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8. Oktober 2009, 06:58 Uhr

Familien erhalten mehr Kindergeld

Schneller als gedacht sind Union und FDP zu ersten Ergebnissen in den Koalitionsverhandlungen gekommen. Die Bundesbank übernimmt künftig die Bankenaufsicht - und auch beim Kindergeld tut sich was.

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Treffen sich heute zum zweiten Mal in großer Runde zu Koalitionsverhandlungen: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und FDP-Chef Guido Westerwelle© Thomas Lohnes/DDP

Vier Tage nach Beginn der Koalitionsverhandlungen ziehen die Spitzen von CDU, CSU und FDP an diesem Donnerstag eine erste Zwischenbilanz. Schon am Mittwochabend hatten die Unterhändler ein erstes wichtiges Ergebnis im Grundsatz vereinbart: Die Bankenaufsicht in Deutschland wird künftig unter dem Dach der Deutschen Bundesbank konzentriert. Wie Kanzleramtschef Thomas de Maizière (CDU) und FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms nach achtstündigen Beratungen weiter mitteilten, bleibe die Unabhängigkeit der Bundesbank gewahrt. Offen sei noch, ob auch die Versicherungsaufsicht darunter fällt.

Wie es weiter hieß, besteht auch Einvernehmen über die Einschätzung der Finanzlage des Bundes. Nähere Angaben wurden allerdings nicht gemacht. Über konkrete Steuersenkungen wurde noch nicht entschieden.

Einigkeit über Erhöhung des Kindergeldes

Bewegung auch beim Thema Familienpolitik. Offenbar wollen Union und FDP mit den Kinderfreibeträgen auch das Kindergeld anheben. Darüber bestehe in den Verhandlungen große Einigkeit, meldete die "Frankfurter Rundschau" vorab unter Berufung auf Verhandlungskreise. Wie stark die Erhöhung ausfalle, sei noch offen. Es bestehe aber Konsens zwischen den Verhandlungspartnern, dass Kindergeldbezieher bei den geplanten Entlastungen für Familien nicht leer ausgehen dürften.

"Eine isolierte Anhebung nur des Kinderfreibetrages" nütze vielen Familien nichts, sagte der familienpolitische Sprecher der Union, Johannes Singhammer, der Zeitung. "Notwendig ist daher auch eine Anhebung des Kindergeldes", betonte Singhammer. Er forderte einen ganzheitlichen Ansatz in der Familienpolitik. Noch einmal eine so lange Pause wie in der Vergangenheit bei der Aufstockung des Kindergeldes sei den Familien nicht zuzumuten.

Bei der FDP rennt die Union mit dieser Forderung offene Türen ein. In ihrem Wahlprogramm haben die Liberalen angekündigt, das Kindergeld von 164 Euro je Monat auf 200 Euro anzuheben. Ob es zu einer so deutlichen Verbesserung kommen wird, ist bei den Gesprächen von Schwarz-Gelb nach Angaben von Verhandlungsteilnehmern wegen der schlechten Haushaltslage ein offener Punkt. Bereits verständigt hätten sich Union und FDP dagegen auf eine Anhebung des Kinderfreibetrags bei der Einkommensteuer auf 8004 Euro von bisher 6024 Euro, hieß es in dem Bericht der "Rundschau" weiter. Dies werde mit rund drei Milliarden Euro zu Buche schlagen.

Erste Ergebnisse beim Komplex Innere Sicherheit

Der Themenkomplex Innere Sicherheit und Rechtspolitik soll bereits in der kommenden Woche abgehakt sein. Diesen Zeitplan nannte der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Ich gehe davon aus, dass wir bis nächste Woche Donnerstag fertig sind", sagte Bosbach. Was bis dahin nicht vereinbart sei, schaffe man später auch nicht mehr. CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl sagte dem Blatt, man werde sich in Streitfragen nicht verkämpfen. Beim Thema Jugendgewalt hätten Union und FDP bereits erste Pflöcke eingeschlagen, erklärte Uhl und fügte hinzu: "Wir sind uns einig, dass es im Gesetz und in der Rechtsanwendung Defizite gibt, die wir beheben wollen."

Die großen Drei ziehen erste Bilanz

Merkel, CSU-Chef Horst Seehofer und der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle wollen am Donnerstag beim zweiten Treffen in der großen Koalitionsrunde in der Berliner NRW-Landesvertretung die bereits erzielten Ergebnisse und die kritischen Punkte analysieren. "Jetzt gehen wir in der großen Koalitionsrunde an die inhaltliche Sacharbeit", sagte FDP-Generalsekretär Dirk Niebel. In den Arbeitsgruppen wurden zunächst unstrittige Themen behandelt. Die Steuerreform und die Gesundheitspolitik, der Umbau von Hartz-IV oder die Abschaffung der Online-Durchsuchungen sind hingegen noch große Hürden.

