian Wulff und Günther Oettinger© Andreas Rentz/Getty Images

Nach dem Eklat um Niedersachsens CDU-Regierungschef Christian Wulff haben auch andere Ministerpräsidenten der Union ihre Skepsis zu den Steuersenkungsplänen der FDP bekräftigt. "Fast alle Länder gehen für das kommende Jahr von rekordträchtigen Verschuldungen aus. Deswegen ist den Landesfinanzministern Angst und Bange, wenn jetzt die Frage von Steuersenkungen diskutiert wird", sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) dem "Handelsblatt".

Er kündigte an, dass sein Land den Beschlüssen der künftigen Koalitionäre im Bundesrat nicht unter allen Umständen zustimmen werde. "Baden-Württemberg kann moderate Steuersenkungen mittragen, wenn Impulse für die Wirtschaft dabei herauskommen", sagte er. Beispielsweise hätten Änderungen bei der Zinsschranke einen Effekt auf die Wirtschaft, "andere Steuererleichterungen weniger". Baden-Württemberg werde seine Zustimmung im Bundesrat zu Steuersenkungen auch von den Auswirkungen auf den Landeshaushalt abhängig machen.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sagte dem "Handelsblatt": "Es ist absolut unumgänglich, dass Bund und Länder die gerade beschlossene Schuldenbremse einhalten." Die aktuellen Steuerpläne der FDP würden bedeuten, dass die Regierung das gesamte öffentliche Auftragswesen abwürge. "Darüber hinaus würden wir uns mit einer solchen Steuerpolitik mitten in der Finanzkrise selbst die Handlungsfähigkeit rauben", betonte Tillich. Was in Berlin entschieden werde, habe "erhebliche Folgewirkung für die Steuerbarkeit der Länder- und Kommunalhaushalte".

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel warnte Oettinger vor einer "Angsthasenpolitik". Gerade die vielen kleinen und mittleren Unternehmen in Baden-Württemberg bräuchten Steuererleichterungen, erklärte Niebel in Berlin.

"Das ist nicht darstellbar"

Am Samstag hatte Wulff bei den Koalitionsgesprächen in Berlin gedroht, die Zustimmung zu weitgehenden Steuersenkungen im Bundesrat zu verweigern, und die FDP-Pläne massiv abgekanzelt. FDP-Chef Guido Westerwelle drohte daraufhin mit einem Abbruch der Gespräche. "Mit eigenem Geld kann man zocken, mit dem Geld der Bürger nicht", legte Wulff in der "Bild"-Zeitung nach. Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) verwies am Montag auf die Auswirkungen der FDP-Pläne für die Länderhaushalte.

Nach "Handelsblatt"-Informationen planen die finanzpolitischen Sprecher der Unionsfraktionen in den Landtagen an diesem Dienstag eine entsprechende Resolution. "Die Sorge ist groß, dass der Bund sein Entlastungspaket einseitig zu Lasten der Länder schnürt", sagte der Sprecher der Gruppe, der thüringische CDU-Fraktionschef Mike Mohring. Bei der Einkommensteuer müssten die Länder nach gängigem Verteilungsschlüssel 42,5 Prozent der geplanten Entlastung von etwa 20 Milliarden Euro aufbringen. "Das ist nicht darstellbar", sagte Mohring.

CSU-Chef Horst Seehofer hatte derweil unmittelbar vor den Koalitions-Schlussrunden von Union und FDP bereits Entlastungen der Bürger für 2011 angekündigt. Er wollte sogar eine weitere Steuersenkung im kommenden Jahr nicht ausschließen. Union und FDP treffen sich am Mittwoch zu ihren Schlussberatungen über den Koalitionsvertrag in großer Runde. Erst für Donnerstag oder Freitag wird eine Entscheidung erwartet.

Gigantische Erhöhung der Neuverschuldung geplant

Am Dienstagmorgen hatte die Deutsche Presse-Agentur (DPA) noch berichtet, in der Union werde mit zügigen und großzügigeren Steuersenkungen gerechnet. "Entlastungen könnte es relativ kurzfristig geben", heißt es ihren Informationen zufolge in Unionskreisen. Der Umfang werde auch "sicherlich" über das bisherige Ziel der Union von 20 Milliarden Euro hinausgehen. "Sonst würde das die FDP nicht mitmachen."

