. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
20. März 2007, 14:57 Uhr

Anglizismen sollen auf den Müll

Eine Gruppe von Unions-Abgeordneten hat in Berlin ein Positionspapier vorgestellt, das unverständliche Schilder, Gesetze und Anleitungen anprangert - vor allem aber halb-englische Begriffe wie "Call a bike Standort". Die Verbraucherzentralen sind erfreut, die Sprachpfleger jubeln. Von Lutz Kinkel

"Stadium Ticket Centre" - "Verkauf von Eintrittskarten" würden mehr Menschen verstehen© Michael Kappeler/ddp

"DB Carsharing", "Surf & Travel", "Call a bike Standort" - wer weiß schon, was mit diesen Begriffen gemeint ist? Viel zu wenige, meint die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag. Deren Beauftragte für Verbraucherpolitik, Julia Klöckner, stellte am Dienstag ein Positionspaper vor, das die Verwendung deutscher Begriffe anmahnt. Die Deutsche Bahn, die in dem Papier explizit für die bizarre Bezeichnungen ihrer Angebote kritisiert wird, will die Vorwürfe prüfen, sagt ein Sprecher zu stern.de. Verbraucherschützer und Sprachpfleger begrüßen die Initiative.

In ihrem Positionspapier argumentieren die Unions-Abgeordneten, zu denen zum Beispiel Vertriebenenfunktionärin Erika Steinbach und Ex-CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer zählen, dass die Mehrheit der Bevölkerung englische Begriffe gar nicht oder nicht hinreichend verstehe. Zu den "Nichtverstehern" gehören dem Papier zufolge ältere Menschen, die nie eine Fremdsprache erlernt haben, türkische und arabische Einwanderer, oder auch Ostdeutsche, die in der Schule zwar Russisch, aber kein Englisch gepaukt haben. Diese Menschen dürften nicht ausgegrenzt werden, heißt es. "Es muss im Alltag wieder selbstverständlich werden, dass man sich als Verbraucher in Deutschland ausschließlich mit dem Beherrschen der deutschen Sprache zurechtfindet."

Die Unions-Abgeordneten erheben drei konkrete Forderungen:

  • Die Bundesregierung soll Vorbild sein: Alle Gesetzestexte, Verlautbarungen, Werbekampagnen und Veröffentlichungen sollten "in verständlicher deutscher Sprache abgefasst sein". Veranstaltungen wie der "Girls' Day" des Familienministeriums müssten demnach umbenannt werden.
  • Die Unternehmen, an denen der Bund beteiligt ist, etwa die Bahn, die Telekom oder auch Flughäfen, sollten dazu gezwungen werden, ihre Schilder, Broschüren und Websites auch in gutem Deutsch abzufassen. Telekom-Angebote wie "Call & Surf Comfort Plus" oder "Meeting Point"-Hinweisschilder auf Flughäfen müssten dann zumindest ergänzt werden.
  • Die deutsche Wirtschaft wird aufgefordert, Formulare, Gebrauchs- und Betriebsanleitungen sowie Bedienelemente in deutscher Sprache vorzulegen. Tabu wären zum Beispiel die allgegenwärtigen "Power"-Knöpfe oder auch Bedienungsanleitungen, die ausschließlich in englischer Sprache abgefasst sind.

Die Initiative der Unionsabgeordneten hat keinen bindenden Charakter - sie ist offenbar, obwohl das Papier unter Überschrift "Verbraucherschutz" läuft, nicht mit Horst Seehofers Verbraucherministerium abgestimmt. Eine von stern.de angefragte Sprecherin sagte, sie müsse sich zunächst einen Überblick verschaffen und Rücksprache halten.

"Kniefall vor den USA"

Stattdessen hatten die Abgeordneten den Bundesverband der Verbraucherzentralen vorab informiert. "Wir begrüßen es, wenn Bezeichnungen abgeschafft werden, die zu Fehlinformationen führen", sagt Verbandssprecher Christian Fronczak. Vor allem würden sich Verbraucher über unverständliche Passagen im Kleingedruckten von Verträgen beschweren. "Verunsicherung, Irreführung und Fehlinformation von Verbrauchern ist bei uns ein großes Thema", so Fronczak. "Aber es lässt sich nicht allein an Anglizismen festmachen."