Streit gibt es bei der Außen- und Sicherheitspolitik, die Arbeitsgruppe hierzu tagt am Donnerstag erstmals. Der FDP-Außenpolitiker Werner Hoyer warf der Union vor, bereits im Vorfeld einseitig Positionen festgelegt zu haben. "So kann man nicht miteinander umgehen", sagte Hoyer der "Financial Times Deutschland".

In den Gesprächen dürfte besonders die Wehrpflicht für Zündstoff sorgen, die die FDP abschaffen will. Der CDU-Politiker Andreas Schockenhoff betonte aber: "Für die Union ist die Wehrpflicht unverzichtbar." Länder wie Spanien und Frankreich, die den Grundwehrdienst abgeschafft haben, hätten große Probleme, qualifizierte Nachwuchskräfte zu bekommen.

Beim Thema Datenschutz forderte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU) angesichts der jüngsten Spähattacken auf E-Mail-Nutzer mehr IT-Sicherheit. "Beim Ausspähen von E-Mail- oder Bankkonten, also dem gesamten Bereich der Organisierten Kriminalität im Internet, ist es Aufgabe des Staates, Schutz zu organisieren und das Briefgeheimnis in unsere Welt zu übertragen", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Ein weiteres Treffen der großen Runde um Merkel, Seehofer und Westerwelle ist für den 14. Oktober anberaumt. Am Wochenende vom 16. bis zum 18. Oktober soll es einen Sitzungsmarathon geben. Wenn es nach CDU und CSU geht, sollen die Koalitionsverhandlungen am 18. Oktober, spätestens aber am 23. Oktober abgeschlossen werden. Merkel könnte dann bereits in der konstituierenden Sitzung des Bundestages am 27. Oktober wie geplant wiedergewählt werden.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
knilch_59 (08.10.2009, 21:26 Uhr)
Verirrt im Steuerdschungel
Beim Kindergeld/Kinderfreibetrag gilt das Günstigkeitsprinzip: der günstigere Betrag kommt zur Geltung. Bedeutet, dass ab einem persönlichen Spitzensteuersatz von ca. 35% der Kinderfreibetrag günstiger stellt als das Kindergeld, also derzeit bei Familien mit einem Kind ab ca. 75.000 ? / Jahr Brutto, bei zwei Kindern etwa 81.000 ? mehr usw. (jeweils Jahreseinkommen). Wer heute den Spitzensteuersatz bezahlt, spart durch das Kind rund 6.023 *o,45=2.710 ?. Entsprechend wäre ein monatliches Kindergeld von 226 ?. Nur das Kindergeld erhöhen würde also genau die Mitte entlasten, aber Einkommensstarke wären immer noch besser gestellt, lediglich die Differenz wäre verringert.
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Logisch, dass das nicht sein darf, weil viel zu wenig. Bei Erhöhung des Freibetrags auf 8.000 erhöht sich der Steuervorteil auf 3.440 oder monatlich 287 ?.
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Das soll nur klarstellen, wer hier profitieren soll: Das Kindergeld würde um 18% erhöht, die Steuerentlastungswirkung aber um 25%, also systematisch und planmäßig die Schere weiter geöffnet. Das ist ja auch nur richtig und gerecht, schließlich f**** Reiche ja auch besser, sonst wären sie keine Leistungsträger!
figaroo (08.10.2009, 16:39 Uhr)
@jack
was heißt denn "günstiger" - wenn es einen kinderfreibetrag von 8.000 euro gibt - wie ändert sich denn dann die steuerlast von jemandem, der als vater von zwei kinder 50.000 euro verdient?

zu versteuerndes einkommen und bruttoeinkommen unterscheiden sich in der regel bei normalverdienern nicht wesentlich..

UThome (08.10.2009, 14:19 Uhr)
NRW hat Wahlen....
also schnell noch ein Zückerchen ins Volk werfen, die bitteren Pillen kommen danach.
romeodelta (08.10.2009, 12:25 Uhr)
Es wird doch
nichts nennenswertes! Die letzte Kindergelderhöhung war ein Witz und dann müssen wir uns den Vorwurf der kinderlosen "Leistungsträgern" gefallen lassen, dass das Kindergeld sowieso zweckentfremdet wird. Warum kann der Staat nicht dafür sorgen, dass Energiekosten und Schulkosten (Klassenfahrten usw.) preiswerter gestaltet werden ? zumindest für Familien. Da hätten wir alle was davon - besonders kinderreiche Familien. Die bereits von vielen in diesem Forum stigmatisierten ALG2-Empfänger haben sowieso nix davon, da eine evt. Erhöhung angerechnet wird. Also Gewinner sind die gut verdienenden "Leistungsträger" (Erhöhung des Kinderfreibetrags) und vermeintlichen Verlierer sind die kinderlosen "Leistungsträger", die scheinbar alle Kinder zur Zahlung der Rente später nicht brauchen?
kfpdm (08.10.2009, 12:01 Uhr)
Das ist so geil....
... der eine beschwert sich, dass die Reichen dadurch besser gestellt werden, der nächste beschwert sich, dass die Armen damit besser gestellt werden...

Leute ohne Kinder beschweren sich, dass sie für die ganze Finanzierung aufkommen müssen und Leute mit Kindern haben sich hier noch gar nicht wirklich geoutet.

Die Scheindiskussion hier zeigt das Hauptproblem der Deutschen.... es wird alles negativ gesehen, schlecht gemacht und zerlabert....

Ich habe 3 Kinder und bin nicht arm oder der Unterschicht zuzurechnen... bin allerdings auch nicht reich. Ich rauche auch nicht und gebe das Kindergeld tatsächlich für meine KInder aus.. sei es für Kleidung, Wohnung, Nebenkosten, Essen, Schulbedarf, Schulfahrten, Vereinsbeiträge etc.pp.... Wobei die paar Kröten dafür natürlich nicht ausreichen und ich (gerne) draufzahle.

Jetzt kommt sicher das Argument: Warum muss das die Allgemeinheit mit dem Kindergeld bezuschussen??? Stimmt, aus welchem Grund eigentlich??? Weil die Kinder später einmal für die Alten dieser Gesellschaft die Verantwortung haben.... DARUM.

@Frank4

Absolut berechtigter Hinweis.

Gruß,
A.
Frank4 (08.10.2009, 11:38 Uhr)
Kindergelderhöhung hilft Armen wieder nicht!
Schön, dass jede Kindergelderhöhung den Ärmsten, also ALG II- (Hartz4) und Grundsicherungsempfängern nichts nützt, da es ja 100% angerechnet wird!!!
Die, die es am nötigsten haben, haben mal wieder nichts davon!
Und somit zieht das Vorurteil, dass Hartz4er das Kindergeld in Zigaretten und Alkohol stecken und nur deshalb viele Kinder in die Welt setzen nicht.
jackmuellergmx (08.10.2009, 11:31 Uhr)
Silbador
Mich würde einmal interssieren was als Mittelschicht (Mittelstand)bezeichnet wird. Sind treffliche Begriffe mit denen Politiker gerne umgehen die aber von keinem noch definiert sind. Welches Vermögen welches
Einkommen muß man haben dass man zur Mittelschicht( zum Mittelstand) gehört.
Genaue Zahlen danke
jackmuellergmx (08.10.2009, 11:27 Uhr)
jack
figaroo
Bruttoverdienst ist der falsche Maßstab um eine genau aussage machen zu können. Das zu versteuernde Einkommen ist der richtige Maßstab und man kann davon ausgehen dass ab bei ca 80 000 ? jährliches Bruttoeinkommen der Freibetrag günstiger ist zufrieden figaroo?
jackmuellergmx (08.10.2009, 11:21 Uhr)
Kindergeld typische umverteilung von unten nach oben
Würden nur alle die weniger als ca 70000 ?
zu versteuerndes Einkommen verdienen steuerlich mehr versthen hätten wir eine andere regierung. Herr Ackrmann und consorten werden durch die anhebung der freibetrages ein kindergeld von 315 ? monatlich erhaslten der unter ca 70000? verdient wird eben nur diese angepeilen 200 ? bekommen und es wid auch bei jeder senkung der einkommensteuer immer die besser verdienenden mehr bekommen. Leider verstehen die "kleinen malochenden" Arbeiter das steuerecht zu wenig sonst hätte eine FDP keine 15 % bekommen
Silbador (08.10.2009, 11:18 Uhr)
Irrsinn
Die Unterschicht vermehrt sich und die Mittelschicht schrumpft.
Geld mit der Gisßkanne zu verteilen ist Schwachsinn. Die Gelder müssten zweckgebunden investiert werden: Schulmittelfreiheit, Transfer zur Schule, Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung, das wäre eine sinnvolle Investition in den Nachwuchs.
So wird das Meiste wohl wieder am Kiosk für Zigarretten, Bier und Lottoscheine umgesetzt.
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