Zur Finanzierung der Milliarden-Steuergeschenke wollen sich die Koalitionäre laut Financial Times Deutschland offenbar mit einer gigantischen Erhöhung der Nettokreditaufnahme Luft verschaffen. Nach Angaben aus Union und FDP soll der Bund noch in diesem Jahr bis zu 50 Milliarden Euro an neuen Krediten aufnehmen, um vorab Defizite der Bundesagentur für Arbeit und der Krankenkassen zu finanzieren. So könnten Union und FDP ihr Wahlversprechen einlösen, die Sozialbeiträge vorerst stabil zu halten.

Der Aufbau dieser besonderen Kriegskasse sei bereits vereinbart, hieß es in Koalitionskreisen. Geprüft werde aber noch, ob man schnell genug einen Nachtragshaushalt beschließen könnte. Möglich sei auch die Bildung eines "Sondervermögens zur Sicherung der Sozialsysteme".

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 26)
 
VolkerRockel (21.10.2009, 09:34 Uhr)
Völlig Banane...
Das Ganze ist inzwischen absolut irrational,- mit gesundem Menschenverstand nicht mehr zu bgreifen! Der Staat verschuldet seine Bürger mit 50 Milliarden Euro (pro Kopf mit zusätzlichen 609,75 Euro) über einen Schattenhaushalt, der die Schuldenbremse aus dem Grundgesetz umgeht(!), um Wahlversprechen einzulösen!

Stellt sich mir inzwischen die Frage - auch vor dem Hintergrund, dass hier Regierungsmitglieder mitverhandeln, die einen Eid auf die Verfassung abgelegt haben - ob dieses ganze abstruse Handeln überhaupt noch verfassungskonform ist?
umjo (20.10.2009, 19:40 Uhr)
apropos Tigerenten...
...war es nicht die Tigerente, die bei ihrem ersten Auftritt "Oh, wie schön ist Panama!" ausgerufen hat?
Und: werden in Panama nicht hauptsächlich Bananen angebaut??
- Na also, oh Du schöne Republik, Du hast bekommen, was Du Dir verdient hast!
Müsste Janosch jetzt nicht eigentlich als Science-Fiction-Autor bezeichnet werden???
Na ja, Märchenerzähler passt mindestens genau so gut...
auwei (20.10.2009, 15:35 Uhr)
@utospatz
Ja, denn der Neanderthaler ist Geschichte. Bei der anderen Spezies hat er wohl nicht richtig aufgepasst, der Schöpfer (was einmal mehr gegen seine Existenz spricht).
raptor-xl (20.10.2009, 15:35 Uhr)
ach ne...
die länder selber tricksen wo sie können und versprechen bei jedem wahlkampf supermist und nun soll das alles anders sein? denke, da biedern sich die schuhküsser von angie nochmal richtig an. vielleicht hat sie ja selbst die sms geschrieben, dass der getreue hund wulf nun mit dem schwänzchen wedeln darf. der ist doch sonst so langweilig, dass alles einschläft. klarer fall von profilisierungsneurose...
utospatz (20.10.2009, 15:31 Uhr)
Bei jedem Regierungswechsel war es
doch immer schon so, wie mach ich meine Lobby,-und Parteifreunde froh!
Seit jahrzehnten versucht jede neue Regierung ihre größten Parteispender zu schützen, dieser rote Faden zieht sich durch die vergangenen 45 Jahre. Schon immer war jede Neuverschuldung zu Gunsten einer Lobbyklique, und für das Volk blieben Brosamen übrig!
Selbst 50 millionen Hartz-Puff-Empfängern wäre es nicht gelungen, den derzeitigen Schuldenberg auf den Schultern des Fußvolkes aufzubauen.
Dieß war nur den politischen Parteien die den vergangenen 4 Jahrzehnten die Regierung stellten möglich. Warum manche heute darüber jammern ist mir unverständlich, schließlich wurden die ja Alle von irgendeinem Armleuchter gewählt!
Ob dem lieben Gott bewusst war, was er dem Globus antat, als er den Neandertaler auf den Erdball geworfen hatte?
Johann58 (20.10.2009, 15:02 Uhr)
Am allerbesten hat mir der Satz gefallen
Einig ist man sich offenbar aber darin, dass beim Haushalt getrickst werden soll.

Er zeigt sehr deutlich wie tief der Graben zwischen Regierung und Bevoelkerung ist. Was mich nach wie vor wundert, ist dass die Mehrheit der Waehler wohl nur den besseren Wahlluegner gewaehlt hat. Ist denn der Waehler tatsaechlich so dumm, dass er glaubt diejenigen welche 4 Jahre in der Verantwortung waren wuessten nicht um den Zustand des Haushalts und haben nicht Guido und Angela lange vor der Wahl sich nicht laengst abgestimmt ueber das was geht und was nicht. Das Wahlergebnis war ja nahezu identisch mit den Vorhersagen seit einem Jahr. Fuehlt sich denn irgendjemand verarscht? Ich nicht, ich fuehke mich bestaetigt in dem was da jetzt gemacht wird, ich habe es nicht gewusst aber geahnt. Im Uebrigen muessen wir weder das Wahlsystem aendern, das Demokratiesystem ueberholen oder die Schweiz kopieren. Das mit der Schweiz funktioniert nicht in einem Staat wie Deutschland. Das Wahlsystem ist durchaus in Ordnung nur werden unsere Politiker einfach nicht zur Verantwortung gezogen fuer den Mist den sie verzapfen. Dann muss man sich die CDU ansehen, die sich mit einer Kanzlerin und Parteivorsitzenden schmueckt, die als Sonnenkoenigin auftritt und jeden halbwegs faehigen Politiker in ihrer Partei kalt stellt, bis nur noch die allseits bekannten Flachpfeiffen uebrig sind. Gute Politiker sind in Deutschland selten und so lange sie keine Chance haben gegen jemanden wie Merkel wirkungsvoll zi oponieren, werden sie in die Wirtschaft abwandern. Ruiniert hat Deutschland neben der Weltwirtschaftkrise insbesondere ein gewisser Glos, der einem der wichtigsten Ressorts in Deutschland vorgestanden hat ohne Ahnung, ohne jeglichen Sachverstand und vor allem ohne den Willen sich auch nur ein bischen was anzueignen und dann sich einfach aus demn Staub gemacht hat als das allersrste bischen Gegenwind geblasen hat. Und genau diese Art von Politik steht uns jetzt weiter 4 oder 8 Jahre bevor..
kinderhort (20.10.2009, 14:33 Uhr)
Geldverschwender
Die gelder für die EU stammen von Kürzungen der Bundeszuschüße an die
Gemeinden, schon damals hat man
Angefangen die Städte und Gemeinden in
die Finanzelle Schieflage zu bringen und so geht es die letzten Jahren immer weiter ,die Kommunen können ihre Haushalte nicht mehr ausgleichen und hier muß der Wähler also die zeche für unsere Bundespolitik bezahlen, dies
allein ist schon ein Grund diese im Glashaus sitzende nicht zu Wählen, es geht
denen auch den Landesfürsten nicht mehr
ums Volk sondern nur noch einigen wenigen immer mehr zukommen zulassen, dort liegt der Wahlbetrug und dies gehört geändert, und dies geht mit den Parteien die wir heute in diesem Land haben anscheinend nicht mehr.

ganzbaf (20.10.2009, 14:26 Uhr)
@kabelmann

Das sind aber nur deine Vermutungen ;-)
Die Schweiz zeigt, das Direktdemokratie funktioniert.
Und ich behaupte, sie wird niemals so beinflußbar sein, wie die reine Parteien-Demokratie.

Wenn die Öffentlichkeit alle 3 Monate über ein ganzes Paket an Themen abzustimmen hat, kann die Presse schon rein zeitmäßig nicht zu allen Themen AgitProp betreiben.
pingpong (20.10.2009, 14:08 Uhr)
Was wollt ihr
eigentlich? Das Volk hat doch diese "Führung" gewollt und gewählt.
Auch die Nichtwähler!!
auwei (20.10.2009, 13:56 Uhr)
@Volker Rockel
Unsere Wahl (nein, meine auch nicht, aber so ist Demokratie).
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