Gerd Schrammen, Sprecher des Vereins Deutsche Sprache, der rund 27.000 Mitglieder zählt, begrüßt die Initiative ebenfalls - auch deshalb, weil ein Mann wie Laurenz Meyer, der bislang nicht durch sprachpflegerische Aktionen aufgefallen ist, daran teilnimmt. "Herr Meyer wäre ein neues Schaf in unserer Herde. Das wäre gut: Er hat politisches Gewicht." Schrammen, der vor seiner Pensionierung als Romanist an der Uni Göttingen arbeitete, wehrt sich im Namen des Vereins gegen jede Art von Anglizismus in der Werbung und in den Medien. "Wir wollen auf keinen Fall, dass die Sprache von irgendwelchen Schwätzern zu einem hässlichen Kauderwelsch verunstaltet wird - das auch für Verbraucher irreführend ist", sagt er zu stern.de. Für Schrammen hat die Abwehr von Anglizismen auch eine politische Dimension, die so von den Unionsabgeordneten sicher nie formuliert werden würde: "Jedes englische Wort, das wir benutzen, ist ein Kniefall vor der herrschenden Weltmacht USA."

Ihre Meinung

Ärgern Sie sich über deutsch-englische Worte? Oder mögen Sie den Slang? Brauchen wir ein Sprachgesetz?

Diskutieren Sie mit! Bisherige Beiträge (15)
Von Lutz Kinkel
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
Freyja79 (20.03.2007, 19:30 Uhr)
Denglisch
Ich mag die englische Sprache ebenso wie die deutsche, aber dieser denglische Mischmasch ist unerträglich. Ich bin für ein "entweder oder".
Viele dieser Begriffe sind auch für Englisch sprechende Ausländer unverständlich, weil es die Ausdrücke im Angelsächsischen nicht gibt, wie z.B. Showmaster oder sie eine ganz andere Bedeutung haben, z.B. Handy.
Ein örtlicher Mobilfunkanbieter heißt z.B. Handyman, was im Englischen ein Heimwerker ist. Vollkommen unsinnig.
In meinen Augen ist es Wichtigtuerei, um beweisen zu wollen, dass man "international" ist.
iovialis (20.03.2007, 18:43 Uhr)
Ein Jubel geht durch Deutschland...
als ob die Deutschen nur das Sprachproblem hätten, haben die Politiker endlich etwas gefunden, was allgemeine Anerkennung findet. Es scheint vergessen, daß wir noch tausend andere Probleme zu lösen haben. Aber es ist schon richtig, daß wir uns zumindest verstehen sollten, wenn wir miteinander reden und Probleme lösen. Aber da hilft es nicht, wenn man sich auf "Deutsch" einigt. Bisher habe ich z.B. immer noch meine Probleme damit, was man sich unter "Arbeit" vorstellt. Da hilft es nichts, wenn ich untersage, "Arbeit" nicht "Job" zu nennen ;-)
Lynx2 (20.03.2007, 18:20 Uhr)
Das hat Sinn!!!
Ich finde es einfach grauenvoll, wie hier zwei Sprachen verhunzt werden. Deutsch und Englisch sind für sich sehr schöne Sprachen. Das Gemisch tut einfach nur weh. Ich bin für "entweder, oder"! Das hat Sinn finde ich oder in Englisch "makes sense". Wie ich "Das macht Sinn" hasse. Ich fürchte nur, das wird ein Kampf gegen Windmühlen.
Englischsprachige lachen sich doch nur tot über unsere krampfhaften Anglizismen, die meist sogar noch falsch sind.
Gruss, Uli
Rosenengel (20.03.2007, 18:11 Uhr)
Endlich mal was Gutes
Dies ist eine sehr erfreuliche Nachricht. Die deutsche Sprache, die Sprache nicht nur von Goethe und Schiller, hat es verdient als Kulturgut erhalten zu bleiben. Ich habe nie verstanden, warum deutsche Firmen in Deutschland (Berthelsmann) Englisch als offizielle Firmensprache eingeführt haben. Oder das es Politiker gibt, die behaupten, Deutsch sei nur noch eine "Feierabend"Sprache. Ganz eklig hört es sich an, wenn ein Politiker in seinem, ansonnsten in Deutsch gehaltenen Vortrag, plötzlich ganz gestelzt sagt: Näschon Bilding. Einfach "Bildung einer Nation" zu sagen, ist ihm nicht eingefallen.
Dies Denglisch, wo oft dazu noch die englischen Lehnwörter Sinnverkehrt angewandt werden, fand ich schon immer eklig.
salz63 (20.03.2007, 17:59 Uhr)
Das wird eh nichts!
"Augenmaß" ist eines der wenigen Wörter für die ich keine englische Übersetzung wüßte. Leider wird man wohl eben dieses "Augenmaß" auch in diesem Zusammenhang vermissen lassen und sich an Kleinigkeiten aufhängen und das wichtige aus dem Auge verlieren. So wird es bald keine Power-Knöpfe mehr geben, aber was der Kollege im Büro nebenan eingentlich für eine Aufgabe hat wird man weiterhin nur erahnen...
RFI2k7 (20.03.2007, 17:21 Uhr)
Man grenzt Ausländer aus mit Denglisch
Ich sehe es täglich bei meiner brasilianischen Frau. Sie hat keinen Bezug zu Englisch, hat im Integrationskurs gut Deutsch gelernt, aber schon wenn sie ein Schampoo kaufen will kann sie kaum das richtige Produkt finden, weil man dort die irrsinnigsten Bezeichnungen verwendet. Hier um die Ecke (Badstrasse/Berlin) ,wo Deutsch 1. Fremdsprache ist, kaufen viele Ausländer lieber Produkte aus der Heimat, weil die "Deutschen" Kosmetikprodukte einfach zu unverständlich beschrieben sind.
Schico (20.03.2007, 17:19 Uhr)
Au fein,
auch im Berufsalltag nervt das nämlich gewaltig: wenn man ein Briefing erhält und später zum Rebriefing einlädt und dafür ein Feedback braucht...
Aber es klingt ja alles so schön wichtig, wenn man z.B. plötzlich als facility manager oder als store manager bezeichnet wird :-)
Schwaben-Giovanni (20.03.2007, 17:13 Uhr)
Denglisch und Türtsch, oder was ?
Jeder hat es selbst in der Hand, seine Ausdrucksweise zu wählen. Es bedarf nur etwas Mut: Warum wohl hat Douglas seinen Werbespruch wieder geändert ? Weil`s keiner verstanden hatte ! Niemand braucht diese Döner- und Bronx-Phrasen, es gibt in Deutschland genug schöne und interessante Dialekte.
Gell ? Servus ! Moin.
MoodyMare (20.03.2007, 17:10 Uhr)
ohne worte
Unser President wird sich ganz bestimmt sehr darueber aergern wenn unsere lieben Krauts den boykott gegen englische eingedeutschte Woerter antreten.
So eine Logik kann auch nur aus Dland kommen.
Impaler (20.03.2007, 17:06 Uhr)
Gute Initiative
Diese Initiative ist durch und durch begrüßenswert. Es ist wirklich furchtbar, wenn eine Bäckerei plötzlich "Back Shop" genannt wird. (Ein Amerikaner würde bei einem Back Shop an ein Geschäft denken, das Waren für den geplagten Rücken verkauft, siehe http://www.back-shop.com ). Und die Dengli... äh... Deutsche Bahn schießt den Vogel wirklich ab mit ihrer Englisch-Wut.
@Molch666
Den "Fairplay on the Autobahn"-Spruch kann man aber schon durchgehen lassen. Immerhin war der ja auch an zigtausende ausländische WM-Besucher gerichtet, die eben kein deutsch können. (Und dass die großen schnellen Straßen in Deutschland Autobahn genannt werden, ist international bekannt.)
MEHR ZUM ARTIKEL
Anglizismen "Come in and find out"

Über die Notwendigkeit von englischen Wörtern in unserem Alltagsleben lässt sich streiten. In der Werbung befindet sich deren Einsatz bereits auf dem Rückzug. Ein neuer Trend? mehr...

Sprache der Politik (I) Jamie Shea und der Kollateralschaden

Zivile Opfer nennt man im Militärjargon "Kollateralschäden". Jamie Shea, ehemaliger Nato-Sprecher, machte den Begriff während des Kosovokrieges populär - was er heute bereut. mehr...

Sprache der Politik (II) Matthias Machnig und die doppelte Botschaft

"Innovation und Gerechtigkeit", "Sicherheit im Wandel" - das hört sich vertraut an, oder? Der Kopf hinter diesen Slogans ist Matthias Machnig, Spin-Doctor der SPD, der mittlerweile - Überraschung, Überraschung - im Umweltministerium arbeitet. stern.de hat Machnig besucht. mehr...

Jugendslang Pimp your Wortschatz!

Wenn die Diggas wacken gehen, schauen Sie in die Röhre. Das muss nicht sein - denn jetzt gibt es das (unzensierte) Wörterbuch der Jugendsprache. Checken Sie, wie phat Ihr Wissen in Sachen Jugendslang ist. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe